Helios hat wesentlichen Anteil geleistet zur Versorgung von Covid-19-Patienten

Corona Klinikum will schrittweise Rückkehr zum "Normalbetrieb"

Aue. 

Aue. Die schrittweise Rückkehr zum "Normalbetrieb" im Auer Helios Klinikum scheint realistisch beim Blick auf die aktuellen Zahlen hinsichtlich der Covid-19 Verdachtsfälle und der an Covid-19 erkrankten Patienten. Die Betten-Belegung sei an der Stelle rückläufig, sagt Marcel Koch, Geschäftsführer des Helios Klinikums in Aue, der heute auch verkünden konnte, dass es seit vier Werktagen, sprich seit Montag, keine Patienten mehr gegeben hat, die man hätte wegen einer positiven Testung auf Covid-19 stationär aufnehmen müssen.

Das Klinikum hat in den letzten Wochen einen wesentlichen Anteil geleistet, was die Versorgung von Covid-19-Patienten im Erzgebirgskreis angeht. Man hat sehr frühzeitig eine Telefon-Hotline eingerichtet, vom Personal wird seit Ende Februar eine Abstrichstelle betrieben und es ist ein mobiles Einsatzteam etabliert, das Menschen zuhause besucht hat und ebenso eine flächendeckende Testung in Pflegeheimen durchgeführt hat.

Hotspot am Auer Helios Klinikum

Das Helios Klinikum in Aue ist ein Hotspot der stationären Versorgung von Covid-19-Patienten. Man hatte also trotz Herunterfahrens der elektiven, sprich planbaren Eingriffe, alle Hände voll zu tun in den letzten Wochen. In der Spitze hatte man 100 Patienten, bestätigte Fälle und Verdachtsfälle, und hat die Isolierstationen unter Volllast gefahren. Marcel Koch nennt Zahlen:"In den letzten Wochen haben wir in Aue 62 Patienten, die positiv auf Covid-19 getestet worden sind, behandelt."

Davon mussten 22 Patienten beatmen werden und einige sind noch immer an der Beatmung. Die durchschnittliche Verweildauer eines Covid-19-Patienten liegt bei 30 Tagen, was vergleichsweise relativ lange ist. Bisher konnte man 31 Patienten wieder in die Häuslichkeit entlassen. Zehn Erkrankte und 15 Verdachtsfälle gibt es aktuell im Klinikum.Leider hat man bis dato auch 21 Todesfälle zu beklagen. Der jüngste Patient, der verstorben ist, war gerade einmal 59 Jahre alt. In Summe hat das Helios Klinikum in Aue 64 Prozent aller Covid-19-Patienten, sowohl Verdacht als auch bestätigte Fälle, die im Landkreis aufgetreten sind, behandelt und 72 Prozent der intensivpflichtigen Patienten.

Vergleichsweise hat man in den zur Krankenhaus-Gesundheitsholding Erzgebirge gehörenden Häuser in Annaberg, Stollberg und Olbernhau wenige bis gar keine Patienten, ebenso in den Kliniken Erlabrunn. Festgestellt hat man am Helios Klinikum, dass viele Patienten auch aus anderen Regionen des Landkreises nach Aue gebracht worden sind. Verschiedenen Aussagen zufolge hat man bei diesen Patienten in anderen Häusern die Aufnahme abgelehnt. Selbst Patienten aus dem Stollberger Raum sind in Aue behandelt worden, obwohl sie das als Corona-Krankenhaus ausgewiesene KKH Stollberg quasi vor der Haustür haben.

Intensiv-Kapazität ist erhöht worden

Das Helios Klinikum Aue hat in Summe 39 Beatmungsplätze - die 20 Betten, die es schon immer gegeben hat, waren in den letzten Wochen zu 70 bis 80 Prozent ausgelastet. Nicht benötigt hat man bisher die 19 Intensivbetten, die man zusätzlich geschaffen hat. Auch weiterhin wird man Intensiv-kapazitäten für die Versorgung von Covid-19-Patieten freihalten. Wenn man schrittweise zum Normalbetrieb zurückkehrt, gibt es ein Konzept, das erarbeitet worden ist. Dabei hat man die notwenigen Abstandsregeln in den Patientenzimmern berücksichtigt.

Und es gibt ein Farb-Code-System womit man die verschiedenen Bereiche ausweist. Man gewährleistet durch die Maßnahmen, dass alle Patienten sicher durch die Klinik geleitet werden können. Das generelle Tragen von Mund-Nasen-Schutz aller sorgt für zusätzliche Sicherheit. Die Mundschutz-Maßnahme habe sich bereits in den letzten Wochen sehr gut bewährt, sagt Klinik-Geschäftsführer Marcel Koch. Künftig gibt es für alle Patienten vor einer stationären Behandlung ein Screening und man führt ein Termin-System ein, um unnötige Kontakte mit anderen Patienten zu vermeiden, das gilt gerade auch im MVZ-Bereich.

Patienten sind im Notfall zögerlich

Zurückhaltung bei akuten Beschwerden könne lebensbedrohlich sein, sagt Dr. med. Thomas Ketteler (li.), Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I am Helios Klinikum Aue. Er hat die Erfahrung gemacht, dass Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall viel zu spät ins Klinikum kommen. Die Gefahr, an der Stelle gesundheitlichen Schaden zu erleiden sei größer als die Gefahr, sich mit Covid-19 zu infizieren, so der Mediziner. Ketteler appelliert an die Patienten, sich rechtzeitig, bei ersten Anzeichen, in medizinische Betreuung zu begeben.