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Harald Linke - ein IFA-Rennfahrer der ersten Stunde - ist verstorben

Rennfahrer Neukirchener machte von sich reden

Neukirchen. 

Neukirchen. Wie jetzt erst bekannt wurde, ist am 8. Januar, kurz nach seinem 91. Geburtstag, Harald Linke nach langer schwerer Krankheit verstorben.

Der Neukirchner war ein IFA-Rennfahrer der ersten Stunde. In der Nachkriegszeit und kurz nach seiner Ausbildung baute sich der Dreher und Schlosser bei der Auto-Union Chemnitz eine 125er DKW-Rennmaschine auf und stieg 1949 damit als ambitionierter Ausweisfahrer ins Geschehen ein. Mit diversen Erfolgen und Siegen machte der knapp 20-Jährige bereits in seiner ersten Saison von sich reden. Bis 1953 war der gebürtige Planitzer bei Zwickau für Motor IFA Karl-Marx-Stadt Achtelliter-Straßenrennfahrer, war gelegentlich aber auch bei Leistungsprüfungsfahrten im Gelände unterwegs. Der enge Kontakt zu den Zschopauern machte sich hier bezahlt, denn im Herbst des Folgejahres wurde Harald Linke als Versuchsfahrer im MZ-Werk eingestellt.

Härtetest des Prototypen einer ES250

Bei der 1. Leistungsprüfungsfahrt am 16. Oktober 1955 "Rund um Zschopau", die die BSG Motor Zschopau veranstaltete, kam dem Neukirchner eine besondere Aufgabe zu. Harald Linke wurde die Ehre zuteil, den Prototypen einer ES250, die als reguläres Straßenmotorrad vorgesehen war, zunächst einem Härtetest im Gelände zu unterziehen. "Der damalige Werkleiter Wolfgang Sibbe veranlasste, die ES geländemäßig zu modifizieren und bestimmte mich als Fahrer. Die Instruktion von Versuchsleiter Hans Sprung indes lautete: `Sieh zu, dass du über die Runden kommst und besiege die AWO`s. Als ich auf einer Waldabfahrt stürzte, stand dort auch Sprung. Und wieder seine Direktive: `Fahr zu und gib Gas - entweder du kommst auf die erste Seite oder aber auf die letzte in der Zeitung`", erinnerte sich der damalige Geländesportler, der letztlich Vierter hinter drei westdeutschen Kontrahenten wurde. "Der westdeutsche Straßenrennfahrer Werner Haas, Motorrad-Weltmeister von 1954 auf NSU, der auch im Gelände erfolgreich war und die Klasse 250 in Zschopau gewann, zeigte sich überrascht, dass wir in Ostdeutschland auch so etwas bauen können. Er war voll des Lobes über die ES250 nach dem Wettkampf. Er hatte mich auch beglückwünscht, das war damals durchaus opportun zwischen Kontrahenten der beiden deutschen Staaten. Damals gab es noch nicht so die politische Auseinandersetzung wie dann später", erinnerte sich Harald Linke, der ab 1958 bis 1990 schließlich Cheffahrer bei der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) war.

 

Gefragter Gesprächspartner auf allen Bühnen

Der Chemnitzer Rolf Uhlig, ehemaliger Vorstand-Sport beim ADAC Sachsen, sagte: "Harald Linke als quasi Motorsport-Inventar gehörte zum harten Kern der Motorsportfreunde Chemnitz." Bis zuletzt war der leidenschaftliche Autofahrer, der wenige Monate vor seinem Tod Ehefrau Ria zu Grabe tragen musste, bei Motorsportveranstaltungen ob auf der Straße oder im Gelände beliebter Ehrengast. Vor allem mit seinem Fachwissen war er auf allen Bühnen ein gefragter Gesprächspartner. Er wird Motorsportlern und Fans sehr fehlen, wenn im Mai, nach hoffentlich überwundener Corona-Pandemie, die Startflagge bei der ADAC Sachsenring Classic, dort wo einst seine Karriere begann, geschwenkt wird.



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