Gestank aus Böhmen - Neue Station soll Nachweise bringen

Umwelt EU investiert zwei Millionen Euro in das Projekt

Die beiden Mitarbeiter des Leibnitz-Instituts für Troposphärenforschung Anja Schmidt und Maik Merkel sowie Professor Alfred Wiedensohler (v.l.) beim Aufbau der Technik in der neuen Deutschneudorfer Messstation. Foto: Jan Görner

Deutschneudorf. Mit einer neuen Messstation will das Leibnitz-Institut für Troposphärenforschung stinkende Industrieabgase aus dem Böhmischen Becken aufspüren. Am Dienstag ist diese auf dem Festplatz in Deutschneudorf aufgebaut worden.

Im Gegensatz zu der Station auf dem Schwartenberg befindet sich diese in einer Niederung. "Wir haben schon lange angestrebt, dass in Tallagen gemessen wird. Die Ergebnisse sind objektiver. Daher sind wir sehr froh über dieses Projekt", sagte Hartmut Tanneberger von der Bürgerinitiative für saubere Luft im Erzgebirge (BI). "Diese Station führt sowohl kontinuierliche Partikelmessungen als auch periodische Analysen zur Zusammensetzung der Luft durch", sagte Professor Alfred Wiedensohler vom Leibnitz-Institut.

Er hat den Aufbau am Dienstag betreut. Die periodischen Messungen sollen unter anderem die organischen Gase aufspüren, die stinken und in höheren Konzentrationen krank machen. Eine weitere Methode findet sich im Einsammeln von Luftproben wieder. Diese nehmen Probanden vor, die das Institut vorher in einem aufwändigen Verfahren ermittelt hat. Sie verfügen einen nachgewiesen feinen Geruchssinn.

Für das Nehmen der Proben stehen ihnen spezielle Vakuumstahlkanister zur Verfügung. Werden diese geöffnet, saugen sie sich eigenständig mit der Umgebungsluft voll. Der mit Messtechnik gespickte Anhänger bleibt die nächsten beiden Jahre vor Ort stehen. Finanziert wird das Projekt von der Europäischen Union. Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa zwei Millionen Euro.

Für den Fall, dass die Station erhöhte Konzentrationen gesundheitsschädlicher Industrieabgase nachweist, lässt sich aus Sicht der BI der Druck auf die Tschechische Regierung erhöhen. Die BI plant außerdem einen Besuch der Industrieanlagen im Böhmischen Becken im März. Diese Aktion wird von Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt unterstützt.

Außerdem lädt sie gemeinsam mit dem Leibnitz-Institut zu einem Tag der offenen Tür an der Deutschneudorfer Messstation ein. Termin dafür ist der 25. Februar von 11 bis 14 Uhr.