„Für die einen bin ich grüner Ideologe, für die anderen ein Nazi“: Wie ein Erzgebirger die Energiewende vor Ort vorantreiben will

Joerg Heinicke engagiert sich ehrenamtlich in einer Energiegenossenschaft

Erzgebirge

Die Diskussion um Windkraft und erneuerbare Energien wird oft hitzig geführt. Zwischen Befürwortern und Gegnern gehen sachliche Argumente dabei nicht selten verloren. Einer, der sich dennoch für die Energiewende in der Region engagiert, ist Jörg Heinicke, Vorstandsvorsitzender der Erzgebirgsenergie eG mit Sitz in Niederdorf.

Die Idee entstand zu Corona-Zeiten

Der Anstoß kam aus dem eigenen Alltag. Während der Corona-Pandemie sanierte Heinicke sein Haus und stellte die Energieversorgung auf erneuerbare Quellen um. Dabei wurde ihm bewusst, wie teuer dieser Schritt für viele Menschen sein kann.

Bezahlbare Energie für alle ermöglichen

„Nicht jeder kann sich eine solche Investition leisten“, sagt Heinicke. Aus dieser Erfahrung entstand die Idee einer Genossenschaft, über die Bürger gemeinsam Projekte anstoßen und von den Erträgen profitieren können.

Knapp 100 Mitglieder dabei

Die Erzgebirgsenergie eG zählt inzwischen knapp 100 Mitglieder. Ein Genossenschaftsanteil kostet 100 Euro. Ziel ist es, möglichst viele Menschen an der regionalen Energiewende zu beteiligen.

Geld soll in der Region bleiben

Dabei gehe es ihm nicht ausschließlich um Windkraft. Viel wichtiger sei die Frage, wer von den Anlagen profitiert. „Wenn es schon Windparks gibt, müssen wir schauen, dass das erzeugte Geld in der Region bleibt und nicht an Investoren von außerhalb geht“, betont Heinicke.

Neue Möglichkeiten für Kommunen

Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Kassen könnten zusätzliche Einnahmen neue Spielräume schaffen. Erträge aus regionalen Energieprojekten könnten dazu beitragen, vor Ort Investitionen anzustoßen.

Mehr Eigeninitiative gefordert

Für Heinicke ist das auch eine Frage der Mentalität. „Sachsen und wir Erzgebirger waren immer Tüftler und findige Leute“, sagt er. Heute werde vielerorts zu sehr auf staatliche Unterstützung gehofft. „Aktuell ist einfach kein Geld da. Wir müssen unser Schicksal selbst in die Hand nehmen.“

Unabhängiger werden

Neben wirtschaftlichen Aspekten spielt für ihn die Versorgungssicherheit eine wichtige Rolle. Deutschland müsse unabhängiger von Öl- und Gasimporten werden.

„Wir müssen unabhängiger von Öl und Gas von irgendwelchen Verrückten in der weiten Welt werden“, formuliert er bewusst deutlich angesichts der aktuellen weltpolitischen Gemengelage.

Nicht nur Windkraft

Gleichzeitig wirbt Heinicke für einen technologieoffenen Blick. Das Erzgebirge verfüge über zahlreiche ungenutzte Dachflächen. „Es gibt so viele ungenutzte Dächer im Erzgebirge, auf denen man mit PV-Platten einfach Energie für die direkte Umgebung erzeugen könnte.“

So wurden bereits einige konkrete Projekte realistisch. Beispielsweise seien hier die Kita Kinderland in Thalheim, das Fliedner Haus in Hohndorf und die Grundschule Neudorf genannt.

Zwischen allen Fronten

Sein Engagement bringt ihm nicht nur Zustimmung ein. „Die einen nennen mich Nazi, die anderen werfen mir grüne Ideologie vor“, sagt Heinicke. Auch persönliche Drohungen habe er schon erhalten. Davon lasse er sich jedoch nicht beirren. Sein Ziel sei es, vor Ort etwas zu bewegen. „Wir werden das Weltklima im Erzgebirge allein nicht retten, aber wir können vor Ort etwas bewegen und nebenbei unserem schönen Planeten etwas Gutes tun.“

Der Anspruch der Genossenschaft ist damit klar: Die Energiewende soll nicht als abstraktes Großprojekt verstanden werden, sondern als Chance, regionale Wertschöpfung zu schaffen und die Menschen vor Ort stärker an der Energieversorgung zu beteiligen.

Habt ihr eine Meinung zu diesem Artikel oder einen Fehler entdeckt? Dann weist uns gern darauf hin.

Auch interessant für dich