Industrie und Handwerk ringen um Bewerber

BERUFSLEBEN Beste Karrierechancen in diesen Bereichen

industrie-und-handwerk-ringen-um-bewerber
Foto: Rico Hinkel

Erzgebirge. CDU-Landtagsabgeordneter Alexander Krauß wirbt für eine höhere Wertschätzung der Oberschule und der dualen Berufsausbildung. "An den Oberschulen wird die Praxiselite ausgebildet - junge Menschen, die unsere Handwerksbetriebe und Industrieunternehmen händeringend suchen", sagte Krauß, der auch arbeitsmarktpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion ist. Die Kluft zwischen Bewerbern um einen Ausbildungsplatz und der Zahl der freien Ausbildungsstellen werde in diesem Jahr größer. Auf 1387 gemeldeten Bewerbern kämen im Erzgebirgskreis 1583 Berufsausbildungsstellen.

"Faktisch bewerben sich nicht mehr die Jugendlichen um eine Ausbildung, sondern die Unternehmen bewerben sich bei den Schulabgängern", so der CDU-Politiker. Die veränderte Situation zeige sich auch bei den Lehrlingsentgelten, die in vielen Betrieben deutlich gestiegen seien. Krauß warnte vor einem Akademisierungswahn: "Zu glauben, dass man allein mit Abitur und Hochschulabschluss etwas werden kann, ist falsch." Industrie und Handwerk böten beste Karrierechancen. Die Jugendarbeitslosigkeit sei in Deutschland die niedrigste in Europa, weil es die duale Ausbildung gebe. Die Gefahr, nach einem Studium arbeitslos zu werden, sei deutlich höher als nach einer Ausbildung.

Ausgeglichene Gymnasial-Oberschulen-Quote im Erzgebirgskreis

Unternehmen, die jungen Menschen eine Entwicklungsperspektive über mehrere Jahre aufzeigen, seien eindeutig im Vorteil. 57 Prozent der Grundschulabgänger im Erzgebirgskreis erhielten in diesem Jahr die Bildungsempfehlung für die Oberschule. Im sächsischen Vergleich bedeutet das eine gute Quote, weil dies der Regelfall sein sollte. Das Abitur könne im Übrigen auch nach der mittleren Reife abgelegt werden - zum Beispiel an einem Beruflichen Gymnasium.

Die Zahl der Ausbildungsabbrecher sinke im Erzgebirgskreis. Das sei im Interesse der Auszubildenden und der Betriebe, so Krauß. Allerdings werde dennoch jedes 5. Ausbildungsverhältnis vorzeitig gelöst. In den Branchen sei die Abbrecherquote sehr unterschiedlich. 2015 lag sie im Handwerk bei 25,9 Prozent und im Öffentlichen Dienst bei nur 3,2 Prozent.