In Schneeberg gibt es seit fünf Wochen täglich das Turmblasen

Turmblasen Für Steffen Schlesinger ist der Gang hinauf wie ein Gebet

Schneeberg. 

Schneeberg. Es sind jetzt fünf Wochen, dass sich Steffen Schlesinger vom Posaunenchor der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde St. Wolfgang nahezu täglich auf den Weg macht, um pünktlich nach dem 18-Uhr-Läuten auf der Plattform des 72 Meter hohen Turm der St. Wolfgangkirche zu stehen und dort das Abendlied und weitere Choräle zu spielen. Der Gang führt über 257 Stufen auf 64 Meter Höhe, wo sich die Plattform befindet. Letzten Sonntag war es für den 56-jährigen ein besonderes Gefühl in luftiger Höhe zu stehen, denn es jährte sich die Zerstörung der St. Wolfgangkirche zum 75. Mal. Es war 1945 als die St. Wolfgangkirche durch amerikanische Tiefflieger beschossen, in Brand geraten und fast vollständig zerstört worden ist. Steffen Schlesinger sagt: "Für mich persönlich ist es immer ein bewegender Augenblick an diesem Tag 13 Uhr, in die Andacht zu gehen.

 

Das hat leider dieses Jahr nicht stattfinden können." Der Weg nach oben sei wie ein Gebet: "Das wir zurzeit keinen Gottesdienst haben und keine Gemeindeveranstaltungen ist ein Verlust. Anstatt dessen ist ein Gang hinauf auf den Kirchturm, um das Abendgebet und Choräle zu spielen, für mich ein sehr würdiger Anlass." Und so wird Steffen Schlesinger, der zudem im Kirchenchor und bei den Schneeberger Heimatsängern aktiv ist, auch heute wieder sein Instrument nehmen und auf den Turm steigen. Wie es zum täglichen Turmblasen kam? Übers Internet ist Steffen Schlesinger aufmerksam geworden: "Und zwar über die Seite der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), wo es einen Aufruf von Margot Käßmann gegeben hat. Von ihr kam der Vorschlag, dass jeden Abend von den Balkonen in Deutschland das Abendlied "Der Mond ist aufgegangen" gesungen oder gespielt als Abendgebet dargebracht werden könnte." Der Schneeberger hat an dem Abend für sich überlegt und meint mit Blick auf die Wolfgangkirche: "Schneeberg hat doch den schönsten Balkon, den es geben kann." Als Friedhofsverwalter und stellvertretender Küster hat er den Schlüssel für das Gotteshaus. "Gleich am Abend des 19. März bin ich auf den Kirchturm gegangen und habe gespielt. Am nächsten Tag habe ich dann mit Pfarrer Frank Meinel gesprochen und auch mit Kantor Alexander Ploß. Beide fanden es gut und seitdem wird jeden Abend gespielt." Der gesamte Posaunenchor steht hinter der Aktion, sodass man sich auch abwechseln kann.