Es war jede Menge los am Kirmeswochenende in Geyer. Auf den Terrassen am historischen Lotterhof nutzten viele Bürger der Stadt und mindestens ebenso viele Gäste die Angebote der Schausteller, Händler und Musiker. Ein herbstbuntes Bühnen- und Familienprogramm verwöhnte die Festbesucher am 13. und 14. September. An beiden Tagen gab es Führungen im Lotterhof und auch das Turmmuseum hatte länger geöffnet.
Bunter Kulturmix für jeden Geschmack
Zu den Hits am Samstag zählten die Tanzshow mit den „Infinitys“ des TSV Geyer, Blasmusik mit den „Fidelen Jungs“, das Turmblasen mit dem Posaunenchor der Kirchgemeinde und abends der große Tanz-Schwof mit der „Galaxis-Band“.
Der Kirchweihsonntag begann mit dem Gottesdienst in St. Laurentius. Nachmittags gab es einen bunten Musikmix und Hutzen-Country sowie eine Zauber-Show. Fürs leibliche Wohl sorgten der Förderverein Kulturmeile Geyer-Tannenberg sowie der TSV Geyer, weitere Vereine und Händler.
Führungen in der Binge und im Lotterhof
Zahlreiche Kirmesgäste nahmen an Führungen im historischen Bergbaugelände der Binge teil, die 1803 eingestürzt war. Am Samstag und zum (Sonn-)Tag des offenen Denkmals luden der Lotterhof und das Turmmuseum zum Entdecken historischer Schätze ein. Der Lotterhof ist ein einzigartiges Zeugnis der Renaissancearchitektur im Erzgebirge. Das 1566 von Hieronymus Lotter (1497 bis 1580) errichtete Herrenhaus steht seit 1936 unter Denkmalschutz und wurde in jüngster Vergangenheit step by step bemerkenswert restauriert.
Turmmuseum lohnt auch nach der Kirmes den Besuch
Im daneben liegende Turmmuseum ist eine Menge zu den Anfängen der Besiedlung, dem Bau des Wehr- und späteren Wachtturms, zum hiesigen Bergbau und zur Geyerschen Industrie- und Kulturgeschichte zu erfahren. Lutz Röckert, der das 1952 in der früheren Türmerwohnung eingerichtete Stadt- und Heimatmuseum leitet, erzählt vom ersten „Berggeschrey“ im späten 14. Jahrhundert: „Der Wachturm war Teil einer Wehranlage, die den Bergbau in wilden Zeiten erst sicher und möglich machte. So konnte die Siedlung schnell wachsen, die ursprünglich hölzerne St. Laurentiuskirche wurde in Stein erbaut. Der Zinnbergbau locke viele Menschen an und 1467 wurde schließlich die Bergstadt Geyer gegründet.“ Genau zu jener Zeit wurde auch der Wehr- um einen Wachtturm auf nun 42 Meter Gesamthöhe aufgestockt, so, wie er sich heute als Wahrzeichen von Geyer präsentiert.
Alle Geyer-Facetten in einem Turm
Mit dem Niedergang des Bergbaus entwickelten sich Handwerk und Industrie, vornweg das Strumpf- und Posamentiergewerbe. Darüber informiert das vielseitige Museum ebenso wie zur Schmalspurbahn und zu einer der ältesten Glocken des Obererzgebirges, zum rührigen Skisportverein der Eric-Frenzel-Stadt, über das Kleinod Lotterhof oder den Waliser Textilpionier Evan Evans, der in Siebenhöfen eine der frühesten Baumwollspinnereien Sachsens bauen ließ. Themen im „Turm“ sind der DDR-Großbetrieb OPEW ebenso wie die einzigartige „3-D-Schnitzkunst“ von Alfred Hirth oder präparierte Netzpython-Schlangen, die der Lehrer Emil Günther aus den Deutschen Afrika-Kolonien mitbrachte, um sie staunenden Kindern in der Volksschule zu zeigen. Staunen weckt auch Lutz Röckert, wenn er vom harten Leben der Geyerschen Türmer berichtet, die sich erst 1908 über Leitungswasser freuten und zuvor alles und jedes mit dem Lastenseilzug nach oben hieven mussten. Selber kraxelten die Türmerfamilien jahrhundertelang über Leitern in ihre Stuben.
Neugierig geworden?
Das Geyersche Turmmuseum begrüßt Gäste dienstags bis freitags von 10 bis 15 Uhr sowie samstags 10 bis 16 Uhr. Im Advent, zu Ostern oder wie jetzt zur Kirmes gibt es erweiterte Öffnungszeiten.
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