Der Geburtstag des Erzgebirgischen Volkssängers Anton Günther jährt sich am Freitag (5. Juni) zum 150. Mal. Anton Günther wurde 1876 in Gottesgab – dem heutigen Boží Dar in Tschechien – geboren. In Liedern wie „O Arzgebirg, wie bist du schie“ – eine ganz besondere Liebeserklärung an seine Heimat – und in vielen weiteren Liedern hat er das Erzgebirge und seine Menschen in einzigartiger Weise in Mundart besungen. Der 1937 verstorbene Sänger, Dichter und Komponist wird auch heutzutage noch von zahlreichen Freunden seiner Musik hoch geschätzt und verehrt.
BLICK.de fragte anlässlich des „150.“ Erzgebirger, was sie mit Anton Günther und seinem Werk heutzutage verbindet.
Carmen Krüger: „Anton Günther hat mit so einer innigen Liebe zur Haamit geschrieben“
„Als ich mit zehn Jahren in der Erzgebirgsgruppe Ehrenfriedersdorf angefangen habe, haben wir schon die wunderschönen Lieder von Anton Günther gesungen. Seitdem lassen mich seine Lieder und Sprüchlein nicht los“, erinnert sich Carmen Krüger (59), die unter anderem als Vorsitzende des Erzgebirgszweigvereins Ehrenfriedersdorf bekannt ist. Sie erklärt: „Anton Günther hat mit so einer innigen Liebe zur Haamit geschrieben – so sinnige, ehrliche Texte, dass man manchmal vergisst, wie lange sie schon da sind. Mein Lieblingslied „Bild dir nischt ei“ ist so aktuell wie eh und je. Es mahnt uns, dankbar zu sein für das, was wir haben. Und ein Leitspruch begleitet mich bis heute: „E Lied wos net von Herz‘n kimmt, ka net ze Herz‘n gieh.“
Ich wünsche mir deshalb, dass seine Lieder weiter gesungen werden – laut und von Herzen, von Alten und Jungen. Dass er nicht vergessen wird. Dass es viele Menschen geben wird, die ihn ehren – an jedem Tag, an dem ein Lied von ihm erklingt und ein Herz dabei warm wird.“ (so)
Annett Illig: „Ich mag seine unglaubliche Naturverbundenheit“
Sopranistin Annett Illig aus Mildenau ist den Liedern von Anton Günther schon in Kindertagen begegnet: „Meine Großmutter hat mir seine Lieder beigebracht. Sie hat sie mit mir zusammen gesungen“, sagt die 59-Jährige. „Der Kuckuck“ oder „Mei Grußmütterle“ begleiten Illig seither. „Sie bilden eine tiefe Basis in mir, auch für mein künstlerisches Schaffen.“ Sie schätzt an seiner Arbeit, dass er tiefe menschliche Themen in seine so schlichten, einfachen Lieder packte. Selbst mit den Themen Tod und Sterben habe er sich in vielen seiner Texte auseinandergesetzt. „Ich mag seine unglaubliche Naturverbundenheit.
Er war ein guter Beobachter und zeigt in seinen Texten diese ehrliche Heimatliebe.“ Annett Illig mag an Günther zudem, dass er seine Eltern ehrte und das ebenfalls immer wieder in seinen Liedern transportierte, beispielweise im „Vaterhaus“. Eine weitere Stärke sei, dass er zeitlos getextet habe: „Man könnte denken, dass er sie für die heutige Zeit geschrieben hat.“ Anton Günther habe seine Zeit immer kritisch betrachtet und sei mutig genug gewesen, das auszusprechen. „Ich wünsche dem Werk von Anton Günther, dass es immer wieder die Menschen findet, dass sie seine Botschaften ehrlich empfangen und, dass seine Lieder immer bleiben.“ (klw)
Vicente Patiz: „Großartig, dass sich jemand so für seine Heimat einsetzt“
Die Liedzeile „Arzgebirg wie bist du schie“ war für Gitarrist Vicente Patiz aus Aue-Bad Schlema der erste Berührungspunkt mit Anton Günther – allerdings nicht als Lied, sondern als Schriftzug auf einer Schnitzerei. „Mein Papa hat ja sehr gut gedrechselt und in unserer Familie wurden Schnitz- und Drechselkunst sehr hochgehalten. Und da hatten wir eben auch ein Stück Volkskunst mit seinen Worten auf dem Sockel.“ Der heute 50-Jährige fand es ziemlich gut. Er erinnert sich gern an Weihnachten mit Volkskunst, Räucherkerzchen und Carlsfelder Christstollen.
Genauso wie Günther liebe auch er seine erzgebirgische Heimat. Seinen Hut zieht der Gitarrist vor Günthers riesigem Werk und seinem Schaffen. „Ich finde es großartig, dass sich jemand so für seine Heimat einsetzt und lobenswerter Weise so über das Erzgebirge redet und singt.“ Seinem Werk wünscht er, dass es immer wieder neu entdeckt und interpretiert wird. „Wenn da jetzt jemand kommt und eine coole Idee hat, find ich das super. Ob als Hip-Hop-Text oder von einer Metalband - das wäre stark.“ Tradition dürfe im Endeffekt nicht heißen, dass man die Asche anbetet. Es sei wünschenswert mit dem Material, was einem geschenkt wurde, etwas Kreatives zu machen. „Ich bin eher nicht der Verwalter von altem Erbgut, sondern finde man sollte es nutzen und etwas Schönes und etwas Tolles draus machen. Das würde mir gefallen.“ (klw)
Udo Burkert: „Er hat auf Missstände in der Politik und Gesellschaft hingewiesen“
Udo Burkert (61) Bus-Unternehmer aus Sehma ist durch das Feierabend-Lied das erste Mal auf Anton Günther aufmerksam geworden. Ihm gefällt, dass sich Anton Günther getraut hat, offen und ehrlich seine Meinung zu sagen und auch auf Missstände in der Politik und Gesellschaft hingewiesen hat. „Ich achte sehr seine Heimatverbundenheit und Achtung gegenüber unseren Eltern und Ahnen.“, sagt er.
Und er freue sich sehr, dass Musikanten und Liedermacher wie zum Beispiel Jörg Heinicke und Frank Schubert seine Lieder spielen und verbreiten und dass zahlreiche Veranstaltungen ihm zu Ehren großen Zuspruch finden und die Leute wieder „Deitsch on frei wolln mr sei, weil mr Arzgebirger sei“ bis zur letzten Strophe singen. (so)
Andreas Haustein: „Mich haben immer die Vielfalt seiner an die 200 Werke im erzgebirgischen Dialekt beeindruckt“
Andreas Haustein (68) aus Marienberg, ist Geschäftsführer der Sozialbetriebe Mittleres Erzgebirge gGmbH. Er gehört zu jenen, die den Anton Günther noch heute großen Respekt zollen
: „Als gebürtiger Satzunger bin ich seit meiner Kindheit sehr eng mit der Thematik verwurzelt, lernte durch meine Eltern und Vorfahren schon die Lieder und die Atmosphäre in den Hutzenstuben kennen. Außerdem hatte ich noch Kontakt zur Heimatdichterin Luise Pinc. Diese wiederum hatte noch Anthon Günther persönlich gekannt. Das faszinierte mich immer. Mich haben immer die Vielfalt seiner an die 200 Werke im erzgebirgischen Dialekt beeindruckt. Sie werden immer wieder gern bei uns im Arzgebirg gesungen“.
Haustein hofft und wünscht, „dass diese Dinge nicht verloren gehen und wir Anton Günthers Lebenswerk der Nachwelt erhalten. Sein Vermächtnis beinhaltet so viele Wahrheiten – u. a., dass wir Menschen gut und friedlich miteinander umgehen und Gemeinschaft pflegen sollten. Auch die Mundart sollte für spätere Generationen erhalten bleiben. Zudem stelle ich dienstlich immer wieder fest, dass die Bewohnerinnen und Bewohner unserer Einrichtungen dieses Liedgut lieben und sofort mit dem Herzen dabei sind, wenn die Strophen angestimmt werden“.
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