Wohl nirgends im Erzgebirge beginnt der Heiligabendtag so zeitig und stimmungsvoll wie in Ehrenfriedersdorf. Frühmorgens um sechs macht sich vom Marktplatz aus der Bergaufzug auf den Weg zum Sauberg. Dorthin, wo das Besucherbergwerk Zinnerzgrube über die fast achthundertjährige Bergbaugeschichte im Revier erzählt. Gestaltet werden der Zug und die folgende Mettenschicht von der Berggrabebrüderschaft Ehrenfriedersdorf. Deren Mitglieder ziehen zur Feier des jungen Tages das Habit ihrer Altvorderen an, jener Kumpel, die hier über Jahrhunderte Zinn und andere Erze gewannen.
Befreundete Bergbrüder marschieren mit
So auch am 24. Dezember 2025. Schlag sechs in Früh marschieren Trachtenträger der Berggrabebrüderschaft los, verstärkt von Kollegen unter anderem aus Jöhstadt, Pobershau, Thum, Geyer, Zwönitz, Wiesa, Schneeberg sowie aus dem Zschopenthal und dem böhmischen Měděnec (Kupferberg). Gut vierzig Heimatfreunde dürften es sein. Unter den Klängen des Bergmännischen Musikvereins Ehrenfriedersdorf bewegt sich der Zug vom Markt hinauf zur Zinnerzgrube auf dem Sauberg. Auch Rico Anton, der Landrat des Erzgebirgskreises, Amtsvorgänger Frank Vogel, Steve Ittershagen als Chef des Vereins Welterbe Montanregion Erzgebirge, Bürgermeisterin Silke Franzl und Pfarrer Falk Klemm reihen sich ein.
Wenn is Glöckl zer Mettenschicht lätt
Im Anschluss läutet die Glocke zur Mettenschicht im Saal auf dem Sauberg. Joachim Decker, Ehrenvorsitzender der Berggrabebrüderschaft, umreißt deren Geschichte. 1907 erstmals in der Betstube der Kumpel gefeiert, wurde die Tradition 1946 wieder aufgenommen. Seit 1953 findet die festliche Schicht im damals neuen Kultursaal der Zinngrube statt.
„De verliebte Lind“ vom Schachttheater
2025 werden hier zwei Mettenschichten gefeiert, am Morgen des 24. Dezember und am Nachmittag des 2. Weihnachtstags. Der Saal ist bis auf den letzten Stuhl besetzt. Eingangs wird an die im abgelaufenen Jahr verstorbenen Vereinsmitstreiter und Bergleute erinnert.
Mitgestalter aus Ehrenfriedersdorf sind dann die Erzgebirgsgruppe mit einem stimmungsvollen Liedprogramm, der Bergmännische Musikverein, der Schnitz- und Klöppelverein sowie das Schachttheater. Dessen Akteure führen das lustige Weihnachtsstück „De verliebte Lind“ auf.
Berggrabebrüderschaft lebt seit 687 Jahren
Die Wurzeln der heutigen Berggrabebrüderschaft reichen zurück bis 1338. Damals wurde sie als Vereinigung zur gegenseitigen Unterstützung von Ehren‘dorfer Bergleuten gegründet. Sie gilt damit als der älteste bekannte Bund seiner Art in Europa. Trotz Kriegen und schlechter Zeiten besteht sie ohne Unterbrechung bis zum heutigen Tage. Die eigentliche Berggrabebrüderschaft hatte zu DDR-Zeiten größtenteils aus Arbeitern anderer Berufsstände bestanden, „echte“ Kumpel gab es wenige. Heute ist sie ein Traditionsverein mit gut 150 Mitgliedern. Ob Bergmann oder nicht – alle sind mit dem traditionellen Habit ebenso vertraut wie mit dem aus DDR-Zeiten stammenden Ehrenkleid des Bergmannsstands. Es gibt Familien, die in dritter Generation Mitglied sind, aber auch neue Knappen. Monatlich treffen sich die Mitstreiter zu Stammtischen, übers Jahr gestalteten sie in der Zinnerzgrube sowie vielerorts im Erzgebirge Bergaufzüge und andere montanhistorische Veranstaltungen mit.
Zum Abschluss jeden Jahres lädt der Verein am Morgen des Heiligen Abends sowie am Nachmittag des 2. Weihnachtsfeiertags zu Mettenschichten im Saal der Zinnerzgrube Ehrenfriedersdorf ein. Mehr zum Verein und zum Besucherbergwerk steht unter: www.berggrabebruederschaft-ehrenfriedersdorf.de
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