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FFP2-Masken gibt es jetzt auch "Made in Erzgebirge"

Produktion Norafin räumt alle Steine aus dem Weg und beliefert nun mehr als nur die Region

Mildenau. 

Mildenau. Zertifizierte FFP2-Masken gibt es jetzt auch "Made in Erzgebirge". Hergestellt werden sie bei Norafin in Mildenau. Der Weg dorthin war steinig, wie Geschäftsführer André Lang einräumte. Auf der einen Seite musste das Produkt rein medizintechnisch den geltenden Vorschriften entsprechen. Das war für die Ingenieure aus dem Erzgebirge das kleinere Problem. "Wir mussten nur das passende Sieb für die Partikel konzipieren, die so groß sind wie Viren", sagte der Fachmann.

Dabei spricht er von einem besonders feien Vlies. Das muss 200 Nanometer kleine Viren aufhalten können. Zum Vergleich: medizinische Masken sind für zehnmal größere Bakterien bestimmt. Weitaus komplizierter gestaltete sich für die Erzgebirger der Nachweis, dass alle technischen Prozesse den geltenden Vorgaben entsprechen. Das gilt auch für alle verwendeten Materialien und Werkzeuge. "Gerade für Neulinge auf dem Gebiet ist das nicht einfach", versicherte André Lang. Außerdem brauchten die Mildenauer jemanden, der die Masken überhaupt zertifiziert. In Deutschland dürfen das nur der TÜV und DEKRA. Beide Organisationen hatten dazu am Jahresende keine Kapazitäten. Weitere Versuche in Spanien, in der Tschechischen Republik und in Ungarn scheiterten, weil diese Länder ihre Produzenten bevorzugen. Zum Glück unterhält Norafin seit Jahren enge Beziehungen in die Türkei. Dort wurden die Masken von einem unabhängigen Institut schließlich zertifiziert. Dieser Vorgang ist bereits im Dezember 2020 erfolgreich abgeschlossen worden. Seit dem ist die so genannte "Nora F" zu haben. Anfang Februar ist eine zweite FFP2-Maske des Unternehmens für den Markt zugelassen worden. "Das wurde notwendig, weil die Lieferketten für unser erstes Produkt nicht die Mengen absichern konnten, die wir brauchen", so der Geschäftsführer.

Produktion und Lieferung

Etwa 50.000 Stück können die Mildenauer pro Woche herstellen. Im Dezember vergangenen Jahren sind es noch 5.000 Stück pro Woche gewesen. Kunden sind in erster Linie Ketten, die an Pflegeeinrichtungen liefern, Busunternehmen, Handwerker und andere Firmen sowie Apotheken der Region.Partner im industriellen Bereich gibt es mittlerweile europaweit. Krankenhäuser der Region greifen auf die regionalen Erzeugnisse vorerst nicht zurück. "Dort ist der Preis momentan das oberste Gebot. Da ist es für uns noch schwer reinzukommen", so André Lang. Außerdem vertreibt die Firma ihre Masken über den eigenen Web-Shop. Dass Norafin überhaupt die Masken produziert, resultiert im Prinzip aus dem Aufruf durch die Politik im Rahmen eines Treffens in Berlin im April vergangenen Jahres.

Prüfung der FFP2-Zertifizierung

Damals wurde der private Sektor regelrecht angefleht, eigene Initiativen zur Herstellung von Alltagsmasken zu ergreifen. So sollte ein vor etwa 20 Jahren nach China ausgelagerter Produktionszweig zurück nach Deutschland geholt werden. Förderungen und Hilfsprogramme wurden versprochen. Ihre Versprechen gehalten habe die Politik nicht. Im Gegenteil. "Bis jetzt wird weiterhin dort gekauft, wo früher schon gekauft worden ist", erklärt der Unterneher enttäuscht. Nicht alle auf dem Markt befindliche Produkte entsprächen den Vorgaben. Das weiß André Lang aus Erfahrung. Er rät Verbrauchern, genau zu prüfen, ob die Masken einen klaren FFP2-Aufdruck samt CE-Nummer ausweisen. Letztere steht für die entsprechende Zertifizierung und das Land, in dem das Zertifikat erworben worden ist. Aber auch unter den zertifizierten gäbe es noch gute und weniger gute Erzeugnisse. Das falle den Nutzern erst dann auf, wenn sie die Masken längere Zeit über tragen müssen. Die Erzgebirger haben nicht nur darauf Wert gelegt, die geforderte Filterleistung zu garantieren. Die liegt laut Vorgaben für das Zertifikat bei 94 Prozent.

"Wir schaffen sogar drei Prozent mehr", so der Cranzahler. Wichtig sei auch die Atemgängigkeit. Schließlich soll die Maske ihre Trägerinnen und Träger so wenig wie möglich beim Atmen behindern. Dafür gibt es laut dem Unternehmer klare Vorgaben, die nicht alle einhalten. Geruchsbelastungen seien ein Zeichen für Fertigungsprobleme, wie André Lang betonte. Aufdrucke wie "KN95" oder "N95" weisen auf Masken hin, die dem FFP2-Zertifikat nicht entsprechen.