Ehemaliger Bayern-Star kommt im Erzgebirge an – Alles begann mit einem Spaß

Während Aue sein Jubiläumsjahr mit einem Test gegen Union Berlin einläutet, ruhen alle Hoffnungen auf einem Mann: Michael Tarnat. Der Ex-Bayern-Profi übernimmt das sportliche Kommando.

Aue-Bad Schlema

Auf dem Bildschirm im Pressebereich des FC Erzgebirge Aue steht „Ah nei Gahr“. Am fünften Tag des neuen Jahres, grüßt man sich im Erzgebirge noch so. Vor dem Podium sitzt ein Mann, dessen dicker Strickpullover die graue Farbe seiner Haare aufnimmt. Er sitzt mit den Journalisten auf Augenhöhe – ein eher ungewohntes Bild an dieser Stelle. Aufgeregt wirkt er nicht. Freundlich, geduldig und gelassen beantwortet er die Fragen der anwesenden Journalisten.

Sensation zum Auftakt im Jubiläumsjahr

Der Mann ist kein Geringerer als Michael Tarnat. Die Presserunde ist zwar klein, aber deutlich größer als sie normalerweise vor einem Testspiel wäre. Der FC Erzgebirge beginnt am fünften Tag 2026 sein Jubiläumsjahr mit einem Test gegen den Bundesligisten 1. FC Union Berlin. Doch die eigentliche Sensation ist nicht dieses Spiel, es ist Michael Tarnat. Auf ihm ruhen die Hoffnungen im Lößnitztal. Der 56-Jährige tritt seinen Dienst als Sportgeschäftsführer an. Der ehemalige Bayernprofi, ein Idol zahlreicher Fußballfans, möchte den kriselnden FC Erzgebirge Aue in sicheres Fahrwasser bringen.

Beeindruckende Karriere des neuen Sportdirektors

Tarnats aktive Karriere lässt jeden Fußballkenner vor Ehrfurcht erstarren. Allein für den deutschen Rekordmeister absolvierte er fast 200 Spiele. Mit den Bayern holte er unter anderem den Sieg in der Champions League und sicherte sich viermal den deutschen Meistertitel. Doch Tarnat war auch beim MSV Duisburg, dem Karlsruher SC, Manchester City und Hannover 96 unter Vertrag. Zudem stand er 19-mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Rasen. Ursprünglich stammt Tarnat aus Hilden, wo er auch mit dem Fußballspiel begann.

Bei Bayern München begann er nach seiner aktiven Karriere 2009 als Scout und leitete von 2010 bis 2016 die Nachwuchsabteilung des Clubs. 2017 übernahm er dieselbe Position bei Hannover 96.

Es begann mit einem Spaß…

Jetzt tritt er beim FC Erzgebirge Aue in die Fußstapfen von Matthias Heidrich. Dabei begann dieses Abenteuer für ihn mit einem Anruf bei Lars Fuchs. Er habe ihm nur zum neuen Job als Co-Trainer gratulieren wollen. Doch im Gespräch habe ihn Fuchs gefragt, ob er nicht Lust auf den Job hätte. Das Spiel gegen Schweinfurt habe er sich angeschaut, um einen ersten Eindruck zu bekommen.

Im Lößnitztal hoffen die Verantwortlichen, dass sie von Tarnats Netzwerk profitieren können. „Ich kenn viele Spieler – auch weil mein Sohn ja Profifußball spielt“, sagt er und ergänzt sofort: „Aber die Spieler müssen natürlich auch passen.“ In Tarnats Umfeld hätten einige von einem Kulturschock gesprochen – Schließlich kommt er aus der großen Stadt nach Aue. Tarnat selbst hat damit kein Problem. Als er die Mulde sah, habe er kurz an die Isar gedacht.

Möbliertes Haus gesucht

Und wo wird Tarnat seinen Lebensmittelpunkt finden: „Es wird schon so sein, dass ich hier bin“, sagt er. Er suche ein möbliertes Haus und habe gehört: „Das sei ein Sechser im Lotto.“ Aber vielleicht finde sich ja etwas. Vielleicht gebe es jemanden, der ihm helfen könnte. Ins Lößnitztal kam er, ohne über Spielklassen gesprochen zu haben. Außerdem sei er überzeugt davon, dass die 3. Liga gehalten werde und der Verein auch wieder Richtung 2. Bundesliga marschiert. Im Team sieht er viel Potenzial: „Es ist die Frage, warum sind die PS nicht auf die Platte gekommen.“ Und dann bemüht Michael Tarnat eine Floskel: „Ich bin davon überzeugt, dass die Mannschaft besser als Tabellenplatz ist.“

Werte, die zum Erzgebirge passen

In den Spielen werde er auf der Bank sitzen. Bodenständigkeit und Ehrlichkeit, Eigenschaften, die man den Erzgebirgern zuschreibt, mag er sehr. „Ich bin sehr kommunikativ“, sagt Michael Tarnat. Er hätte dies nicht unterstreichen müssen, denn er stellte es eine knappe halbe Stunde unter Beweis.

Habt ihr eine Meinung zu diesem Artikel oder einen Fehler entdeckt? Dann weist uns gern darauf hin.

Auch interessant für dich