Ein Stück Tradition: Anton-Günther-Experte in Gelenau

Veranstaltung Hendrik Seibts Mischung aus Text und Musik ist stimmig

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Hendrik Seibt hatte zum Anton-Günter-Abend eingeladen und 80 Besucher füllten den Gelenauer Ratssaal. Die Zuschauer waren begeistert vom Vortrag mit Gitarre, Geige, Piano und Gesang - und von den Speckfettbemmen. Foto: Dirk Trautmann

Gelenau. Ein Pfeifchen hatte sich Hendrik Seibt zu Beginn des Abends im Gelenauer Ratssaal angezündet. "Der Bürgermeister hat gesagt, Seibt, mach, was du denkst", erzählte er, als die Pfeife brannte. Dazu spielte er das Lied "De Ufenbank" stilecht auf einem Grammophon. Der Anfang war gemacht, was dann folgte, war ein echter Heimsieg. Gewonnen haben das Publikum, Hendrik Seibt und Anton Günther.

"Anton Günther - früher und heute", hatte der Gelenauer sein Programm genannt. Musik und Anekdoten sollten zu hören sein und Hendrik Seibt hatte nicht zu viel versprochen. Die Organisatoren mussten schon im Vorfeld umziehen, die anvisierte Bibliothek war dem Andrang nicht gewachsen. 80 Besucher fanden sich letztlich im Ratssaal ein, einige Interessenten kamen gar nicht herein.

Böhmisches Bier und "Spackfettbemme" stimmten das Publikum schon vor Beginn ein, dann folgte eine Hommage an den "Tolerhanstonl", die auf diese Art wohl selten zu finden ist. Der Gelenauer Seibt verneigte sich vor dem Mann aus Gottesgab, indem er nicht nur eine Lesung anbot, sondern dessen Lieder zu Gitarre und Piano sang, der "als David Garrett des Erzgebirges" Geige spielte und einen weiteren Vorteil ausspielte: Er spricht "arzgebargsch".

Das Publikum war dankbar und sang Lieder wie "Grußmütterla", "Drham is drham", "Deitsch on frei" oder "De Draakschenk" aus vollem Hals mit.

"Zu Hause habe ich nichts von Anton Günther mitgekriegt, ich kannte zwar den Namen, aber viel mehr auch nicht", erzählte Hendrik Seibt, brach den "Übervater" Anton Günther herunter auf Normalmaß, indem er seine persönliche Beziehung zu ihm darlegte.

Seibt hat in Weimar Musik auf Lehramt studiert und 1994 seine Studienarbeit über Anton Günther geschrieben. "Das ist keine wissenschaftliche Arbeit, sondern eher populärwissenschaftlich", verwies er auf die damals noch fehlende Literatur zu und über Anton Günther. Also fuhr Seibt selbst hinüber ins Böhmische, nach Gottesgab und sprach mit Menschen, die Anton Günther noch gekannt hatten. "Und dabei ist mir Anton Günther immer näher gekommen und ich habe für mich viel entdeckt, vor allem in seinen Liedern", sagte der Gelenauer, der die Gäste im Gelenauer Ratssaal spielend für sich eingenommen hatte. Für Hendrik Seibt war der Abend eine Premiere.