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Jubiläum im Erzgebirge: Pilzberater feiert 75. Geburtstag

Natur Frank Demmler kennt sich mit den Früchten des Waldes aus

Erzgebirge. 

Erzgebirge. Pilze sind Meister der Tarnung und Künstler im Versteckspiel - das sagt jemand, der sich mit den Früchten des Waldes bestens auskennt: Frank Demmler, der jetzt seit 40 Jahren Pilzsachverständiger ist und heute seinen 75. Geburtstag feiert. Grund genug, einmal nachzufragen, wie er selbst auf den Pilz gekommen und schließlich Pilzberater geworden ist. In Erlabrunn am 21. Oktober 1945 geboren und in Breitenbrunn aufgewachsen, ist Frank Demmler schon im Vorschulalter mit Pilzen in Kontakt gekommen: "Mein Vater war ein leidenschaftlicher Pilzgänger und hat mich oft zum Pilze-Sammeln mitgenommen. Das hat bei mir das Interesse geweckt und mit der Zeit steigert sich das Wissen."

Pilze-Sammeln mit Verantwortung

Das Sammeln von Briefmarken, speziell von Marken mit Pilzmotiven kam später noch hinzu. Heute hat Frank Demmler, der 1982 die Pilzberaterprüfung abgelegt hat und seit 1990 Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Mykologie ist, gut 400 Arten im Kopf, die er bestimmen kann, ohne ein Fachbuch oder Mikroskop. Im mitteleuropäischen Raum geht man von rund 6.000 Pilzarten aus, wie Demmler erklärt. Weiterbildungen, Exkursionen und der Austausch mit anderen gehören mit dazu und sind Voraussetzung für seine verantwortungsvolle Tätigkeit. "Pilze gibt es das ganze Jahr, doch die Hauptzeit liegt zwischen Juli und September", sagt Demmler und schmunzelt: "Wenn ich in die Pilze gehe, bringe ich immer eine Mahlzeit mit nach Hause."

Engagement für die Region

In seiner langjährigen Tätigkeit als Pilzberater hat Frank Demmler ab 1982 bis heute 4.420 Personen beraten und hat dabei 7.345 Pilzarten bestimmt. Pilzausstellungen allein und mit anderen Beratern waren es in Summe 110. Hinzu kommen 15 Wanderungen, die Frank Demmler geleitet hat und 82 Pilzvorträge mit Frischpilzen beziehungsweise Dias. Bei Vergiftungsfällen ist der Pilzsachverständige aus Lauter bis dato 23 Mal in verschiedenen Kliniken zu Rate gezogen worden, stellenweise auch nachts. Einen Schaukasten, den Frank Demmler von Mai bis Oktober mit viel Aufwand mit Frischpilzen bestückt hat, gab es von 1982 bis 1992 in Johanngeorgenstadt und von 1993 bis zu seiner Zerstörung 2004 in Lauter. Die Stadt sei damals nicht bereit gewesen, die Reparatur zu übernehmen und so hat sich Frank Demmler entschieden, die Kästen zu entfernen. Für seine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit als Pilzsachverständiger ist Frank Demmler 2004 mit dem "Joker im Ehrenamt" durch das Sächsische Kultusministerium ausgezeichnet worden und 2013 war er für den Bürgerpreis Erzgebirge vorgeschlagen und 2018 zur Preisverleihung nominiert.

Beitrag zum Verbreitungsatlas der Pilze Sachsen

Frank Demmler leistet seit Jahren Zuarbeit, was die Erstellung des "Verbreitungsatlas der Pilze Sachsen" angeht. Drei Bände entstehen - die ersten beiden sollen Jahresende erscheinen. Wie Demmler erzählt, hat er während dieser Zeit viele seltene Pilzarten entdeckt, die als Erstfunde für Sachsen dokumentiert worden sind. Oftmals sind es auch Pilzsammler, die Frank Demmler anrufen bei besonderen Funden. Wie erst vor Kurzem, als in einem Garten in Wildenthal ein seltener Pilz entdeckt worden ist. Wie der Experte sagt, handelt es sich bei diesem Fund um einen Kornblumen-Röhrling (Gyroporus cyanescens). Dieser seltene Pilz wächst nach der Literatur bei Laub- und Nadelbäumen, etwa von Juni bis November, sagt Demmler. Sein weißes Fleisch verfärbt sich beim Anschneiden bis Kobalt-Blau, daher auch der Name Kornblumen-Röhrling. Der Pilz sei essbar, aber wegen seiner Seltenheit sollte man auf den Verzehr verzichten. Frank Demmler selbst hat diese Pilzart während seiner langjährigen Tätigkeit als Pilzberater letztmalig vor zirka 20 Jahren selbst gefunden.

In den Medien präsent

Der Rat von Frank Demmler ist nicht nur bei Pilzfreuden gefragt. So hat es viele Fernseh- und Rundfunkbeiträge und Zeitungsartikel zum Thema Pilze gegeben. Demmler war 2001 Gastredner bei MDR1 Radio Sachsen beim "Expertenrat" und 2013 hat er bei diesem Format Fragen der Hörer beantwortet. "Im Jahr 2000 war ich eingeladen in der MDR-Sendung "Unter uns" und 2008 war ich bei den Dreharbeiten zur MDR-Sendung "Su klingt's bei uns im Arzgebirg" in Sosa dabei und das immer zum Thema Pilze", erzählt Demmler, der schon auf kommendes Jahr gespannt ist, denn ihm liegt eine Anfrage für die Sendung "Unterwegs in Sachsen" mit Beate Werner vor, die ihn persönlich angerufen hat.