Das Management funktioniert

Interview mit Schwarzenbergs Oberbürgermeisterin Heidrun Hiemer

Heidrun Hiemer (63) ist seit 2001 Stadtchefin von Schwarzenberg. Bei der Wahl in diesem Jahr setzte sie sich souverän mit rund 74 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang durch. Mit der Oberbürgermeisterin sprach Katja Lippmann-Wagner.

Haben Sie angesichts der politisch unruhigen Zeiten die nochmalige Kandidatur bereut?

Nein, ich bereue das nicht. Ich habe mich gern und aus Überzeugung dieser Verantwortung gestellt. In einem solchen Amt gibt es nicht nur schöne, angenehme Termine, gerade in schwierigen Situationen sind Politiker gefragt und müssen Entscheidungen treffen.

Wie sehen in Schwarzenberg die aktuellen Flüchtlingszahlen aus?

Wir sind bis zum jetzigen Zeitpunkt unserer Verpflichtung der Mitwirkung nachgekommen. Bisher haben wir in Schwarzenberg 150 Flüchtlinge dezentral in Wohnungen untergebracht. Hauptsächlich sind das städtische Wohnungen, allerdings haben auch Privatvermieter Wohnraum zur Verfügung gestellt.

Es heißt immer, es sind hauptsächlich junge Männer, die nach Deutschland kommen. Können Sie das bestätigen?

Nein, denn wir haben auch Familien aufgenommen. Aber natürlich sind auch junge Männer dabei. Hauptsächlich kommen diese aus Eritrea und aus Syrien.

Gab es bisher Probleme in Schwarzenberg? Gewalt?

Von gewalttätigen Auseinandersetzungen ist mir nichts bekannt. Weder von der einen noch von der anderen Seite. Aber kleinere Probleme gibt es schon. Sie haben eine andere Kultur. Natürlich fühlen sich einige belästigt, wenn sie Teppiche gleich vom Fenster aus ausklopfen oder auf dem Rasen vor dem Haus Fußball spielen.

Das hört sich an als läuft das meiste reibungslos: Was machen Sie richtig?

Ich habe Wert darauf gelegt, dass wir in der Stadt eigene Strukturen aufbauen. Wir arbeiten eng mit dem Landratsamt und mit den Sozialkoordinatoren der Arbeiterwohlfahrt zusammen. Zudem gibt es in der Stadtverwaltung zwei Mitarbeiter, die zusätzlich mit der Flüchtlingsbetreuung betraut sind. Das heißt kurze Wege und sofortige Hilfe bei Problemen.

Das Management in der Stadt stimmt: Wie sieht es aus ihrer Sicht auf Bundesebene aus?

Dort funktioniert es momentan nicht richtig. Wir haben eine Ausnahme- oder auch eine echte Notsituation, das erfordert eigentlich ein geschlossenes Auftreten nach außen und eine klare Linie in der Innenpolitik, um die Menschen nicht zusätzlich zu verunsichern. Parteienpolitik hat momentan hinten anzustehen.