Er flog zwölf Jahre Tornados für die Bundeswehr. Jetzt hebt er den Flugplatz Chemnitz auf ein neues Level.
Blauer Himmel, volle Bänke, Propellerwind
Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Über dem Vorfeld bei Jahnsdorf spannte sich am Samstag ein makelloser Pfingsthimmel, und wer kurz nach zehn Uhr ankam, fand einen Flugplatz in Hochstimmung vor. An den Biertischgarnituren vor den Foodtrucks saßen Familien mit kleinen Kindern, Rentnerpaare mit Kaffeebechern in der Hand, Technikbegeisterte mit Kamera im Anschlag und schlicht neugierige Menschen, die mal sehen wollten, was hinter dem Zaun los ist. Was los war, ließ sich kurz zusammenfassen: eine Menge.
Fünf Cessna 172 standen auf dem Vorfeld und hoben in regelmäßigen Abständen ab, bepackt mit Passagieren, die sich einen Rundflug über die sattgrüne Landschaft rund um Chemnitz gegönnt hatten. Daneben wartete ein Robinson R44, ein kolbenbetriebener Hubschrauber, der eigens aus Thüringen hergebracht worden war, auf seine nächsten Gäste. Und über allem lag jener charakteristische Geruch nach Flugbenzin und frisch gemähtem Gras, der nur an Flugplätzen existiert und bei Fliegern einen Reflex auslöst, den man gar nicht erst erklären muss.
Vom Kampfjet zur Cessna
Robert Rahnfeld steht auf dem Dach des Terminalgebäudes und lässt den Blick über das Vorfeld schweifen. Er trägt ein rotes Poloshirt und eine rote Flugplatz-Cap, hält ein Funkgerät locker in der Hand. Man nimmt ihm sofort ab, dass er hier zu Hause ist. Aufgewachsen in Greiz, Abitur dort gemacht, dann Bundeswehr, Studium, Pilotenausbildung. Zwölf Jahre lang flog er den Tornado, einen der schnellsten Kampfjets der Welt.
Als 2021 die Stelle als Geschäftsführer in Jahnsdorf ausgeschrieben wurde, war der Zeitpunkt für ihn noch nicht gekommen. Er musste seine 18 Jahre Dienstzeit erst vollständig ableisten. Dann quittierte er den Dienst, trat im Februar 2022 seine neue Stelle in Jahnsdorf an und ist seither Geschäftsführer der Verkehrslandeplatz Chemnitz/Jahnsdorf GmbH. Keine Düsenjäger mehr, stattdessen Cessnas, Propellerflieger und die Verantwortung für ein ganzes Gelände. „Macht sehr viel Spaß“, sagt er und lacht.
Die Nüchternheit, mit der er diese Kehrtwende beschreibt, ist beeindruckend. Hier war einer, der Tornados durch Wolken jagte, und der heute mit derselben Leidenschaft dafür sorgt, dass ein Verkehrslandeplatz im Erzgebirgsvorland wächst, lebt und genau solche Feste auf die Beine stellen kann. Natürlich bringt der Posten auch seinen Anteil an Verwaltungsarbeit und Antragsschreiben mit sich. Aber es gibt, wie Rahnfeld selbst sagt, eben auch die schönen Seiten.
Eine Flotte mit Charakter
Wer am Samstag genau hinsah, entdeckte auf dem Vorfeld eine bemerkenswerte Vielfalt. Neben den fünf Schulcessnas der Flugschule parkte eine Cessna 421, die bis zu sechs Passagiere befördern kann und sich für Geschäftsreisen eignet. Noch einen Tick exklusiver war die Cirrus SR22, das Reiseflugzeug am Platz, ausgestattet mit Anti-Ice-System und in der Lage, bis auf 20.000 Fuß zu steigen. „Da kommt man auch über die Alpen und kann von hier aus fast ganz Europa erreichen“, erklärt Rahnfeld.
Etwas abseits stand eine Antonow An-2, ein historischer sowjetischer Doppeldecker, der dem Vorfeld eine ganz eigene Atmosphäre verlieh und bei Besuchern für aufmerksame Blicke sorgte.
Mit dem Hubschrauber über die Region
Pilot Nestler brachte seinen R44 immer wieder sauber zurück aufs Vorfeld, ließ neue Passagiere einsteigen und hob erneut ab. Sein Sohn saß zeitweise selbst im Cockpit neben ihm, beide mit Daumen hoch und breitem Grinsen. Eine Familie, die das Fliegen nicht nur liebt, sondern lebt.
Gregor Stahnke, Inhaber der Flugschule und des Charterbetriebs Gregor Stahnke, war ebenfalls im Dauereinsatz. Mit seiner rot-schwarz lackierten Cessna 172 Skyhawk rollte er regelmäßig auf Position, nickte seinen Passagieren zu und verschwand Richtung Startbahn. Vom Tower aus behielten Philipp Kreibich und Ingo Wetzel den Überblick über das Geschehen auf dem Platz und hielten den Betrieb reibungslos am Laufen.
Die gute Seele des Festes
Einen Großteil der herzlichen Atmosphäre verdankte das Fest auch Nicole Zeißig. Sie ist die Inhaberin von „Frau Z macht das“, einem Eventunternehmen mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Planung und Umsetzung von Veranstaltungen aller Art. Sie betreibt das Café am Flugplatz und koordiniert dort Events, Catering und Foodtruck-Auftritte. An diesem Pfingstsamstag lief ihr Betrieb auf Hochtouren. „Sie hilft mir, solche Veranstaltungen mit zu organisieren. Das ist Gold wert“, sagt Rahnfeld. Von April bis Oktober hat das Café am Wochenende geöffnet und ist längst weit mehr als eine Anlaufstelle für Piloten zwischen zwei Flügen. Es belebt das gesamte Gelände und macht aus einem Platz zum Starten und Landen einen Ort, an dem man gerne verweilt.
Zweite Chance am Sonntag
Wer am Samstag keine Zeit hatte, bekommt eine zweite Chance: Am Pfingstsonntag, dem 24. Mai, öffnet der Verkehrslandeplatz Chemnitz/Jahnsdorf noch einmal seine Tore, jeweils von 10 bis 17 Uhr, mit demselben Programm aus Rundflügen, Foodtrucks und freiem Eintritt.
Flugplatz mehr als Gedacht
Am späten Vormittag, als die Sonne schon kräftig auf das Vorfeld drückte und die erste Cessna des Tages längst wieder gelandet war, wurde eines deutlich: Der Flugplatz Chemnitz/Jahnsdorf ist unter Robert Rahnfeld zu mehr geworden als einer funktionalen Infrastruktur am Stadtrand. Er ist ein lebendiger Ort, der Lust aufs Fliegen macht, und der am Pfingstsamstag bewiesen hat, dass Flugzeuge nicht das Einzige sind, was hier abhebt.
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