Junger Drehbacher in Paris Augenzeuge

Anschläge "Es herrschen Chaos und Angst"

Eigentlich hatte sich Paul Haustein so auf sein Leben in Saint-Valerien gefreut. In der französischen Partnergemeinde seines Heimatortes Drehbach will der 19-Jährige mindestens ein Jahr lang Erfahrungen sammeln, arbeiten und Fußball spielen. Seit seiner Ankunft Ende September hat der Erzgebirger auch schon Freundschaften geschlossen, doch seit den Terroranschlägen in Paris ist der Alltag von negativen Gefühlen geprägt.

Von Reisen in die Pariser Innenstadt, die nur knapp 90 Kilometer entfernt ist, habe man ihm schon vorher abgeraten. "Viele Leute sind Pendler, sie fahren nur für die Arbeit hin", erklärt Paul Haustein. Ihm wurde die Hauptstadt Frankreichs oft als dreckig und kriminell beschrieben. Abseits der Sehenswürdigkeiten gebe es ganz andere Viertel. Vor allem nachts sei es dort gefährlich.

Doch was am 13. November in Paris geschah, übertraf selbst die schlimmsten Vorstellungen. "Es herrschen Chaos und Angst", beschreibt der Drebacher die seither herrschende Atmosphäre: "Es gibt viele Kontrollen an den Autobahnen. Und sobald es irgendwo mal einen Knall gibt, wird gleich ein Alarm ausgelöst." Schon in der Nacht des Anschlags änderte sich alles: "Zum ersten Mal wurde die Haustür zugeschlossen." Tags darauf blieb der sonst so prall gefüllte Markt leer. "Alle saßen vor dem Fernseher, um auf dem Laufenden zu bleiben." An eine Rückkehr in den normalen Alltag ist noch nicht zu denken. Und doch will der 19-Jährige das französische Leben so kennenlernen, wie es eigentlich ist. Zum Teil ist ihm das schon gelungen. So hat er sich mit den Speisegewohnheiten schon bestens vertraut gemacht: "Das Essen ist besser als in Deutschland. Immer gibt es Baguette dazu und selbst abends werden immer drei Gänge serviert - mit Käse zum Abschluss."



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