Erzgebirge: Rettung aus Steilhang, Reanimation im Schnee und Motorschlitten-Einsatz - Große Winterübung

Lebensretter gemeinsam im Einsatz: Bergwacht, Rettungsdienst, Wasserwacht, Feuerwehr und Leitstellen übten in Carlsfeld

Carlsfeld

Am Samstag, den 21. Februar fand in Carlsfeld im Erzgebirgskreis die 32. gemeinsame Winterausbildung von Rettungsdienst, Wasserwacht und Bergwacht statt. Rund 70 Einsatzkräfte aus verschiedenen Organisationen kamen zusammen, um Abläufe in der Bergrettung unter winterlichen Bedingungen zu optimieren.

Ziel der Veranstaltung war es, die Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kräften weiter zu festigen und Einsätze im schwierigen Gelände realitätsnah zu trainieren.

Rettung aus Steilhängen und über Bachläufe im Erzgebirge

Im Mittelpunkt der Ausbildung standen praktische Szenarien in unwegsamem Gelände. Die Teilnehmer mussten unter anderem:

  • Personen aus winterlichen Steilhängen retten
  • Patienten per Seil über einen Bach sichern und transportieren
  • Motorschlitten für den Patiententransport einsetzen
  • Absturzsicherungen korrekt anlegen und anwenden

Besonders im winterlichen Erzgebirge stellen Schnee, Eis und Kälte zusätzliche Herausforderungen dar. Neben der technischen Rettung spielt der Kälteschutz für Verletzte eine entscheidende Rolle.

Ronny Meißel, Übungsleiter der Bergwacht Carlsfeld, betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit: „Es treffen sich Einsatzkräfte aus Feuerwehr, Bergwacht, Rettungsdienst und Wasserwacht, um Abläufe in der Bergrettung zu optimieren.“

Medizinische Grundlagen gefestigt: Reanimation und Beatmung

Neben den technischen Rettungsmaßnahmen wurden auch notfallmedizinische Inhalte intensiv geprobt. An mehreren Stationen trainierten die Einsatzkräfte:

  • Wiederbelebungsmaßnahmen (Reanimation)
  • Spezielle Techniken der Bergwacht bei der Patientenversorgung
  • Atemwegssicherung und Beatmung
  • Teamkommunikation unter Stressbedingungen

Die Fortbildung wird offiziell als Weiterbildung für Rettungsdienst- und Leitstellenmitarbeiter anerkannt und findet zweimal jährlich statt – einmal im Winter und einmal im Sommer mit Fokus auf Fels- und Höhenrettung.

Rund 100 Bergwachteinsätze jährlich im Erzgebirge

Die Bergwacht Carlsfeld und Johanngeorgenstadt verzeichnen jährlich etwa 100 Einsätze. Im Winter konzentrieren sich diese vor allem auf Skigebiete, im Sommer auf Wanderer, Mountainbiker und andere Freizeitunfälle.

Typische Verletzungen betreffen häufig Knie und Füße, doch auch schwere Verletzungen wie Wirbelsäulen- oder Schädel-Hirn-Traumata gehören zum Einsatzspektrum.

Die Bergwacht übernimmt dabei oft die Erstversorgung abseits öffentlicher Straßen und verkürzt die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungswagens erheblich.

Ehrenamt mit Perspektive: Nachwuchs im Erzgebirge engagiert

Auch der ehrenamtliche Nachwuchs ist fester Bestandteil der Ausbildung. Niklas Köhler von der Wasserwacht Schwarzenberg-Grünhain beschreibt die Übung als wertvolle Erfahrung:

„Es ist ein sehr schönes Gefühl, von den eigenen Leuten gerettet zu werden. Die geben ein Gefühl der Sicherheit.“

Er absolvierte bereits mehrere Lehrgänge und strebt eine Ausbildung zum Notfallsanitäter an. Gerade im Zusammenspiel zwischen Ehrenamt und Hauptamt sieht er eine wichtige Zukunftsperspektive.

Zusammenarbeit als Schlüssel zur erfolgreichen Bergrettung im Erzgebirge

Die Winterausbildung in Carlsfeld zeigt eindrucksvoll, wie wichtig eingespielte Abläufe und gegenseitiges Vertrauen im Ernstfall sind. Ob Motorschlitten, Seiltechnik oder Reanimation – nur durch regelmäßiges Training kann im Ernstfall schnell und professionell geholfen werden.

Nach der erfolgreichen 32. Auflage steht bereits fest: Auch in Zukunft wird die gemeinsame Ausbildung im Erzgebirge ein zentraler Bestandteil der regionalen Rettungsstruktur bleiben.

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