Der geheime Raum der Gefühle

Angebot Diakonie widmet sich Kinder von Sucht belasteten Familien

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Foto: kali9/Getty Images

Marienberg. Therapien, Gesprächsangebote, Klinikaufenthalte - für suchtkranke Menschen gibt es vielfältige Möglichkeiten, ihre Abhängigkeit in den Griff zu bekommen. Doch was passiert mit Kindern in von der Sucht belasteten Familien? Wie gehen diese mit der Erkrankung von Mutter oder Vater um? Wie kann ihnen geholfen werden?

Was Sucht bedeutet...

Ein Angebot der Diakonie Marienberg widmet sich diesen Mädchen und Jungen im Alter von acht bis zwölf Jahren. Nachdem zu Jahresbeginn ein erster Kurs zu Ende ging, hat in den Räumen der Einrichtung in Marienberg ein zweiter Kurs über rund zwei Monate mit neun Kindern begonnen. Ziel sei es, einmal jährlich ein solches Angebot zu unterbreiten, sagt Suchtberaterin Yvonne Meyer. Sie, ein weiterer Suchttherapeut und eine Mitarbeiterin der Familienberatung treffen sich in den wöchentlichen, knapp zweistündigen Zusammenkünften mit den Kindern, die aus der Region kommen.

Ziel sei es, den Mädchen und Jungen zu vermitteln, dass sie in und mit der Situation nicht alleine sind. "Uns ist es wichtig, den Kindern zu zeigen, was Sucht bedeutet und wie diese entsteht und, dass sie selbst keine Schuld am Konsumverhalten der Eltern haben", erklärt die Therapeutin.

Kinder dürfen ihre Gefühle und Bedürfnisse zeigen

Die Kinder lernen, ihre Gefühle zu benennen, und wie sie in schwierigen Situation handeln können. Mit den Kindern wird gegessen, gespielt, gebastelt, gelernt. "Es sind ungeheuer liebenswerte und dankbare Kinder", sagt Yvonne Meyer. Sie kämen zu den Treffen wie sie sind - mit einer breiten Gefühlspalette von "himmelhochjauchzend, aber auch sehr schnell traurig". Manche von ihnen zeigen sich den Therapeuten gegenüber sehr offen, sie mögen Nähe und auch mal eine Umarmung, andere sind eher distanziert, hat sie beobachtet.

Im Kurs dürfen sie ihre Gefühle und Bedürfnisse zeigen und aussprechen. "Das ist unser geheimer Raum", so Yvonne Meyer. Die Eltern der Kinder müssen der Teilnahme am Kurs zustimmen. "Das kostet sie große Überwindung und ist für sie ein großer Schritt", betont sie. Deshalb sei sie ihnen sehr dankbar, dass sie ihren Kindern diese Chance ermöglichten.