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Sachsen

Großteil der Lippersdorfer Bürgerschaft ist gegen die Errichtung von Windkraftanlagen

Widerstand Nein zum Eingriff in die Natur

Lippersdorf. 

Lippersdorf. Für Klimaschutz und Unabhängigkeit in der Energieversorgung soll in Zukunft zunehmend auf erneuerbare Energien gesetzt werden. Dazu zählt auch die Energiegewinnung aus Wind. Doch nicht jeder ist begeistert, in seiner Gemarkung Windkraftanlagen entstehen zu lassen. Aktuelles Beispiel dafür ist der Pockau-Lengefelder Ortsteil Lippersdorf.

Bürger und Bürgerinnen haben Bedenken

Der Großteil der dort lebenden Bürgerinnen und Bürger hegt arge Bedenken bezüglich des Baues eines Windparks. "Nein zur Zerstörung der Natur durch Windräder." - so wird man an den Ortseingängen in Lippersdorf begrüßt. Warum sich in dieser Gemeinde der Widerstand gegen die Errichtung von Windkraftanlagen organisiert hat, sollte im Gespräch mit der Bürgerinitiative Lippersdorf "Für ein lebenswertes Leben in Lippersdorf" erklärt werden.

Bürgerinitiative seit Ostern 2022

Die Bürgerinitiative hat sich erst vor wenigen Monaten nach Ostern 2022 gegründet, als bekannt wurde, dass im Potentialgebiet E15 die Errichtung von 5 Windkraftanlagen geplant ist. Zeitgleich wurde die Internetseite www.gegenwindlippersdorf.com erstellt, wo Probleme der Windkraft im Allgemeinen und für den Ort der Öffentlichkeit gezeigt werden sollen. Die vorgesehenen Flurstücke liegen nordöstlich von Lippersdorf und umfassen eine Fläche von weit mehr als 100 Hektar am Rande des Borstendorfer Waldes, die bis heute überwiegend biologisch, landwirtschaftlich bewirtschaftet werden. Diese Art von Bewirtschaftung geschieht deshalb, weil sich in und am Potentialgebiet ein Flächennaturdenkmal und Waldbiotope befinden.

All diese schützenswerten Biotope können nur durch die zum größten Teil nicht dokumentierten Quellen in diesem Gebiet existieren. Im Potentialgebiet entspringen der Rainbach und der Röthenbach, welche die namensgleichen Talsperren versorgen. Bis 1976 wurden beide Talsperren zur Trinkwasserversorgung im Verbund mit der Saidenbach- und Neunzehnhainer Talsperre zur Sicherstellung der Trinkwasserversorgung der Stadt Chemnitz und Teilen des Erzgebirges genutzt.

Das Potentialgebiet E15 brachte eine Trinkwasserkapazität von 3.000.000 m³ jährlich. In einem Artikel eines Umweltverbandes in Sachsen wurde der Röthenbach als Existenzgrundlage des Hochmoors Reifländer Heide beschrieben. "Da bis heute die Quellen in diesem Gebiet bis auf wenige unbekannt sind, haben wir die größten Bedenken, dass durch diese extremen Eingriffe in die Bodenstrukturen, neben den bekannten Quellen für die ehemalige Reifländer Trinkwasserversorgung, auch die bisher unbekannten Quellen versiegen und es zu einem Austrocknen der Flächen kommt und somit die Biotope und das Hochmoor aus unserer Heimat verschwinden", so Matthias Müller von der Bürgerinitiative. Herr Steinert betonte zudem mehrmals, dass wir gerade wieder nach diesem trockenen Sommer unser höchstes Gut, der Grundlage allen Lebens, das Wasser unter einen besonderen Schutz stellen sollten.

Lebensraum schützen

In diesen Feuchtwiesen gibt es schon über viele Jahre zahlreiche Vogelbeobachtungen, durchgeführt durch einen engagierten Eppendorfer Bürger in Eigeninitiative. Es wurden durch ihn seltene Zug- und Heimatvögel in diesem Gebiet beobachtet und dokumentiert, deren Lebensraum durch diese Maßnahmen zerstört würde.

Ein weiteres Mitglied der Bürgerinitiative dokumentiert seit seinem wohlverdienten Ruhestand die Vegetation im Flächennaturdenkmal. Glücklicherweise erobern immer mehr seltene Pflanzen, wie das Knabenkraut, das Wollgras und die seltene Pflanze Arnika diese seit 1999 unter Schutz stehenden Flächen zurück.

Havarien und fehlende Sicherheitskonzepte

Während des Gesprächs wurden zahlreiche Artikel von Havarien und fehlenden einheitlichen Sicherheitskonzepten im Zusammenhang mit bereits bestehenden Windkraftanlagen durch die Vertreter der Bürgerinitiative vorgelegt. Unter anderem traten gelegentlich Brände an den Turbinenhäusern auf. In einem durch die Bürgerinitiative gezeigten Antwortschreiben des sächsischen Landtags auf eine allgemeine Anfrage eines Abgeordneten wird auf fehlende einheitliche Brandschutzkonzepte an Windkraftanlagen hingewiesen. Im selbigen Dokument bestätigte der ehemalige Innenminister Wöller, dass der Bürgermeister die Verantwortung beim Thema Brandschutz hat und somit mit in der Haftung ist. Der Bericht in der Halterner Zeitung zum Einsturz einer Anlage bei Haltern am See lag ebenfalls vor. Ein weiterer vorliegender Artikel befasste sich mit einem Ölunfall in Schweden durch austretendes Öl aus dem Turbinenhaus im Sommer 2022. Herr Steinert verwies in diesem Zusammenhang auf die Gefährdung des Grundwassers durch mögliches unkontrolliertes Austreten von Öl aus diesen Anlagen.

Gefahr durch Kohlefaser mit Carbon und Epoxidharz

"Ein weiterer Themenschwerpunkt meines Gespräches mit der Bürgerinitiative waren die Gefahren, die von dem Verbundwerkstoff Kohlefaser mit Carbon und Epoxidharz ausgehen können", so Herr Müller weiter. Gemäß seiner Aussage gibt es eine ausführliche Studie der Bundeswehr und ein Dokument einer Umweltministerkonferenz, die über Gefahren und die fehlenden Entsorgungsmöglichkeiten dieser Stoffe als Verbundwerkstoff informieren. Zahlreiche Schreiben der Bürgerinitiative an Entsorger und Behörden wurden von diesen zu diesem Thema gar nicht bzw. nur unzureichend beantwortet, führte Herr Müller fort und appellierte, dass vor Planung und Errichtung derartiger Anlagen eine vollumfängliche Gefahrenbeurteilung aller Gefahren und ein komplettes Entsorgungskonzept vorliegen sollte.

Im Gespräch mit Anwesenden aus Lippersdorf wurde immer wieder eine gewisse Fassungslosigkeit geschildert, wie unter anderem das Landschaftsbild sich verändern würde. Herr Seifert sagte wörtlich und emotional: "Ich kann es nicht verstehen, dass gigantische Mengen Geld zum Erwerb des Weltkulturerbetitels "Montanregion" ausgegeben werden und dann solche riesigen Industrieanlagen in unsere Region und bis in den Wald hinein geplant werden."

Eingriff in die Natur

"Zudem wäre die Belastung insgesamt für den Ort und seine Einwohnerinnen und Einwohner nicht tragbar. Wir möchten, dass Lippersdorf ein Dorf bleibt, in dem man gerne lebt. Auch der Eingriff in die Natur durch solche Baumaßnahmen, über den wir als Bürgerinitiative uns an zahlreichen Baustellen selbst einen Eindruck verschaffen konnten, ist für uns eine irrreparable Veränderung mit nicht vorhersehbaren Folgen für Flora und Fauna auf allen Ebenen", sind sich die Mitglieder der Bürgerinitiative einig. "Wir Bürger im ländlichen Lippersdorf wurden durch eine sanfte Entvölkerung und einen damit verbundenen Verfall des gemeinschaftlichen Lebens in vielen Facetten bereits benachteiligt. Nun sollen wir nochmals einen Verlust an Lebensqualität und eine Wertminderung unserer Grundstücke und Immobilien in Kauf nehmen. Wir lehnen dies hiermit ausdrücklich ab!", erklärte Herr Müller weiter.

Herr Helbig sagte abschließend im Gespräch: "Jeder Entscheidungsträger sollte sich in die Lage der betroffenen Bürger versetzen und deren Sorgen ernst nehmen. Eine Energiewende, die sicher erforderlich ist, auf dem Rücken der ländlichen Bevölkerung auszutragen ist nicht der richtige Weg. Die Belastung zur Trinkwasserversorgung in Verbindung der Lebensmittelproduktion hat die Grenze der Belastbarkeit erreicht!"

Unterschriftensammlung durch die Bürger und Bürgerinnen

Im Rahmen einer Unterschriftensammlung gegen die Errichtung von Windkraftanlagen in der Gemarkung Lippersdorf, die am 27. September zur Stadtratssitzung der Stadt Pockau-Lengefeld offiziell übergeben wurde, sprachen sich die Bürger mehrheitlich gegen die Pläne zum Bau dieser Anlagen aus. Herr Steinert berichtete von einigen besorgten Bürgern, die die Notwendigkeit dieser Anlagen zur Versorgungssicherheit mit Strom als notwendig erachten. "Diese Argumente können wir verstehen, aber ein Konzept ohne ausreichende, effiziente Speichermöglichkeiten in wind- und sonnenarmen Zeiten ist nicht geeignet zur grundlastfähigen Stromerzeugung. Da bestehende Kraftwerke nicht sofort auf Schwankungen reagieren können, ist dies eine zusätzliche Gefährdung für unser Stromnetz." äußerte Herr Müller abschließend.

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