In Waschleithe schneit es leicht. Eigentlich ist dieser Dienstag ein ruhiger Winterferientag im Februar. Doch die Nacht auf Montag hat im Ortsteil von Grünhain-Beierfeld ihre Spuren hinterlassen. Noch immer liegt Brandgeruch in der Luft. Vom ältesten Haus des Ortes, das sich in der Hinterdorfer Straße befand, ist nicht viel übriggeblieben: Reste der gelben Grundmauern stehen noch. Dazu ein schwarzer Haufen Schutt mitten im frisch gefallenen Schnee.
Flammen zerstören alles
Ein Flammeninferno hat in der Nacht auf den 16. Februar alles zerstört. Persönliche Erinnerungen, Lieblingskleidungsstücke, Hausrat, Einrichtungsgegenstände – innerhalb weniger Minuten haben die beiden Bewohnerinnen des Hauses sämtliches Hab und Gut verloren. Der Anblick lässt einen erschaudern. Es grenzt an ein Wunder, dass niemand verletzt wurde, niemand körperlich zu Schaden kam.
Ausnahmezustand für Feuerwehrleute
Damit tröstet sich auch Einsatzleiter Jörg Zimmermann: „Wir versuchen jetzt auch das Positive aus diesem Einsatz zu ziehen. Es gibt keine Verletzten. Alles andere stecken wir auch als Feuerwehrleute nicht so einfach weg. Was hier passiert ist, macht uns natürlich sehr betroffen.“ Stadtwehrleiter Zimmermann lobt, wie geistesgegenwärtig die jüngere der beiden Bewohnerinnen, reagiert hat. Die 58-Jährige habe eine Leiter ans Fenster gestellt, so dass sich ihre 85-jährige Mutter noch rechtzeitig befreien konnte.
Schnell bestand Einsturzgefahr
Obwohl die Feuerwehr innerhalb kürzester Zeit am Einsatzort ankam, sei das Haus nicht zu retten gewesen. „Als wir kamen war nur Rauch zu sehen“, so Jörg Zimmermann. „Wir haben sofort einen massiven Löschangriff mit fünf Trupps im Innenangriff gestartet. Doch diese Trupps mussten wir zurückziehen, weil es zu heiß war und sehr schnell auch Einsturzgefahr bestand“, schildert der erfahrene Einsatzleiter die Situation.
Fachwerkhaus aus dem Jahr 1701
Das betroffene Gebäude – ein Fachwerkhaus – stammte aus dem Jahr 1701. Genau das sei das Problem gewesen. „Der Kern bestand aus Lehm und Schilf“, so Zimmermann. Innerhalb kürzester Zeit habe es lichterloh in Flammen gestanden. „Es brannten der Dachstuhl und alle Etagen“, erklärt der Einsatzleiter. Das Wohnhaus sei durch einen Holzübergang, der im Ort das Brandenburg Tor genannt wurde, mit einer großen Scheune verbunden gewesen. Das Übergreifen auf diese konnte verhindert werden. „Es ist gut, dass uns das gelungen ist.“
Einsatz dauert 24 Stunden
Der Einsatz inklusive der Brandsicherheitswache dauerte 24 Stunden. Erst Mitternacht war er vollständig beendet. Jörg Zimmermann selbst verließ die Einsatzstelle am Montagabend gegen 20 Uhr. Zwei Stunden vorher hieß es: „Feuer aus“. Die Kälte und das damit gefrierende Wasser gehörten zu den größten Herausforderungen des Einsatzes: „Das war seit Jahren der größte Brand in unserem Stadtgebiet.“
Welle der Hilfsbereitschaft
Bereits am Montag lief eine Welle der Hilfsbereitschaft an. Nachbar Steven Schuffenhauer hatte über Gofundme eine Spendenaktion gestartet. Bis zum frühen Dienstnachmittag waren dort bereits knapp 57.000 Euro zusammengekommen. Und auch die Stadt spring ein. So bestätigte der stellvertretende Bürgermeister und Ortsvorsteher von Waschleithe Rico Weiß: „Die Entsorgung wird von der Stadt vorfinanziert.“ Das gebe der Familie die Möglichkeit, sofort loszulegen und nicht zu warten bis die Versicherung zahle. „Es zeigt sich, wie sehr der Ort zusammenhält“, freut sich Weiß. Die zwei Bewohnerinnen sind zunächst bei ihrer Familie untergekommen.
Spendenaktion soll helfen
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