Filmkritik: Neuer Erzgebirgskrimi enthüllt eine Familientragödie, die unter die Haut geht

Ein Mord im Erzgebirge, illegale Machenschaften und ein Familiengeheimnis mit verheerenden Folgen: Der neue Erzgebirgskrimi „Mordholz“ geht emotional unter die Haut.

Annaberg-Buchholz

Ein älterer Herr wird tot im Wald gefunden, er ist als Holzbaron und Besitzer des Sägewerks in der Umgebung bekannt. Kurz zuvor fand ein Holzraub im selben Waldstück statt. Waren es dieselben Täter? Und was hat eigentlich die Pfarrerin, deren Kirche der Wald gehört, damit zu tun? Das erfahren die Zuschauenden im neuen Erzgebirgskrimi. Für diesen brauchen sie starke Nerven.

Eine familiäre Tragödie, die man nicht gleich kommen sieht

Am Samstagabend (7. März) ermitteln die Kommissare Winkler und Szabo wieder im ZDF. Pünktlich um 20.15 Uhr wird der neue und schon 14. Teil der beliebten Erzgebirgskrimi-Filmreihe im Fernsehen gezeigt. Bereits seit dem 23. Dezember ist "Mordholz" in der ZDF-Mediathek zum Streamen bereit.

In dieser Folge geht es um eine familiäre Tragödien, die ein ungeahntes Netz aus Lügen offenbaren. Dreh- und Angelpunkt ist diesmal Annaberg-Buchholz, wo im Frühjahr 2025 gedreht wurde.

Achtung ab hier wird gespoilert!

Kommissar Winkler kämpft mit seinem Trauma

Bereits zu Beginn des Films wird klar, dass Kommissar Robert Winkler (Kai Scheve), der im letzten Teil beinahe in deiner Kiste erstickt wäre, noch mit seiner Posttraumatischen Belastungsstörung zu kämpfen hat. Sein Love Interest Saskia Bergelt (Teresa Weißbach) unterstützt ihn auf seinem Weg, zurück in ein normales Leben und lässt ihn bei sich wohnen. Immerhin haben die Försterin und der Kommissar schon viel gemeinsam durchgemacht, was sie mehr und mehr zu verbinden scheint. Endlich wirkt es einmal harmonisch zwischen den beiden. Balsam für die Seele. Eines Tages bekommen sie einen Anruf und sind schon unterwegs zum nächsten Mordfall. Fast nebenbei kommt dann auch Kommissarin Szabo mit am Tatort an und beginnt mit der Arbeit. Ach ja, sie ermittelt ja auch noch mit. Man hatte sie fast vergessen.

Eine erste Spur führt zum Sohn des Opfers

Schnell stößt das Ermittlerteam auf eine erste Spur: Der Sohn des Opfers, Heiko Zenker (André Kaczmarczyk), hatte keine besonders gute Beziehung zu seinem Vater. Als Nachfolger in der Firma kommt er mit neuen Ideen daher, um das Sägewerk, was in den roten Zahlen steht, zu retten. Das passt dem Vater nicht, der kaum einsieht, dass die alten Methoden nicht mehr zielführend sind. Heiko greift mit seinen Mitteln aber auf nicht immer legale Mittel zurück. Doch würde er seinen Vater umbringen, um schneller die Nachfolge in der Firma anzutreten?

Eine geheime Beziehung und die Sache mit dem Holzdiebstahl

Heikos Alibi ist Leonie Kampmann (Leonie Brill), die Tochter seines Mitarbeiters Gregor (Christian Erdmann), mit der er eine geheime Beziehung führt. Leonie ist Legasthenikerin und macht aktuell im Rahmen ihres Forstwirtschaftsstudiums ein Praktikum bei Försterin Saskia Bergelt. Im Zuge der Ermittlungen kommt heraus, dass Leonies Vater von Heikos illegalen Geschäften wusste und selbst mit den Holzdieben aus dem Wald unter einer Decke steckt. Das Motiv ist simple, aber herzerweichend. Vielleicht lief auch eine Träne über meine Wange.

Zerreißende Worte eines liebenden Vaters

Leonie fällt das Lernen nicht leicht und er wollte ihr mit dem Geld einfach nur das Studium finanzieren, da sein normaler Lohn kaum für die Familie reiche. Außerdem sah er durch die Umstrukturierungen im Betrieb seinen Arbeitsplatz gefährdet, weshalb er eine der "neuen" Holzproben sicher aufbewahrte, um im Notfall etwas gegen den neuen Chef in der Hand zu haben und seinen Arbeitsplatz zu sichern.

Plötzlich taucht da diese Frau auf

Leonis Mutter Kerstin (Julia Richter) arbeitet als Teilzeitkraft in einem Holzkunstgeschäft. Eines Tages fällt ihr auf, dass die neue Standesbeamtin Luise Wolf (Jana Klinge), die sie sogar im Laden besuchen kommt, merkwürdige Fragen über Leonie stellt und einige Zeit lang den Kontakt zur jungen Studentin sucht. Die Mutter wittert etwas. Der Zuschauende erfährt jedoch nur, dass Luise Wolf bereits früher in Annaberg gelebt hat, aber dann zum Studieren nach Chemnitz ging. Jetzt ist sie wieder zurück in ihrer alten Heimat. Sie war es auch, die mit Fritz Bergelt (Thomas Thieme) den Toten im Wald auffand. Beide wollen in eigentlich in die Oper. Was hat das alles zu bedeuten?

Wer verbirgt wirklich etwas?

Noch verwirrender wird es, als die Pfarrerin Schubert (Inka Friedrich) ins Visier der Ermittler gerät. Sie verhält sich merkwürdig. Ihre Kirche, der der Wald gehört, hat dem Sägewerk bislang das Holz zum Spottpreis verkauft. Doch damit ist jetzt Schluss! Mit dem Tod des Vaters soll Heiko Zenker nun endlich den vollen Holzbetrag bezahlen. Na da hat die Pfarrerin jetzt aber mal auf den Tisch gehauen! Auch Leonie sucht immer wieder das Gespräch mit ihr. Die Verstrickungen werden immer stärker. Die Kommissare werden das Gefühl nicht los, dass alle etwas zu verbergen haben, doch was?

Die schockierende Wendung

Nach und nach kommen die Kommissare der Wahrheit näher. Tatsächlich ist das Geheimnis schockierender als gedacht und nichts für schwache Nerven: Luise Wolf sagt gegenüber der Polizei aus, dass sie die leibliche Mutter von Leonie sei. Das Mordopfer, Karl Zenker (Michael Kind), hatte sie, als seine junge Azubine, auf einer Weihnachtsfeier missbraucht und sie wurde schwanger. Das Kind gab sie zur Adoption frei, doch ließ sie der Gedanke nie los, was aus Leonie geworden war.

Luise kehrte deshalb kürzlich nach Annaberg zurück und beobachtete ihre Tochter. Als sie mitbekam, dass Leonie und Heiko eine Liebesbeziehung angefangen hatten, obwohl sie Halbgeschwister waren, setzte sie den alten Karl darauf an, die beiden auseinander zu bringen, der bis dato nichts davon wusste, dass Leonie seine Tochter war. Er hatte Luise damals zu einer Abtreibung gedrängt, die sie jedoch nicht durchzogen hatte. Ein Schock.

Karl lockte Leonie dann unter einem Vorwand in den Wald und beschimpfte sie, dass sie für seinen Sohn nicht gut genug wäre. Aus Verletzung und Verzweiflung schubste Leonie den alten Karl an einen Baum, welcher mit einer Platzwunde zusammensackte. Sie lief weinend davon, im Glauben, sie habe ihn getötet. Ganz ehrlich: In diesem Moment habe ich so mit Leonie mitgelitten, dass es mir schwerfiel, ihre Tat anzuprangern.

Die ganze Wahrheit

Heiko, der den Vorwand seines Vaters mitbekommen hat, war Leonie aus Sorge heimlich in den Wald gefolgt. Er hatte die Demütigungen gegenüber seiner Freundin mit ansehen müssen. Als der bewusstlose Vater wieder zu sich kam, kam es zum Streit mit seinem Sohn. Karl offenbarte ihm endlich, dass Leonie seine Schwester war. Schauspieler Michael Kind führte die Rolle des grausamen, alten Mannes so gut aus, dass mein Herz beim Schauen fast stehen blieb. Gänsehaut. Die demütigenden Worte, die er nun auch für seinem Sohn übrig hatte, ließen bei Heiko die Sicherungen durchbrennen und er erschlug seinen Vater.

Wenn man Empathie mit den Tätern hat

Karl war zwar gestorben, doch Leonie und Heiko waren am Ende die, die am meisten Leid zu tragen hatten. Die Familientragödie hat mich emotional aufgewühlt und ich hatte tatsächlich nicht mit diesem Ausgang gerechnet.

In "Mordholz" standen die Privatgeschichten des Ermittlungsteams diesmal nicht im groß Vordergrund, was ich auch einmal ganz erfrischend fand. Aber irgendwie fragte ich mich auch immer wieder, ob es einen Unterschied gemacht hätte, ob Karina Szabo mit ermittelt hätte oder nicht. Ihre Rolle ging leider etwas unter. Die Drehbuchautoren hätten sie ein bisschen spannender einbauen können, vielleicht ist es aber auch gewollt, dass sie heimlich immer weiter in den Hintergrund rückt, da die Fancommunity bereits weiß, dass die Schauspielerin ihren Rückzug aus der Filmreihe bekanntgegeben hat.

Insgesamt ein solider Erzgebirgskrimi mit emotional, berührenden Momenten.

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