Häusliche Gewalt ist ein Tabu

Selbstverteidigung Frauen lernen sich zu wehren

Aue. 

Häusliche Gewalt ist ein Tabu - darüber sprechen möchte niemand. Wegschauen ist leichter, als helfen. Bei einer ehemals betroffenen Frau, die von weiblichen Familienmitgliedern über Jahre hinweg drangsaliert und psychisch zerbrochen wurde, löst diese Ignoranz Unverständnis aus: Es fehle einfach an Moral und daran, den Mut zu haben, als Nachbar oder Arbeitskollege etwas zu unternehmen. Als ihr Fall, der jetzt drei Jahre zurückliegt, einfach aus Mangel an Beweisen zu den Akten gelegt wurde, war das für die junge Frau, wie ein Schlag ins Gesicht. Die Demütigungen, Erniedrigungen und der Schmerz haben sich eingebrannt. Beim Selbstverteidigungskurs für Frauen, der jetzt in der Sport- und Präventionsstelle in Aue lief, war sie eine von sechs Teilnehmerinnen. Damals habe ihr das Bewusstsein gefehlt: mein Gegenüber hat nicht das Recht, mir Gewalt anzutun und ich habe andersrum das Recht, mich zu verteidigen. Zudem sei es ein gutes Gefühl, zu wissen, dass man sich verteidigen kann, auch als schwache Frau. Doreen Lindel leitet das Frauenhaus des DRK in Auerbach, wo Betroffene Zuflucht finden. Das Einzugsgebiet reicht bis in den Erzgebirgskreis, da es hier kein Frauenhaus gibt. Die Zahl der Frauen, die Schutz suchen, liegt 2012 bis dato bei 25. "Alles, was mit den Frauen besprochen wird, ist freiwillig und es dringt auch nichts nach außen. Es ist unsere Aufgabe die Anonymität zu wahren", sagt Lindel. Was sich die engagierte Sozialpädagogin wünscht ist, dass die Öffentlichkeit mehr Notiz nimmt. Trainerin Ivonne Knabe: "Es ist für uns der erste Kurs mit betroffenen Frauen. Es ist schon krass, was man da erfährt. Besonders, wenn Kinder im Spiel sind." Die Handy-Nummer des Frauenhauses ist 24-Stunden erreichbar: 0173-3720260.