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Der neue Alltag im Zschopauer Jugendclub

Online-Betreuung Statt um Spaß geht es im "High Point" vor allem Sorgen

Zschopau. 

Zschopau. Wie es sich anfühlt, einsam zu sein, weiß Mathias Raschke ganz genau. Schließlich verbringt auch der Geschäftsführer des Zschopauer Jugendclubs "High Point" gerade viel Zeit alleine. Wo sonst täglich zahlreiche Kinder und Jugendliche ihre Freizeit verbringen, herrscht derzeit gähnende Leere. Die strengen Corona-Regeln gelten schließlich auch im Zschopauer August-Bebel-Wohngebiet, wo der Jugendclub seinen Sitz hat. Und doch ist weder Mathias Raschke wirklich einsam noch seine beiden Kolleginnen Mandy Gutschker und Martina Oehme. Im Büro der Einrichtung oder am heimischen Computer, wo im Homeoffice gearbeitet wird, kümmern sich die Jugendclub-Mitarbeiter weiterhin um die Betreuung der jungen Generation - und oft auch der Eltern.

 

Kreativität wird gefordert

 

"Wir sind jetzt in Videochats unterwegs", sagt Mathias Raschke. Jeden Tag gibt es Angebote, um den Kontakt nach Außen aufrechtzuerhalten. Zum Beispiel gibt es zwei Kurse für Sport und Bewegung, bei denen Mandy Gutschker hilfreiche Übungen zeigt. "Wichtig ist dabei auch, dass sich die Teilnehmer selbst etwas ausdenken - und dass sie miteinander reden", so Raschke. Fürs Thema Spiele und Basteln ist in erster Linie Martina Oehme zuständig, denn sie gibt auch direkt im "High Point" die Anleitung. Jetzt geschieht das alles am Bildschirm. Genau wie die Elternberatung, um die sich Mathias Raschke kümmert. "Oft kommunizieren wir dabei auch unter vier Augen, wenn jemand etwas loswerden will", berichtet der 61-jährige.

Gewohnte Tagesstruktur fehlt

 

In Corona-Zeiten ist Mathias Raschke weniger als Organisator gefragt, sondern vielmehr als systemischer Familientherapeut. Eine Ausbildung, die sich nun voll auszahlt, denn viele Menschen brauchen Hilfe: "Unsere Arbeit besteht derzeit vor allem darin, zuzuhören, zu motivieren und aufzurichten." Aufgrund der verloren gegangenen Tagesstruktur fühlen sich laut Raschke viele überfordert. Das Homeschooling, das eine große Herausforderung für Kinder und Eltern darstellt, bringt nicht selten das Fass zum Überlaufen. "Viele fühlen sich eingesperrt in den eigenen vier Wänden", erzählt Raschke, der mit seinen Tipps helfen will. Er empfiehlt, sich trotzdem mit regelmäßigen Mahlzeiten sowie dem Festlegen von Zeiten und Pausen für Schularbeiten "Eckpunkte" zu setzen. Zum geregelten Tagesablauf sollte außerdem möglichst viel Zeit an der frischen Luft gehören.

Hilfe vor Ort gehört auch dazu

 

Trotz aller Einschränkungen gibt es aber auch weiterhin noch direkte Kontakte. Allein machen sich die Mitarbeiter des "High Point" manchmal auf den Weg, um Familien zuhause zu besuchen. "Wenn wir den Eindruck haben, es besteht Hilfsbedarf, setzen wir auch die sogenannte aufsuchende Arbeit fort", erklärt Raschke. Von Tipps für den Alltag über das Schlichten von Streits bis hin zum Prüfen von Kindeswohlgefährdung reicht dieser Teil der Arbeit, dem die Online-Angebote vorbeugen sollen. "Unser Ziel ist, präventiv zu arbeiten, damit so etwas gar nicht erst passiert", betont Raschke. Und über allem schwebt die ganz große Hoffnung, dass möglichst bald die Normalität wieder einkehrt und sich alle wieder im "High Point" treffen können. Statt um Sorgen kann es dort dann wieder um den Spaß gehen.