Jüngste Geschichte nicht vergessen

Künstlerleben Holzbildhauer Jörg Beier bereitet eine neue autobiografische Sonderausstellung vor

Schwarzenberg. 

Engel sind das Markenzeichen von Holzbildhauer Jörg Beier. Die Himmelsfiguren haben es ihm seit Jahren angetan. Immer wieder hat er riesige Skulpturen mit Flügeln geschaffen. Nun aber arbeitet der Schwarzenberger Künstler und Kneiper an einer autobiografischen Sonderschau und dafür wird er dem Holz ein bisschen untreu. Vielmehr hat er in alten Dokumenten gekramt und Unterlagen herausgesucht, die er auf einzelnen Wandtafeln zusammenführt. Der 66-jährige Beier hat ein bewegtes Leben, wurde 1969/1970 wegen "staatsfeindlicher Hetze" inhaftiert. Daher ist der zentrale Blickfang der neuen Wanderausstellung eine Gefängniszelle. "Die Zelle soll den Mittelpunkt der Schau bilden. Ich plane eine Toncollage dazu", sagt der Künstler, dem es wichtig ist, dass die jüngste Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Mit Fotos will er berühren und auch Schüler erreichen. Allerdings drängt ein bisschen die Zeit, denn bis Ende des Jahres muss das Projekt abgeschlossen sein. Daher ist er zurzeit fast täglich in seiner Werkstatt auf dem Ottenstein.

In dieser herrscht das künstlerische Chaos. "Das brauche ich", sagt Beier und fügt lachend hinzu: "Zugespitzt gesagt, verbringe ich zwei Drittel meiner Zeit mit Suchen", Kein Wunder, denn der Schwarzenberger ist ein Sammler. "Ich habe ein großes geschichtliches Interesse." Sein Geld verdient er allerdings in seiner Kneipe in der oberen Schlossstraße. Oft wird bis in die Nacht hinein diskutiert. "Von Kunst kann hierzulande kaum einer leben", ist sich der 66-Jährige sicher, der für Pro Schwarzenberg im Stadtrat sitzt. Manchmal ist ihm aber die Perle des Erzgebirges etwas zu klein. Dann muss er raus in die Großstadt oder hinauf auf einen Berg. "Das weitet den eigenen Horizont", sagt der Künstler, der an Ruhestand keinen Gedanken verschwendet. "Wichtig ist, dass man gesund bleibt."