Das Gelenauer DDR-Museum und Corona

Kultur Einrichtung weckt trotz - oder gerade wegen - Corona großes Interesse

Gelenau. 

Gelenau. In der DDR fühlten sich viele Leute einst eingesperrt. Und genau diese Aussicht, so etwas bald wieder zu erleben, könnte sie am Wochenende dorthin führen, wo an jene Zeiten erinnert wird. "Das Gefühl, bald wieder eingesperrt zu sein, hat viele Leute zum Kommen motiviert", sagt Andrea Müller, die in Gelenau ein DDR-Museum aufgebaut hat. Trotz - oder gerade wegen - Corona herrschte dort in den vergangenen Wochen reger Betrie Und weil der befürchtete zweite Lockdown nun bevorsteht, rechnet die Gelenauerin am letzten Oktober-Wochenende noch einmal mit großem Andrang. Bevor ab Montag in kultureller Hinsicht mindestens einen Monat lang nichts mehr unternommen werden kann, bietet sich den Menschen noch eine letzte Chance.

Jubiläum verstärkt Neugierde

Im Frühjahr wirkte sich die Schließung aller Einrichtungen auch auf die Räumlichkeiten von Andrea Müller aus. Die vielen Zeitzeugnisse aus dem DDR-Alltag, die sie in ihren Ausstellungsräumen zusammengetragen hat, schlummerten nur noch vor sich dahin. Dies änderte sich mit den Lockerungen. Hatten die Leute im Sommer kulturellen Nachholbedarf, so nahm nun im Herbst die Ungewissheit zu, wie lange Ausflüge noch möglich sind. "Ich hatte viele Anrufe, ob trotz Corona geöffnet ist", berichtet Andrea Müller. Sie freute sich über das Interesse, das durch das Jubiläum der Deutschen Einheit noch verstärkt wurde. 30 Jahre nach der Wende steht dieses Thema besonders im Fokus.

Symbole für den früheren Alltag

Die einen fühlen sich beim Besuch des Gelenauer DDR-Museums an die eigene Kindheit und Jugend erinnert. In einem Bereich zeigen originale Schulbänke und Ranzen, wie es früher in den Schulen des Ostens zuging. Pionier-Halstuch und FDJ-Hemd dürfen dabei nicht fehlen. Genauso gewähren andere Kleidungstücke, technische Geräte und immer noch vorhandene Lebensmittel Einblicke in den Alltag von damals und frühere Gewohnheiten. Für diejenigen, die nach 1989 geboren sind, erweist sich ein Besuch daher als interessante Zeitreise. Und durch Corona können sie nun sogar ein Stückweit nachempfinden, wie es sich anfühlt, eingesperrt zu sein. Dies könnte einige tatsächlich am letzten Wochenende vor dem Lockdown zu einem Ausflug nach Gelenau bewegen. Vor allem aber freut sich Andrea Müller auf die Zeit nach der Pandemie, wenn - wie damals 1989 - die Menschen wieder in den Genuss ihrer Freiheit kommen.