Friedlich, kontrovers, konstruktiv

Interview mit Bürgermeister Joachim Rudler

Friedlich, kontrovers und konstruktiv haben geschätzte 300 Grünhain-Beierfelder über die geplante Unterbringung von Flüchtlingen in ihre Heimatstadt diskutiert. Bürgermeister Joachim Rudler hatte zur Bürgerversammlung in die Spiegelwaldhalle eingeladen. Der BLICK führte im Anschluss ein Interview mit dem Stadtchef.

Was hat Sie positiv oder auch negativ an der Diskussion überrascht?

Überrascht bin ich nicht, denn ich hatte damit gerechnet, dass die Grünhain-Beierfelder eine so sachliche Diskussion führen können.

Immer wieder treffen die Stadträte Entscheidungen, die direkte Auswirkungen auf die Bürger haben. Kaum einer nimmt Notiz davon. Warum ist das beim Thema Asyl ganz anders?

Es ist ein Thema, das uns alle bewegt. Auch mich, denn auch für mich ist das alles unbekannt. Wir sind es nicht gewöhnt, uns mit anderen Kulturen so auseinanderzusetzen, wie wir es jetzt tun müssen. Aber es ist unsere Pflicht, denen zu helfen, die in Not sind.

Wie sieht eine gute Integration aus?

Integration ist schnell dahin gesagt. Wir können es nur schaffen, wenn wir akzeptieren, dass die Menschen aus einem anderen Kulturkreis kommen. Wichtig ist gegenseitige Akzeptanz, diese müssen wir von beiden Seiten einfordern.

Was macht Ihnen momentan Angst? Die hitzige Stimmung im Land oder der große Flüchtlingsstrom?

Ich habe keine Angst - auch nicht vor den Radikalen in Deutschland. Ich glaube, dass unsere demokratische Gesellschaft das aushält und damit fertig wird. Angst würde mir nur machen, wenn es uns nicht gelingt, die Flüchtlinge vernünftig unterzubringen und zu integrieren.

In Grünhain-Beierfeld soll nun ein Bürgerausschuss gegründet werden. Was darf dieser? Der Bürgerausschuss hat eine beratende Funktion und wird das Bindeglied zwischen Bürgerschaft und Stadtrat sein.