Wie rasch kann sich von einem Tag auf den anderen alles ändern. Das bekam auch eine Familie aus dem Erzgebirge zu spüren. Die Oma, Ende 80, aber noch relativ rüstig, stürzte vor einigen Wochen schwer und zog sich mehrere Frakturen zu.
Medizinische Einschätzung: Alleinleben ausgeschlossen
„Ihre Mutter kann keineswegs mehr allein in der Wohnung bleiben. Sie ist bewegungstechnisch stark eingeschränkt und wird zunehmend dement“, so die Einschätzung der Mediziner bei ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus. Ein Pflegeplatz musste her.
Verzweifelte Suche nach einem Pflegeheimplatz
Zwei Wochen lang telefonierten die Angehörigen Pflegeeinrichtungen in der Region, sachsenweit und sogar darüber hinaus ab. Entweder keine Kapazitäten oder unbezahlbar. Wohin nun mit Oma Luise? Sie mit nach Hause zu nehmen kam nicht infrage, da die Rentnerin bettlägrig ist und die Angehörigen mit der Rund-um-die-Uhr-Pflege mehr als überfordert wären.
Ein Platz wird frei – vorerst Erleichterung
Dann kam der erlösende Anruf: „Wir hätten da was frei in einem Doppelzimmer unserer Einrichtung“. So nahmen die Dingen ihren Lauf und Oma Luise wurde liegend mit dem Krankentransport ins Pflegeheim gebracht. Wer jedoch annimmt, dass damit die Sorgen der Angehörigen der Vergangenheit angehörten, irrt.
Hohe Eigenanteile trotz Pflegegrad 4
„Unsere Oma hat mit Witwenrente keine schlechte Rente. Dazu Pflegegrad 4. Das sind zusammen ca. 4.350 Euro. Das reicht dicke für einen Pflegeplatz. Dachten wir. Die Ernüchterung kam rasch“, so der Sohn der zu Pflegenden. „Was die meisten Leute nämlich nicht wissen, ist, dass die Pflegeeinrichtungen den Pflegegrad direkt mit der Pflegekasse abrechnen dürfen. Er kann also nicht vom monatlichen Eigenanteil, im Fall unserem Beispiel 3.200 Euro pro Monat - , abgezogen werden. Für Luise bedeutet das, monatlich knapp 900 Euro vom Ersparten zu zahlen, welches nach jetzigem Stand jedoch nur ein Jahr lang reicht. Doch wie dann weiter? Schließlich flattern auch in Abständen weitere Erhöhungen ins Haus“, so der Sohn weiter.
Pflegekosten als gesellschaftliches Thema
Die BLICK.de-Redaktion hat dazu Andreas Haustein, Geschäftsführer der Sozialbetriebe Mittleres Erzgebirge gGmbH um einige Auskünfte zu dieser Thematik gebeten. Dabei geht es darum, etwas Aufklärungshilfe im Pflegekostendschungel zu leisten.
Im Fall unserer Beispiel-Familie ist es so, dass der Antrag beim Sozialamt gestellt wurde. Die Bearbeitungszeit beträgt ab einem halben Jahr aufwärts. Der Antrag umfasste 62 Seiten. Zudem mussten 43 Nachweis-Kopien eingereicht werden. Ach, und Friseur, Fußpflege, Hygieneprodukte, vom Arzt ausgestellte grüne Rezepte usw. müssen ebenfalls aus eigener Tasche bezahlt werden.
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