Der Bürgermeister von Wolkenstein und die Wende

Leute Wolfram Liebing und der Osten sind nicht miteinander klargekommen

Wolkenstein. 

Wolkenstein. Im romantischen Städtchen Wolkenstein ist in den letzten Jahren viel passiert. Zu verdanken ist das größtenteils Bürgermeister Wolfram Liebing. Er ist ein eher ungewöhnlicher Ortschef, einer der sich trotz Amtswürden nicht geändert hat und seit 2013 für das Wohl seiner Stadt kämpft.

 

In allen Wohnungen brannte noch Licht

Den 9. September 1989 erlebte der 64-Jährige auf eine ungewöhnlich profane Art und Weise. Er erinnert sich: "Ich war zu DDR-Zeiten Gärtnerhilfsarbeiter und Heizer. Der Osten und ich sind nicht miteinander klargekommen und das hatte viel mit meiner Lyrik zu tun. Die wollten immer wissen was ich mache, und ich wollte nicht veröffentlichen. In den 70er-Jahren wurde mir in Karl-Marx-Stadt sogar nahegelegt, ich könnte in den Westen gehen, da wäre ich besser aufgehoben. Am Tag des Mauerfalls habe ich bis 23.30 Uhr geheizt. Als ich dann nach Hause ging stellte ich fest, dass in allen Wohnungen noch Licht brannte. Da war mir klar, dass etwas Außergewöhnliches passiert sein musste."

"Ich habe jeden Job angenommen."

Seit 1994 war Wolfram Liebing im Stadtrat, vorher in verschiedenen Kreistagen. Auch hat er viel beim Neuen Forum in Chemnitz und in Zschopau mitgemischt und weiß: "Die neue Arbeitsagentur in Zschopau wurde von Mitarbeitern des Rates des Kreises gebildet und im Zschopauer Bürgerbüro herrschte damals ein heilloses Durcheinander. Ich gehörte mit zu den ersten Arbeitslosen, die von der Gärtnerei entlassen wurden. Mit dem Tag der Währungsunion und bis Ende 1994 fing ich bei Müller Stuck an, danach war ich wieder arbeitslos, habe dann jeden Job angenommen", so das Stadtoberhaupt. Ein damaliges Zauberwort hieß "Ich-AG" und genau damit hat sich Wolfram Liebing ab 2006 selbständig gemacht. Es war eine der wenigen, die funktioniert hat. Bis zur Ernennung zum Bürgermeister hat der Lyriker als freier Autor und Messebauer gearbeitet und viele politische sowie historische Artikel geschrieben. Nach diesem ganzen Auf und Ab steht heute für Wolfram Liebing fest: "Bürgermeister ist eine tolle Aufgabe in einem sehr, sehr interessanten Örtchen.