Keine Volksfeste: Schausteller leiden extrem unter Beschränkungen

Corona Unternehmer vermissen Hilfe und müssen teilweise sogar den Beruf wechseln

Kühnhaide. 

Kühnhaide. Am liebsten wäre Maria Pilz jetzt in Marienberg und würde gemeinsam mit ihrem Mann Frank die Vorbereitungen für das dortige Marktfest treffen. Schließlich ist die 57-Jährige aus Kühnhaide leidenschaftliche Schaustellerin - und die Feierlichkeiten in Marienberg sind für sie ein echtes Heimspiel. Vom 16. bis 24. März wollte sie dort vor allem der jüngeren Generation mit ihrem Softeis und ihrem Kinderkarussell große Freude bescheren. Genau wie ihr Sohn Georg Pilz, dem sie vor zwölf Jahren das große "Breakdance"-Fahrgeschäft überlassen hat. Doch die riesige Drehscheibe, auf der sich kleine Autos noch zusätzlich um die eigene Achse drehen, lockt diesmal keine Kinder an. Stattdessen schlummert es in einer großen Lagerhalle vor sich hin.

 

Sonst an 200 Tagen unterwegs

 

Bis auf die üblichen Reinigungs- und Reparaturarbeiten wurde die Technik seit Monaten nicht mehr angefasst. Die Weihnachtsmärkte im Dezember waren die letzten Veranstaltungen, an denen sich die Schausteller erfreuen konnten. Gerade als sie in die neue Hauptsaison starten wollten, brachte der Corona-Virus ihr berufliches Leben zum Erliegen. "Wir sind zum Nichtstun gezwungen. Ich komme mir vor, wie ein Vogel in seinem Käfig", sagt Maria Pilz. Ihr blutet besonders das Herz, denn die Schaustellerei ist für sie mehr als nur ein Beruf: "Ich wurde da als Kind hineingeboren und habe Persönliches immer hinten angestellt." Eigentlich rollt das Fahrgeschäft ihrer Familie von Mitte März bis Ende Oktober auf 160 Rädern durch ganz Sachsen. Bei rund 25 Volksfesten kommen 150 bis 200 Spieltage zusammen, doch diese Großveranstaltungen sind allesamt abgesagt.

 

Zuschüsse ohne große Wirkung

 

Irgendwie kommen sich Maria Pilz und ihre Kollegen vergessen vor. Nicht nur, weil es nichts zu tun gibt. Sondern weil auch die Unterstützung vom Staat fehle. Zwar gab es jeweils einen Zuschuss von 9000 Euro, doch der hilft den Betroffenen nicht wirklich weiter. Gedacht ist das Geld für Betriebskosten, und die fallen ohne Volksfeste kaum an. Da die Kühnhaiderin selbst schon lange im Geschäft ist und große Investitionen lange her sind, geht es ihr trotz des ständigen Zuhauseseins noch vergleichsweise gut. Sie beklagt sich nicht einmal, dass sie jetzt von Hartz IV leben muss. Sorgen macht sich die 57-Jährige jedoch um jüngere Kollegen, die noch Kredite abzahlen müssen und dafür nun zeitweise den Beruf wechseln. Laster zu fahren oder Regale einzuräumen, soll aber für alle nur eine Übergangslösung sein. Denn die Hoffnung, dass Schausteller bald wieder gebraucht werden, lebt. Vielleicht ist es ja schon dieses Jahr wieder soweit, denn Großveranstaltungen sind vorerst nur bis Ende August verboten.