Ein Stadtteil im Trödelfieber

Trödelmarkt 1. Buchholzer Garagen- und Hofflohmarkt, Trödel und Tand neben Designerstücken

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Hartmut Bauer (li.) hatte lange mit sich gerungen, ob er den Schach-, Halma,- Mühlespieltisch von Kai Göhler kaufen sollte. Der Gelenauer entschied sich letztlich aus Platzgründen dagegen. Foto: Dirk Trautmann

Annaberg-Buchholz. Ist das schon Trödel oder noch Kunst? Die meisten Besucher des 1. Buchholzer Garagen- und Hofflohmarktes am Samstag dürfte die Entscheidung leicht gefallen sein: Erlaubt ist und gekauft wird, was gefällt. Im steilen Auf und Ab im Stadtteil Buchholz von Annaberg-Buchholz gab es so manches zu entdecken, zu bestaunen allemal und zum kleinen Preis auch zu kaufen.

Viele Buchholzer, 26 Anbieter machten bei dieser Aktion mit, öffneten ihre Höfe und Garagen. Das fand Anklang bei vielen Einheimischen und Auswärtigen, die kreuz und quer per pedes oder mit dem Auto den Stadtteil erkundeten.

Der Setzkasten und der Spieltisch

Einen Setzkasten hatte Annika Göbler schnell zu Beginn versetzt. "Der stand zwei Jahre in meinem Zimmer nur herum, jetzt muss er weg. Darin sind verschiedene kleine Figuren, darunter ein Tennisschläger und ein Wecker. Jetzt bin ich froh, dass das Ding weg ist - und ein paar Euro habe ich auch dafür bekommen", sagte die 13-Jährige.

Ihr Vater Kai musste derweil mit einem schweren Fall klar kommen: Ein massives Kleinmöbel zog die Blicke in der Göbelschen Garage auf sich, ein kleiner Tisch mit Intarsien in Form eines Schachbretts als Tischplatte.

Die Leiden des Hartmut B.

Viele Besucher bestaunten das gute Stück, aber Hartmut Bauer schien regelrecht zu leiden.Wieder und wieder sah sich der Gelenauer den Spieltisch an und fuhr mit der Hand über das Holz und wog ab: "Wenn ich es nicht kaufe, ärgere ich mich bestimmt." "Das Stück stammt aus Familienbesitz und ist wahrscheinlich ein Gesellenstück. Das gibt es so nicht noch mal", pries Kai Göbler das gute Stück an und sagte einen vertretbaren Preis. Dass der Gelenauer noch ein Spielfeld für Halma und Mühle aus dem Tisch hervorzauberte, machte die Entscheidung für Hartmut Bauer nur noch schwieriger.

Am Ende siegte die Vernunft: "Es ist ein tolles Stück, aber leider zu groß für unsere Wohnung." Gattin Carmen, die ihren Mann beim Leiden zusah, vernahm es mit Erleichterung...

DDR-Rotlichtlampe, Hirschgeweihe und Nähmaschine mit Fußantrieb

Natürlich war auch viel Trödel im Angebot, Emil Dietze wollte sich von einem kleinen Feuerwehrauto trennen, was seine Mutter Susann sehr begrüßte. Und dann gab es auch ein echtes Meisterstück, eine Rotlichtlampe "Grandiosa" aus dem Jahr 1966, entworfen vom Radebeuler Johannes Richter. Ein zeitloses Stück Industriedesign Made in GDR. Stand vor dem Haus von Antje Nehm.

Schwiegersohn Steve Dohle lud derweil Hirschgeweihe, eine Nähmaschine Marke "Singer" mit Fußantrieb und weitere edle Stücke vom Hänger. "Das war alles in der Garage eingelagert für den Trödelfall. Und der ist jetzt eingetreten, wir müssen nicht nach Dresden ans Elbufer fahren, sondern können die Sachen direkt vor der Haustür verkaufen", freute sich der 30-Jährige.

Das Glöckchen klingelte bei jedem Verkauf

Mary Lötsch verkaufte derweil nicht nur fleißig und klingelte bei jedem erfolgreichen Verhandlungsabschluss mit einem Glöckchen, sondern lockte auch Interessenten mit "Weihrichkarzelduft" an, der auch ihre Nachbarn magisch anzog. "Wenn Not am Manne ist, helfen wir auch aus", sagten Diana Dommer und Felix Steiner.

Als echte Trödelfans outeten sich Rebekka Hänel und Gary Ströbel. "Wir suchen Dekorationssachen, die Sachen müssen uns ansprechen", erzählten die Neundorfer. Und einige Gläser und zwei Schwibbögen hatten eine deutliche Sprache...