„Entdeckt eure Heimat“: Wer hinter den versteckten Holzfiguren „Die Kleinen Erzgebirger“ steckt

„Die Kleinen Erzgebirger“ sind handgedrechselte Holzfiguren. Gut versteckt laden sie Familien und Entdecker in der Region zum Suchen ein. Doch wer steckt dahinter?

Lengefeld

Sie sind gerade einmal rund sieben Zentimeter groß, von Hand gedrechselt und nummeriert. Dann verschwinden sie. Irgendwo zwischen Wegen, Wäldern und besonderen Orten im Erzgebirge wartet eine kleine Holzfigur darauf, entdeckt zu werden. Wer sie findet, darf sie behalten. Doch eigentlich geht es bei dieser ungewöhnlichen Schatzsuche um viel mehr als den Fund.

„Die Kleinen Erzgebirger“ heißen die Figuren – und hinter ihnen steht weder eine Firma noch eine große Manufaktur. „Hinter dem Projekt stecke ich allein“, sagt die Person, bei der alle Fäden zusammenlaufen. In den Dreißigern und beruflich am Schreibtisch tätig, entstehen in der eigenen Holzwerkstatt in Lengefeld sowohl die Figuren als auch die Ideen für ihre Verstecke.

Aus einem intensiven Hobby ist so ein Herzensprojekt geworden, das Holzhandwerk, Heimatverbundenheit und Abenteuerlust zusammenbringt.

Zwischen Schreibtisch und Holzspänen

Wo im Berufsalltag der Schreibtisch wartet, sind es in der Freizeit Holz und Drechselbank. Das Werkstück beginnt sich zu drehen, Späne fallen – und nach und nach nimmt ein kleiner Erzgebirger Gestalt an.

„Das Drechseln ist für mich deshalb vor allem ein Ausgleich zum Büroalltag – und mittlerweile ein ziemlich intensives Hobby.“

Die Leidenschaft begleitet den Menschen hinter dem Projekt schon seit der Kindheit. „Seit ich etwa sieben Jahre alt bin, schnitze ich.“ Mit ungefähr 13 Jahren brachte er sich das Drechseln selbst bei. Nach einer längeren Pause begann er vor etwa acht Jahren wieder intensiver damit.

Irgendwann nahm das Hobby sogar im wörtlichen Sinne zu viel Raum ein. „Irgendwann entstand allerdings das Problem, dass wir zu Hause langsam keinen Platz mehr für all die gedrechselten Sachen haben.“

Weniger drechseln war keine Lösung. „Den Ausgleich in der Werkstatt möchte ich aber trotzdem nicht missen.“

Also entstand eine andere Idee – und die führte hinaus ins Erzgebirge.

Aus Holz, Heimatliebe und einer Familienidee

Neben dem Holz gibt es eine zweite starke Verbindung: die zur Natur und zur erzgebirgischen Heimat. Hinzu kam eine Erfahrung aus dem eigenen Familienleben. Denn mit Kindern ist es manchmal gar nicht so einfach, Begeisterung für einen Spaziergang oder Ausflug zu wecken.

Was aber, wenn draußen etwas wartet? Ein Hinweis, ein Rätsel, ein kleiner Schatz?

Aus dieser Überlegung entstand die Idee, die selbst gedrechselten Figuren auf Reisen zu schicken.

„Die kleinen Erzgebirger sollen deshalb einen kleinen Anreiz schaffen, rauszugehen, Neues zu entdecken und vielleicht auch einmal Orte im eigenen Umfeld mit anderen Augen zu sehen.“

Damit bekamen die Figuren eine Aufgabe, die weit über das Drechseln hinausgeht: Sie sollen Menschen in Bewegung bringen – und den Blick auf das lenken, was manchmal direkt vor der eigenen Haustür liegt.

Freitags beginnt die Suche

Jeder kleine Erzgebirger bekommt eine Nummer und anschließend ein geheimes Versteck irgendwo in der Region.

Immer freitags startet die Suche. Erste Hinweise führen Stück für Stück in die richtige Richtung. Solange die Figur noch nicht entdeckt wurde, kommen weitere Tipps hinzu. Wer das Versteck findet, darf den kleinen Erzgebirger behalten. Über einen QR-Code kann der Fund außerdem gemeldet und Kontakt zum Projekt aufgenommen werden.

Die genauen Orte bleiben geheim – „schließlich soll das Finden ein Teil des Abenteuers bleiben“.

„Plötzlich wusste ich: Es funktioniert tatsächlich“

Erst Mitte August begann die Geschichte mit der Nummer #001. Am 28. August wurde die erste Figur versteckt. Bereits einen Tag später war sie gefunden – von einer kleinen Familie.

Für den Menschen hinter dem Projekt wurde das zum bisher schönsten Moment.

„Bis dahin war die ganze Idee nur eine Idee – und plötzlich wusste ich: Es funktioniert tatsächlich.“

Und #001 blieb kein Einzelfall. #002 wurde rund eine Stunde nach Veröffentlichung entdeckt, #003 nach ungefähr einem halben Tag.

„Dass Menschen tatsächlich losgehen und nach einer kleinen, selbstgemachten Holzfigur suchen, hätte ich am Anfang so nicht erwartet.“

Inzwischen sind bereits Figuren bis zur Nummer #010 vorbereitet.

45 Minuten für sieben Zentimeter Abenteuer

Bevor ein kleiner Erzgebirger draußen auf seine Finder wartet, steckt einiges an Handarbeit in ihm. Jede Figur wird in der eigenen Holzwerkstatt im Erzgebirge gedrechselt und anschließend weiterbearbeitet. Insgesamt dauert die Herstellung etwa 45 Minuten.

Dabei soll gerade nicht eine Figur aussehen wie die andere. „Mir ist wichtig, dass die Figuren nicht wie industriell gefertigte Serienprodukte aussehen.“

Manche folgen einem ähnlichen Grundprinzip, doch durch die Handarbeit entstehen kleine Unterschiede. Jede Figur bleibt ein Unikat.

Immer wieder sollen dabei kleine Pilze auftauchen. Sie könnten zu einer Art „Hausmarke“ des Projektes werden – ebenfalls jedes Mal ein wenig anders. Ideen gibt es derzeit für rund 50 weitere Unikate.

Das Versteck gehört zur Geschichte

Mindestens ebenso wichtig wie die Figur selbst ist der Ort, an dem sie später wartet.

„Ich möchte nicht einfach irgendwo eine Figur ablegen, sondern möglichst Orte auswählen, die selbst etwas zu erzählen haben oder einen kleinen Ausflug wert sind.“

Manchmal hängt die Wahl mit der jeweiligen Figur zusammen, manchmal ergibt sie sich unterwegs. Im besten Fall führt die Suche zu einem Platz, den man bisher nicht kannte – oder zwar kannte, aber nie wirklich wahrgenommen hat.

Vielleicht zu einem Denkmal, einem besonderen Weg oder einem Stück Natur.

„Die Figur soll im besten Fall nicht das eigentliche Ziel sein, sondern der Anlass, sich auf den Weg zu machen und das Erzgebirge zu entdecken.“

Und genau das verändert den Blick. Wer sucht, schaut genauer hin. Wurzeln, Steine, kleine Mauern und verborgene Winkel werden plötzlich interessant. Vielleicht geht man ein Stück weiter als sonst und entdeckt dabei etwas, nach dem man eigentlich gar nicht gesucht hatte.

Aus einem Spaziergang wird ein kleines Abenteuer.

Ein Hobby, das wachsen darf

Noch sind Die Kleinen Erzgebirger ein reines Hobbyprojekt. Doch inzwischen gibt es häufiger Anfragen, ob die Figuren auch gekauft werden können.

Eine nebenberufliche Tätigkeit wäre für die Zukunft denkbar. Mit einem Verkauf sind allerdings rechtliche und bürokratische Fragen verbunden. Deshalb steht dieser Schritt derzeit nicht im Vordergrund.

„Momentan möchte ich das Projekt erst einmal wachsen lassen und schauen, wohin es sich entwickelt.“

Langfristig wären auch Kooperationen mit regionalen Partnern oder Sponsoren vorstellbar. Eine Idee wäre etwa, zum „Tag des offenen Denkmals“ mehrere Figuren an verschiedenen Denkmälern im Erzgebirge zu verstecken und Menschen so spielerisch zu diesen Orten und ihren Geschichten zu führen.

Auch besondere Jubiläumsfiguren für #025, #050 oder vielleicht eines Tages sogar #100 sind bereits im Hinterkopf.

„Geht raus. Entdeckt eure Heimat.“

„Eigentlich ist es ganz einfach: Geht raus. Entdeckt eure Heimat. Und schaut vielleicht einmal etwas genauer hin.“

Vielleicht liegt genau darin der Zauber der kleinen Erzgebirger: Sie sind nur sieben Zentimeter groß – und bringen Menschen gemeinsam auf den Weg.

Am Ende bleibt mehr als eine Holzfigur: ein entdeckter Ort, ein kleines Abenteuer und eine gemeinsame Erinnerung an die Zeit zusammen und an die Heimat.

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