„Das ist kein Schrumpfen, das ist Amputation“: Beschäftigte von Großbetrieb im Erzgebirge streiken

Beschäftigte beim Entwicklungsdienstleister IAV kämpfen für Jobs und Zukunft der Region

Stollberg/Erzgeb.

Ingo Lath, Betriebsratsvorsitzender der sächsischen Standorte des High-Tech-Entwicklers IAV, gibt sich kämpferisch. „Von 830 Mitarbeitern in Stollberg Chemnitz droht rund dreißig Prozent die Entlassung, weitere zehn Prozent könnten an andere IAV-Niederlassungen im Bundesgebiet wechseln. Das macht nach Ansicht der Kolleginnen und Kollegen keinen Sinn und bedroht Zukunftschancen in der Region“, erklärt der Gewerkschafter am 24. Februar gegen über BLICK Online.

Die Kürzungen seien kein Schrumpfen, sondern eine Amputation. Es gehe um Jobs, aber ebenso um die Zukunft der ganzen Region. An dem Dienstagabend hatten sich vom IAV-Werk am Stollberger Tor Mitglieder der IG-Metall versammelt, um gegen läne der Unternehmensführung zu protestieren. Unterstützung kam von Gewerkschaftern weiterer Betriebe aus Südwestsachsen.

Konflikt um Standorte in Sachsen spitzt sich zu

Damit spitzt sich bei IAV der Konflikt um die Sicherung von Arbeitsplätzen zu. Unter dem Motto „Sachsens Zukunft entsteht hier“ setzten mehrere hundert Beschäftigte gemeinsam mit ihren Familien ein Zeichen an Geschäftsführung und Politiker. Bundesweit stünden, so die Ankündigung der IAV-Spitze, rund 1.500 Arbeitsplätze von insgesamt 5.500 zur Disposition, heißt es von der IG Metall.

Kompetenz vor Ort darf nicht verschwinden

Am Standort Stollberg ist die Verunsicherung groß. Hier bangt derzeit jeder dritte Mitarbeitende um den Job. „Trotz des tiefgreifenden Wandels in der Branche liegt bislang kein verhandlungsfähiges Angebot des Arbeitgebers zur langfristigen Beschäftigungssicherung vor. Wir brauchen die klare Zusage zur nachhaltigen Beschäftigungssicherung und ein Konzept, das den Standort stärkt“, erklärte Eddie Kruppa, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Chemnitz, bei der Demo.

Er betonte, dass die technologische Kompetenz vor Ort unverzichtbar sei, um die Transformation der Automobilregion Südwestsachsen aktiv zu gestalten. Die Gewerkschaft fordere daher, den Standort im „Masterplan Südwestsachsen“ der Landesregierung zu verankern.

Rückendeckung vom Chemnitzer OB

Bereits im Januar hatte eine Aktion zur Betriebsversammlung für Aufmerksamkeit gesorgt. Nun soll der Druck erhöht werden, um eine klare Zukunftsperspektive zu erhalten. Rückendeckung erhielt die IAV-Belegschaft am 24. Februar in Stollberg vom Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze.

Der Kommunalpolitiker wisse um die gewaltigen Herausforderungen, vor denen Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland stünden. Aber man können darauf unterschiedlich antworten: „Entweder man legt die Axt an die Arbeitsstellen oder man nutzt das Potenzial, das hier vorhanden ist. Es braucht die Chance, nicht das Abwickeln. Wir in Sachsen wissen, was wir gut können.“ Und schloss mit den Worten: „Bleibt beieinander!“

Es geht um eine langfristige Perspektive

Auch Betriebsratschef Ingo Lath sieht die Gefahr, dass mit den Arbeitsplätzen Know-how unwiederbringlich verschwindet: „Das Kapital in den Köpfen brauchen wir, wenn der Konjunkturmotor anspringt. Wenn Entwicklungskapazitäten ins Ausland ausgelagert werden, sind sie weg.“

Der hochmoderne Standort in Stollberg sei erst 2014/15 bezogen worden, neben Millioneninvestitionen von IAV wären auch beträchtliche Fördermittel geflossen und er fragt „Ein so massiver Stellenabbau kann doch nicht im Sinne des Steuerzahlers sein?“

Politik muss Rahmenbedingungen schaffen

Vielmehr gehe es um eine langfristige Perspektive für den Südwestsachsen-Standort Stollberg/Chemnitz. Die Politik müsse die Rahmenbedingungen setzen, so Ingo Lath. Er sei darum mit dem Büro von Michael Kretschmer im Kontakt. Die Resonanz aus Dresden stimme ihn optimistisch und er habe den sächsischen Ministerpräsidenten zu IAV eingeladen.

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