Drei Jahre kämpfen, 24 Stunden Vollgas, ein Moment für die Ewigkeit: Erzgebirger und Zwenkauer gewinnen Motorradrennen von Barcelona

Zwischen schweren Stürzen, schlaflosen Nächten, harter Arbeit und unerschütterlicher Leidenschaft krönt sich das BF Endurance Racing Team aus dem Erzgebirge beim 24-Stunden-Rennen im spanischen Barcelona zum Sieger.

Lößnitz, Zwenkau, Barcelona

Als Steffen Ficker nach 24 Stunden Renndistanz die Ziellinie in Barcelona überquerte, konnte er seine Gefühle nicht länger zurückhalten. Gemeinsam mit seinem Fahrerkollegen Norman Blümel hatte er das BF Endurance Racing Team durch Tag und Nacht bis zum Sieg geführt. Mit einem lauten Schrei feierte Steffen den wohl größten Moment ihrer gemeinsamen Motorsport-Karriere – nicht nur den Triumph, sondern das Ende einer Reise voller Rückschläge, harter Arbeit und unermüdlicher Leidenschaft.

Drei Anläufe bis zum größten Triumph

Beim ersten Start fehlten nur 90 Minuten bis zum Podium, ehe ein Motorschaden alle Träume zerstörte. Im zweiten Jahr warfen zwei schwere Stürze das Team weit zurück. Doch 2026 galt das Motto: Aller guten Dinge sind drei. Und genau so kam es.

„24-Stunden-Rennsieger wird man nicht beim ersten Mal. Man muss sich herantasten. Man braucht Ausdauer, Kalkül, Glück – und manchmal nicht nur einen Plan B, sondern gleich das ganze Alphabet.“, sagt Steffen.

Leidenschaft beginnt lange vor dem Start

Der Erfolg in Barcelona wurde nicht an einem Rennwochenende geboren. Er entstand in zahllosen Nächten nach Feierabend.

Steffen und Norman sind nicht nur Fahrer, sondern auch Teamchefs, Organisatoren und Unternehmer. Rennanmeldungen, Sponsoren, Technik, Hotels, Flüge, Boxenausstattung und Marketing – alles stemmen sie selbst. Oft arbeiten beide bis spät in die Nacht, um sich die Rennwochenenden überhaupt freischaufeln zu können.

Dazu kommen Fitness, mentales Training und Hitzevorbereitung, um den extremen Bedingungen eines 24-Stunden-Rennens gewachsen zu sein.

„Ohne unsere Familien wäre das alles unmöglich. Sie tragen diese Leidenschaft genauso mit wie wir.“

Zwei Gaststarter aus Bayern und Brandenburg machen Team komplett

Komplett wurde das Team durch die beiden Gaststarter Stefan Gut aus Bayern, mit dem die Sachsen gemeinsam um die Meisterschaft kämpfen, und André Krüger aus Brandenburg. Der frühere Rivale ist längst zu einem guten Freund geworden – und war beim Rennen ebenfalls Teil der Erfolgsgeschichte.

Als Barcelona zum Improvisationskurs wurde

Schon vor dem Start wartete die nächste Bewährungsprobe.

Nach dem Training verursachte eine falsche Schraube im Sitz ein Loch im Tank. Während der Rest des Teams noch gemütlich beim Frühstück saß, fuhr Steffen mit dem beschädigten Tank quer durch Barcelona – auf der Suche nach Hilfe.

Chefmechaniker Gordon Unger organisierte den entscheidenden Kontakt zu einer kleinen Hinterhofwerkstatt. Verständigt wurde sich mit Händen, Füßen und jeder Menge Leidenschaft. Nur eine halbe Stunde später war der Aluminiumtank geschweißt – und der Traum vom Rennen gerettet.

Ein kleiner Moment, der sinnbildlich für dieses Team steht: Aufgeben ist keine Option.

Zwischen Schmerzen und Triumph

Der Weg nach Barcelona war auch körperlich ein Kraftakt.

Norman musste beim ersten 24-Stunden-Rennen nach einem Handgelenksbruch sogar auf seinen Start verzichten. Steffen selbst brach sich in dieser Saison bei einem Sturz die rechte Hand sowie fünf Rippen. Fünf Tage später stand er bereits wieder auf Arbeit, sechs Wochen später wieder auf dem Motorrad.

Wer BF Endurance Racing kennt, weiß: Schmerzen bremsen den Willen nicht.

24 Stunden zwischen Hoffnung und Nervenkitzel

Im Rennen kämpfte sich das Team früh in die Spitzengruppe und übernahm die Führung in der Superstock-Klasse - einer Kategorie für weitgehend serienmäßige Motorräder. Doch technische Probleme sorgten immer wieder für bange Momente. Die Mechaniker arbeiteten unter Hochdruck und hielten das Motorrad im Rennen.

Zum Ende wurde jeder Kilometer zur Zitterpartie. Der Motor kämpfte mit hohen Temperaturen, jeder Fehler hätte den Traum zerstören können.

Während Norman den Start fuhr, saß Steffen für den Schlussstint im Sattel.

„Die letzten 30 Minuten habe ich nur noch auf das Motorrad geachtet. Als ich über die Ziellinie gefahren bin, haben mich die Gefühle einfach übermannt.“

Ein Sieg für Sachsen und darüber hinaus

Dieser Erfolg gehört nicht nur den Fahrern.

Er gehört den Mechanikern, die in Sekunden Lösungen finden. Den Sponsoren, die den Traum überhaupt erst ermöglichen. Den Familien, die unzählige Stunden verzichten. Den Freunden, die an jeder Rennstrecke helfen. Und den Fans im Erzgebirge, Zwenkau und darüber hinaus, die jede Nachricht auf WhatsApp und Instagram verfolgen und mitfiebern.

Mit ihrem Teamnamen tragen Steffen und Norman ihre Heimat Sachsen bewusst hinaus in die Motorsportwelt.

„Ich bin mit ganzem Herzen Erzgebirger und trage das überall mit hin“, sagt Steffen.

Der Traum geht weiter

Der Sieg von Barcelona ist kein Schlusspunkt – sondern der Beginn eines neuen Kapitels.

Das BF Endurance Racing Team, das Steffen Ficker und Norman Blümel 2023 gemeinsam gegründet haben, entstand aus der Leidenschaft zweier früherer Rivalen. Heute vereint das Team Fahrer, Mechaniker und Unterstützer mit einem gemeinsamen Ziel: den Langstrecken-Motorsport auf höchstem Niveau zu leben und das Erzgebirge auf internationalen Rennstrecken zu vertreten.

Titelverteidigung sowie und als Ziel

Die Titelverteidigung ist bereits fest im Blick. Außerdem möchte BF Endurance Racing künftig auch bei ausgewählten Läufen der Langstrecken-Weltmeisterschaft, unter anderem in Spa und Le Mans, an den Start gehen.

Denn wer diese Geschichte kennt, weiß: Für Steffen, Norman und ihr Team ist der Pokal nur das Ergebnis. Gewonnen haben sie ihren größten Kampf schon lange vorher – mit Zusammenhalt, harter Arbeit und einer Leidenschaft, die selbst nach 24 Stunden auf der Rennstrecke kein bisschen nachlässt.

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