Erzgebirgs-Bike-Marathon wird für einstige Europameisterin zur Leidenschaft

Knapp 1100 Mountainbiker haben rund um Seiffen Geschicklichkeit und Ausdauer im Sattel bewiesen. Dazu gehörte auch eine frühere Leichtathletin, die 1992 bei den Olympischen Spielen auf Weitenjagd ging.

Seiffen

Zu einer Art United Festival sollte der 34. Erzgebirgs-Bike-Marathon werden. „Hier sollen sich alle treffen“, hatte Organisationsleiter Albrecht Dietze im Vorfeld erklärt. Gemeint waren Alt und Jung, Hobby-Sportler ebenso wie Profis sowie Anhänger verschiedener Sparten des Radsports.

So gehörte diesmal zum Beispiel auch ein Dualslalom für Downhill-Experten zum Programm – ebenso wie ein Gravel Ride, bei dem es Teilnehmer auch gemütlich angehen lassen konnten. In der Summe wurden diese Angebote am vergangenen Wochenende von knapp 1100 Startern genutzt – darunter Helga Radtke, die versierten Leichtathletik-Fans ein Begriff sein dürfte.

Über den OP-Tisch in den Radsattel

Nachdem sie 1979 Junioren-Europameisterin im Weitsprung geworden war, gewann die Rostockerin sechs Jahre später sogar die Hallenweltspiele. „Auch bei den Olympischen Spielen 1992 war ich dabei“, erzählt Helga Radtke, deren persönliche Bestweite bei 7,21 Metern steht.

Oft musste sie sich jedoch Heike Drechsler geschlagen geben. „Ich war so etwas wie die ewige Zweite“, erzählt die mittlerweile 64 Jahre alte Rostockerin, die mittlerweile das Mountainbikefahren für sich entdeckt hat.

Nach insgesamt acht Kreuzbandrissen, mehreren weiteren Verletzungen und einem neuen Kniegelenk ist das ihre neue Leidenschaft – aus mehreren Gründen.

Herzschlagfinale über 100 Kilometer

Ausschlaggebend war die Empfehlung ihres Physiotherapeuten, in den Sattel zu steigen. Der brachte sie auch auf die Idee, beim Erzgbirgs-Bike-Marathon zu starten. „Ein Jahr lang haben wir uns auf die 100-Kilometer-Strecke vorbereitet“, erinnert sich Helga Radtke an ihr Debüt vor acht Jahren.

Mit 64 ließ sie es nun über 40 Kilometer ruhiger angehen. „Aber es macht Spaß und fordert mich“, betont die ehemalige Fitnesstrainerin, die bereits am Samstag beim Bergsprint dabei war und als Biene Maja Süßigkeiten an die Kinder verteilte. So lieferte Helga Radtke ein gutes Beispiel dafür, dass der älteste Mountainbike-Marathon Deutschlands alle verbindet. „Es ist einfach wie eine große Familie hier“, schwärmte auch Anton Albrecht, der sich über 100 Kilometer in einem Herzschlagfinale den Sieg sicherte – eine Sekunde vor Titelverteidiger Felix Fritzsch.

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