Handwerk hat goldenen Boden – das zeigt sich immer wieder. „Die Lehrlingszahlen sind steigend. Bei der letzten Erhebung hatten wir 8 Prozent mehr Lehrverträge als im Vorjahr. Handwerk wird wieder mehr nachgefragt“, freut sich Steffen Böttcher, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Erzgebirge-Chemnitz:
Gründe für erhöhte Nachfrage bei Handwerk
„Das ist denke ich aber auch ein Spiegelbild der aktuellen Situation, die gerade in der Industrie vorherrscht mit Stellenabbau und Insolvenzen.“ Das Handwerk sei durchaus bodenständiger und durch die kleinen Strukturen komme das Handwerk besser durch so manches Tief. Im Kulturhaus in Aue hat die Kreishandwerkerschaft Erzgebirge-Chemnitz zusammen mit den angeschlossenen Innungen und der Handwerkskammer Chemnitz die Gesellenfreisprechung Frühjahr 2026 durchgeführt. Insgesamt waren es 69 Freisprechungen.
Ehrungen für besondere Leistungen
Es gab Gesellen, die für besondere Leistungen ausgezeichnet worden sind darunter Franz-Jürgen Aude aus Gablenz. Der 21-jährige, der bei der Becher GbR Zwönitz gelernt hat, konnte seine Ausbildung zum Zimmerer vorzeitig erfolgreich abschließen. „Dadurch, dass ich vor der Ausbildung Abitur gemacht habe und gute Zwischenprüfungsergebnisse hatte, konnte ich die Ausbildung verkürzen auf 1,5 Jahre. Es fühlt sich gut an. Nach der Schule wollte ich eigentlich Statik studieren, habe mich aber dann doch entschieden, etwas Handwerkliches zu machen.“ Der junge Mann hat für die Zukunft große Pläne: „Ich habe mich jetzt für die Meisterausbildung angemeldet und möchte perspektivisch in die Selbständigkeit gehen mit einer eigenen Firma in Gablenz.“ Gold und Silber für Handwerksmeister
Gold und Silber für Handwerksmeister
Den feierlichen Rahmen der Gesellenfreisprechung hat man genutzt, um zwei besondere Ehrungen nachzureichen. Bäckermeister Gunter Weißbach hat den Goldenen Meisterbrief für 50 Jahre überreicht bekommen. „Die Meisterprüfung habe ich 1975 abgelegt“, erzählt Weißbach: „Vor 50 Jahren hätte ich mir das nicht vorstellen können, doch jetzt denkt man zurück und weiß noch genau, wie es damals war.“ Den Beruf würde der heute 72-jährige jederzeit wieder wählen: „Es war hart, aber schön.“ Den Gesellen gibt Weißbach eine Sache mit auf den Weg: „Sie sollen zur Stange halten. Sicher ist es manchmal schwierig, doch in dem Beruf schafft man etwas mit seinen eigenen Händen auch wenn es aufgegessen wird.“ Jetzt schon einige Jahre im wohl verdienten Ruhestand gesteht Gunter Weißbach: „Den Duft von frisch gebackenem Brot und Brötchen, den vermisse ich schon ein bisschen.“ Gerd Müller hat 1985 die Meisterprüfung erfolgreich absolviert und ist seit 41 Jahren Bäckermeister. Jetzt freut er sich riesig, dass er endlich seinen Silbernen Meisterbrief für 25 Jahre überreicht bekommen hat. „Das Bäckerhandwerk ist ein toller Beruf, man sieht jeden Tag, was man geschaffen hat. Und die Verbindung mit der Kundschaft, das macht immer wieder Spaß.“ Gerd Müller hat 1991 den elterlichen Betrieb in Seifersdorf übernommen und ist in vierter Generation Inhaber: „Mein Sohn hat sich auch für den Bäcker-Beruf entschieden.“ Die Bäckerei Müller gibt es seit 1884.
Habt ihr eine Meinung zu diesem Artikel oder einen Fehler entdeckt? Dann weist uns gern darauf hin.