Enduromuseum im Erzgebirge sorgt mit besonderem Trabant für Staunen

Neben zahlreiche Motorrädern wird in Zschopau nun auch ein Kult-Auto aus DDR-Zeiten präsentiert, das in den 1960er-Jahren für außergewöhnliche Versuchsfahrten genutzt wurde

Zschopau

Besucher des Zschopauer Enduromuseums, das sich im ehemaligen MZ-Werk befindet, staunen nicht schlecht.

Neben vielen zweirädrigen Gefährten wartet neuerdings auch ein vierrädriges Exemplar auf sie, das als Kultauto der DDR gilt. Allerdings ist dieser Trabant ein ganz besonderer, denn er wurde einst von MZ als Versuchsfahrzeug für ein besonderes Projekt genutzt.

Großes Potenzial erkannt

„1960 begannen im Motorradwerk Zschopau Entwicklungsarbeiten an Kreis-Kolben-Motoren nach dem westdeutschen Vorbild von NSU auf Basis der Entwicklung von Felix Wankel und dem nach ihm benannten Wankelmotor“, erklärt Museumsleiter Marcus Schachtschneider.

Damals sei man davon ausgegangen, dass dieser Motor aufgrund mehrerer Vorteile den Vier-Takt-Otto-Motor ablösen würde. Erst nach einigen Jahren erwies sich diese Einschätzung als Irrtum.

Als Einheitsmotor auch für Autos gedacht

Weil daraus ein DDR-Einheitsmotor werden sollte, wurden 1966 bis 1968 mehrere Trabis für Versuchsfahrten genutzt. Zunächst wurden bei MZ Motoren für Motorräder entwickelt, die mit 125 und 175 ccm Kammervolumen in Prototypen-Fahrgestelle eingebaut wurden.

Später sollte der Fokus auf die Produktion von Pkw-Motoren gerichtet werden. Sogar für den Wartburg 353 und den Barkas B1000 wurden unterschiedliche Varianten des Motors entwickelt.

Plan wurde verworfen

„Es war geplant, sämtliche Motoren für alle Fahrzeuge in Zschopau zu fertigen und dafür die Motorradproduktion nach Suhl in das Ifa-Simson-Werk auszulagern“, so Schachtschneider.

1968 seien jedoch Zweifel an den Wankelmotoren aufgekommen. Ausschlaggebend waren unter anderem der hohe Ölverbrauch und die somit schlechten Abgaswerte. Auch die an die westdeutschen NSU-Werke abzuführenden Lizenzgebühren dürften eine Rolle gespielt haben.

Schatz schlummert jahrzehntelang in Garage

Aus den Versuchstrabis, die sich durch den im Kofferraum untergebrachten Tank und die zusätzlichen Entlüftungsschlitze hinter der Motorhaube vom Rest unterschieden, wurden die Motoren wieder ausgebaut.

Auch aus dem Exemplar, das über Jahrzehnte hinweg in einer Garage bei Zschopau eingelagert war und nun nach 60 Jahren als Zeitzeuge den Weg ins Enduromuseum gefunden hat.

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