Distanzierung von Hass und Gewalt

Interview mit Marco Wanderwitz, Mitglied des Deutschen Bundestages

Die Flüchtlingsproblematik und die Anerkennung um Asyl schlagen im Erzgebirgskreis hohe Wellen. Armin Leischel sprach darüber mit dem Bundestagsabgeordneten Marco Wanderwitz.

Wie viele Asylbewerber sind gegenwärtig im Erzgebirgskreis untergebracht und mit welchem Potential ist noch zu rechnen?

Aktuell sind es rund 1.600 Flüchtlinge, die der Erzgebirgskreis untergebracht hat. Seriöse in die Zukunft reichende Zahlen gibt es nicht. Die große Herausforderung haben der Landkreis, Landrat Frank Vogel und seine Verwaltung, und die Städte und Gemeinden bisher sehr gut gemeistert. Dass die hohen Zahlen der letzten Monate unser Land überfordern ist sonnenklar - wir arbeiten intensiv daran, sie zu begrenzen, zu verringern, und wieder mehr Ordnung zu erreichen.

Frau Merkels Devise lautet: Wir schaffen das - schaffen das auch die Erzgebirger?

Wir sollten uns zumindest bemühen. Die Welt ist aus den Fugen in diesen Tagen - das kann uns Europäer nicht kaltlassen. Klar ist aber auch, dass unsere Möglichkeiten begrenzt sind. Wir müssen die, die auf der Suche nach einer besseren Zukunft zu uns kommen, von denen trennen, die kriegsbedingt an Leib und Leben bedroht sind. Dass die Kanzlerin sagt packen wir es mutig an, statt das Lied der Verzagtheit anzustimmen, finde ich richtig.

Ich verstehe gut, dass die Menschen sich Sorgen machen. Viele davon sind berechtigt, manche aber auch nicht. Mir ist an Austausch und Aufklärung gelegen. Sprachlosigkeit ist die schlechteste aller Lösungen. Aber mit Nazis, die es nun einmal auch gibt, ist herzlich wenig konstruktiv zu besprechen. Und ich meine, dass das, die Distanzierung von Hass, Gewalt und Menschenverachtung, also Grundkonsens der Demokraten, nötig ist. Wenn das "steht", können wir über alles sprechen.

Es gibt Bereitschaft von Bürgern, Kurse für Sprachförderung einzurichten oder anderweitig zu helfen. Wie kann man aber denjenigen die Angst nehmen, die sich von ihren Mitbürgern da falsch verstanden fühlen und Ärger befürchten?

Ich finde es toll, dass es so viel Engagement und Hilfe gibt. Gott sei Dank! Dass die, die ehrenamtlich helfen, dafür angefeindet werden, ist eine Schande. Ich möchte deshalb zumindest öffentlich laut denen Dank sagen, die Nächstenliebe und Barmherzigkeit mit Leben erfüllen.