Historische Bratl´n: Auf den Skiern zu den Patienten

Historisch Rübenauerin rettet Skier von 1890

Foto: Thomas Fritzsch/PhotoERZ

Die Winter vor 130 Jahren waren insbesondere im Erzgebirge sehr streng. Die Menschen in dieser Gegend hatten damit kaum Möglichkeiten, sich in den Wintermonaten fortzubewegen. Bis dann um 1890 ein Landarzt, Dr. Eduard Julius Otto von Dieskau, sich von norwegischen Studenten inspirieren ließ, und sich "Bratl´n", wie sie in der Bevölkerung genannt wurden, zulegte, um seine Patienten in den abgelegenen Häusern zu erreichen.

Diese Schneeschuhe existieren heute noch. Lisa Reichl (Foto) bewahrt sie auf. "Ich glaube, es war 1999, als mir Elfriede Hänel die Skier vermachte. Sie gehörten Dr. Dieskau. Der Landarzt hatte die Schneeschuhe irgendwann Elfriedes Vater Arno Engelhardt, der 1892 geboren wurde, im Alter von rund 12 Jahren geschenkt. Sie befürchtete, die Skier könnten als Feuerholz im Ofen landen. Und da beim Oberwiesenthaler Museum auch kein Interesse bestand, beschloss sie, dass diese bei mir an besten aufgehoben wären."

Der Wintersport, wie wir ihn heute kennen, existiert erst seit den 1890ern

Lisa Reichl aus Rübenau ist stolz, die historischen Bretter des Landarztes in ihrem Besitz zu haben. "Damals hatte der Doktor einem kleinen Jungen im Ort, Arno Engelhardt, diese geschenkt. Da sie ein Museum nicht wollte, hat mir Arnos Tochter Elfriede diese vermacht."

Einer, der über das Leben des Landarztes über ein Jahrzehnt recherchierte, ist der Hobby-Heimatforscher Romeo Bräuer aus Kühnhaide. "Beim Durchwandern der winterlichen Loipen im Erzgebirge sollte uns bewusst sein, dass der Wintersport, so wie wir ihn heute kennen, erst um 1890 in unsere Gegend kam.

Es ist wohl auch der Philosophie unseres Turnvaters Jahn und seiner in Deutschland einsetzenden "Gut Heil-Bewegung" zu verdanken, dass die Bekennung zu einer gesunden Lebensweise und die damit verbundene körperliche Belastung auch in den entlegensten Dörfern unseres Erzgebirges ankam.

Anfangs wurden die "Bratlrutscher" belächelt

Begünstigt durch den Bau der Bahnstrecke Chemnitz-Komotau über Annaberg im Jahr 1866 und über Marienberg/Reitzenhain 1875 waren es in der Hauptsache norwegische Studenten der Bergakademie Freiberg und der TH Dresden, die in den Wintermonaten unsere Gegend zum Skilaufen nutzten. Anfangs als Exoten belächelt, sie wurden im Volksmund als "Bratlrutscher" bezeichnet, kam schnell besonders bei den jugendlichen Kammbewohnern große Bewunderung über das schnelle Fortbewegungsmittel im Schnee auf."

Einer der ersten Nutzer dieser neuen sportlichen Fortbewegungsmöglichkeit war der in Rübenau praktizierende Landarzt Dr. Eduard Julius Otto von Dieskau, der unweit von Dresden in Schönfeld am 28. Juli 1865 geboren wurde. Nach dem Studium in Jena und Leipzig kam er schließlich als junger Arzt ins oft tief verschneide Rübenau. Schnell fand sich der Arzt mit einem Lehrer namens Franz Irzinger aus dem Grenzdorf Kallich zusammen. Wie es mit den beiden weiter geht, lesen sie in der nächsten Ausgabe.