"Karneval ist auch ein bisschen wie Kabarett"

Umfrage Anspielungen, kleine Gemeinheiten... Wie weit dürfen Jecken im Fasching gehen?

Peter Thormann ist Oberrat des Vereins "Fosend im Gebirg". Seit 1995 unterstützt er das närrische Volk aus Johanngeorgenstadt: "Es ist natürlich viel einfacher, die große Politik in die Mangel zu nehmen. Bei den lokalen Geschichten muss man viel mehr aufpassen. In den 1990er Jahren waren uns auch schon ´mal einige Leute böse, da gab es richtig Ärger. Daher arbeiten wir jetzt gerne mit Pseudonym. Unsere Büttenredner und Sketcheschreiber haben aber viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen."

Jan Breitfeld war 2009 Faschingsprinz beim ACK. Seither bleibt er den Antonsthaler Narren treu: "Zu Fasching sollte man auf jeden Fall ein bisschen Spaß haben. Etwas Freizügigkeit, ein paar sexuelle Anspielungen - das gehört einfach dazu. Allerdings muss man aufpassen, dass man es nicht übertreibt und vielleicht eine Beziehung in Gefahr bringt. Politische Themen gehören auch dazu, das erwarten die Gäste. Auf politischer Ebene wird ja selbst in den Medien kaum Rücksicht genommen."

Oliver Wogenstein ist der Chef des Beierfelder Elferrats und trat damit in die Fußstapfen von Michael Nagler:

"Wir haben klare Linien: Alles was menschenverachtend ist und auch pornografische Inhalte sind völlig tabu. Kritische Sichtweisen auf aktuelle Ereignisse hingegen sind erwünscht, in einem guten Programm werden sie witzig verpackt. Politiker müssen das aushalten. Ich habe auch schon einmal einen Programmpunkt nach der Probe ändern lassen, weil ich ihn einfach zu heftig fand."

Heinrich Kohl - Oberbürgermeister von Aue geht selbst gern zum Fasching. Mehrfach feierte er in Beierfeld mit: "Es ist wie beim Plagiat, wer es geschafft in einen Fastnachtzug als Objekt zu kommen, der ist eine Persönlichkeit, der hat es geschafft. Im Karneval darf Persiflage sein, das ist ein bisschen wie beim Kabarett. Es ist auch Protest, die Verantwortungsträger sollen auf Missstände aufmerksam gemacht werden. Manchmal ist heutzutage allerdings Politik Realsatire." klw