Ist diese Tradition noch zeitgemäß?

Bergglocke Diskussion um das 5-Uhr-Läuten entfacht

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In Schneeberg ist öffentlich über das 5-Uhr-Läuten diskutiert worden - am Mikrofon der Schneeberger Karsten Binkau. Foto: R. Wendland

Schneeberg. Die Bergglocke ganz oben im Turm der St. Wolfgangkirche in Schneeberg spielt eine besondere Rolle, was Kulturerbe und Tradition angeht. Lautstark erinnert die Glocke jeden Morgen daran, dass Bergleute früher um diese Zeit ins Bergwerk eingefahren sind und das nicht erst seit gestern, sondern seit 500 Jahren.

Die Bergglocke gehört zu Schneeberg

Das ist Tradition in der Bergstadt und gehört einfach dazu - dieser Auffassung ist ein Großteil der Leute, die jetzt ihre Meinung bei einer öffentlichen Diskussion im Kulturzentrum "Goldne Sonne" geäußert haben. Wegen einiger Eingaben und Beschwerden, in Summe 17 an der Zahl in den letzten Jahren, soll diese Tradition nicht sterben, so die Mehrheit. Monika Ficker sagt: "Das 5-Uhr-Läuten ist ein Stück Heimat und gehört einfach zu Schneeberg."

Glocke ist zu laut

Aus dem Publikum kam auch die Aussage, es seien Generationen von Kindern auf dem Kirchplatz groß geworden, ohne Schaden zu nehmen. Damit wurde Bezug genommen auf die letzte Eingabe einer jungen Frau, deren Kind jeden Morgen durch die Glocke aus dem Schlaf erwacht. Tatsächlich ist das "Glöckchen", das von unten auf den ersten Blick harmlos wirkt, lauter als erlaubt. Die 70 Dezibel sind laut Lärmschutzrichtlinie trotz Toleranz etwa 10 Dezibel zu viel zu dieser Zeit.

Mögliche Lösungsansätze

Schneebergs Bürgermeister Ingo Seifert sagt: "Es gibt aus der Diskussion heraus Lösungsansätze." Man könne mit dem Glockensachverständigen sprechen, ob man etwas verändern kann, damit die Glocke nicht mehr die volle Lautstärke entfaltet. Auch ist aus der Bevölkerung die Anregung gekommen, ob man die Bergglocke nicht nur zu besonderen Anlässen, wie beispielsweise dem Bergstreittag läuten könne. Das haben Ingo Seifert und Pfarrer Frank Meinel mitgenommen und wollen es prüfen.

Karsten Binkau wohnt seit dem Jahr 2000 mit direktem Blick auf St. Wolfgang. Er ist mit einem Augenzwinkern ans Mikrofon getreten und meinte: "Wenn man das Glockenläuten abschafft, dann gehören auch die Bäume in den Wald und die Hühner aufs Dorf und nicht in die Stadt."