Kommentar zu Erzgebirge Aue: Paukenschlag? Eher ein schriller Flötenton

BLICK.de Reporterin Katja Lippmann-Wagner kommentiert die Situation beim FC Erzgebirge Aue

Aue

Was wäre passiert, wenn der FC Erzgebirge Aue vor etwas mehr als einem Jahr die Bälle flach gehalten hätte? Wenn er nicht ganz ohne Not vor der Winterpause 2024/25 eine Trainerentscheidung für den Sommer verkündet hätte, die den damals amtierenden Cheftrainer in seiner Position geschwächt hat? Was wäre geschehen, wenn Pavel Dotchev einfach weitergearbeitet hätte - mit allen Höhen und Tiefen, die der Fußball in dieser Etatebene mit sich bringt? Wo stünde der FC Erzgebirge Aue heute?

Einige Entscheidungen

Es ist müßig, diese Fragen zu beantworten. Aber eine Frage muss an dieser Stelle erlaubt sein: Wer hat diese Entscheidungen zu verantworten? Richtig: Der Sportgeschäftsführer. Matthias Heidrich wäre auch jetzt bereit gewesen, so wird gemunkelt, Cheftrainer Jens Härtel angesichts der sportlichen Talfahrt über die Klinge springen zu lassen. Doch der Vereinsvorstand hat anders entschieden. Cheftrainer Jens Härtel bleibt. Jörg Emmerich geht - zumindest als Co-Trainer. Ihm wird eine andere Position im Verein angeboten. Matthias Heidrich, so heißt es offiziell, trage diese mehrheitliche Gremienentscheidung nicht mit. Das Vertrauensverhältnis ist damit endgültig zerrüttet. Die Konsequenz ist klar: Heidrich wird das Lößnitztal verlassen. Über die genauen Modalitäten seines Ausscheidens wird noch gesprochen.

Fans sprechen von einem Paukenschlag

Einige Fans sprechen von einem Paukenschlag. Ich nehme das eher als schrillen Flötenton wahr. Trotzdem bin ich erleichtert, denn endlich passiert etwas. Endlich wird die Fahrt nicht stupide ohne Navigationsgerät fortgesetzt. Die Gefahr, in der sich der Verein befindet, ist damit aber keinesfalls abgewendet. Es ist keine Vollbremsung, die Drifter auf dem Fichtelberg hinlegen und in Kauf nehmen, dass ihr Auto hinten ausbricht und sich vielleicht sogar um 180 Grad dreht. Es ist die vernünftige Geschwindigkeitsreduzierung, das Abbremsen eines Fahrzeuges, das sich in der falschen Richtung in einer Einbahnstraße befindet. Ein Wendemanöver hat es noch gar nicht gegeben. Das Auto steht erstmal. Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob Jens Härtel in der Lage ist, das Fahrzeug rückwärts aus dieser Einbahnstraße zu steuern und ob Co-Trainer Lars Fuchs ihm dabei ein guter Lotse ist.

 

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