Kumpelverein ehrt „Mr. Veilchenecho“

Bernd Friedrich engagiert sich seit gut fünf Jahrzehnten fürs Stadionmagazin des FC Erzgebirge Aue

Aue

Danke ans Ehrenamt – bei dieser Aktion werden im deutschen Fußball jedes Jahr Menschen öffentlich geehrt, die sich in der Freizeit in herausragender Weise in ihren Vereinen engagieren. In Aue wird mit Bernd Friedrich zum Drittliga-Heimspiel am 7. Dezember ein Sportfreund ausgezeichnet, der seit einem halben Jahrhundert die Stadionhefte „Veilchenecho“ mitgestaltet. An dem Sonntagabend (Anstoß 19.30 Uhr) empfängt die Kumpel-Elf den FC Ingolstadt 04 im eins-Erzgebirgsstadion.

Seit 1974 Teil des Teams

Im August 1974 begann der Erzgebirger mit dieser Freizeitarbeit und bis heute ist der 77-Jährige aus dem Team der Veilchenecho-Macher nicht wegzudenken. Bernd hütet in seiner Schneeberger Wohnung einen enormen Fundus an Foto- und Textdokumenten. Sein Fachwissen und Fleiß, seine Akribie und Kontakte sowie seine kollegiale, nette Art bleiben unverzichtbar.

Fast 900 Magazine in mehr als 51 Jahren

Seit inzwischen gut 51 Jahren hat der gebürtige Auer fast alle Hefte zu Punkt- und Pokal-Heimspielen plus diverse Sonderausgaben maßgeblich mitgestaltet. Allesamt im Ehrenamt! Zu letzteren gehören die Zeitungen anlässlich der 35-jährigen Erstligazugehörigkeit 1986 und zum 1000. Oberligapunktspiel am 13. Oktober 1989. Natürlich gab es Hefte zu den IF- und UEFA-Cup-Partien in den achtziger Jahren, Broschüren zu besonderen Freundschaftsspielen.

Fast 900 Magazine, schätzt er, seien von 1974 bis heute erschienen. Allein seit Juli 1994, als das erste Heft unterm Namen „Veilchenecho“ gedruckt wurde, sind es 575 – mit der Ausgabe zum 7.12.2025! Zusammen mit dem langjährigen Zeugwart und Mannschaftsleiter Bernd „Zimbo“ Zimmermann ist Bernd der wohl dienstälteste „aktive Kumpel“ beim FC Erzgebirge.

Willkommene Aufgabe für den Statistikfuchs

Wie kam Sportfreund Friedrich zu „seinen“ Stadionheften? „Im Sommer 1974 fragte mich der damals dafür verantwortliche Herbert Reich, ob ich ihn im Urlaub vertreten wolle. Fußballstatistiken und besonders die Auer Fußballgeschichte waren mein großes Hobby seit Jugendzeiten und so sagte ich gern zu“, erinnert sich der Erzgebirger. „Ich weiß noch, wie ich den Inhalt des Hefts mit Trainer Bringfried ,Binges‘ Müller, vor dem ich Riesenrespekt hatte, absprach, wie Sekretärin Hildegard Bamler meine Texte und Tabellen akkurat in die Maschine tippte und ich am Ende in einer kleinen Druckerei in der Auer Neustadt prüfte, ob sich Fehler eingeschlichen hatten.“ Das Heft zum Oberligapunktspiel der BSG Wismut gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig muss gepasst haben, denn nach dem Erscheinen wurde er im Verein gefragt, ob er das Produkt übernehmen wolle.

Lehrer und Sport – zwei Leidenschaften

Die Liebe zum Kumpelverein war jedoch weit früher geweckt. Sein Opa Paul Herrmann, übrigens der Urgroßvater der späteren FCE-Präsidenten Uwe und Helge Leonhardt, nahm den Fünfjährigen mit ins Otto-Grotewohl-Stadion. Geboren am 7. September 1948, wuchs der Junge in Aue auf, interessierte sich schon als Schüler brennend für Fußballstatistiken. Die Wolf-Brüder, Willy Tröger, Heinz Satrapa, „Binges“ Müller, Manfred Kaiser, Klaus Thiele, Klaus Zink und andere Oberligaspieler waren Idole und Vorbilder. Zudem war Bernd selber am Ball, trainierte bei der BSG Wismut, unter anderem bei Ex-Nationalspieler Siegfried Wolf. Während des Studiums wechselte er 1970 zu Stahl Auerhammer und musste die Töppen 1972 verletzungsbedingt an den Nagel hängen. Von 1971 an unterrichtete Bernd Mathematik und Physik, erst in der damaligen Polytechnischen

Oberschule auf dem Brünlasberg und nach der Wende am Beruflichen Schulzentrum für Wirtschaft und Sozialwesen. Ab 1974 parallel dazu die Stadionzeitungen zu machen war ein wunderbares Hobby. Auch der Renteneintritt 2011 änderte bis heute nichts daran.

„Opa brennt für den Fußball“

„Der alleinige Macher war ich nie, denn stets trugen eine Menge Leute zum Gelingen bei. Von den Verantwortlichen, Trainern und Mitarbeitern beim Verein über Profis in Verlagen und Druckereien bis zu ganz vielen Ehrenamtlichen, die mit Texten, Fotos,

Recherchen und sachlicher Kritik halfen“, betont der Aue-Fan, der 1983 nach Schneeberg zog und dort seit 2006 mit seiner Frau Sabine in einem Reihenhaus wohnt. „Meine Frau, die Tochter und der Sohn haben mich immer unterstützt und es mir nachgesehen, dass ich eine Menge Zeit in das Hobby investiere. Auch meine drei Enkel Anja, Alina und Lias wissen, dass Opa für den Fußball und seine Stadionhefte brennt. Dafür allen ein ganz großes Dankeschön! „Jeder in der Familie weiß, dass Bernd das Fußballhobby wichtig ist. Aber es hält ihn auch fit, genauso wie Gartenarbeit oder unsere gemeinsamen Reisen“, sagt Sabine Friedrich. Der Laptop sei immer dabei, schließlich ruhe die Arbeit am „Veilchenecho“ auch im Urlaub nicht.

In der DDR aus wenig viel gemacht

Spannend sind die Geschichten, die „Mr. Veilchenecho“ aus fünf Jahrzehnten zu erzählen weiß. „Zu DDR-Zeiten gab es wegen des Papiermangels nur acht Seiten. Auch Farbe war knapp, es reichte nur für etwas Lila auf dem Titelblatt. Im Internetzeitalter sind alle Informationen schnell zur Hand, aber für uns damals gab es nur Sportecho, Fuwo, DDR-Fernsehen und insgeheim ARD auch ZDF.“ Freundschaftliche Kontakte pflegte er zu Fotografen und Sportjournalisten wie Walter Wagner und Kjell Riedel in Aue, aber auch Frank Kruczynski aus Zwickau oder Hanno Griesbacher aus Chemnitz. Mit dem ehemaligen Fuwo-Journalisten Andreas Baingo ist er seit mehr als vierzig Jahren eng verbunden. Man traf und schätzte sich, tauschte sich aus, half einander, selbst wenn die Vereine Rivalen waren.

Für Funktionäre ein Politikum

Selbst zu Corona-Zeiten gab es zu jedem Heimspiel ein Veilchenecho, wenngleich nur in Mini-Auflagen. Nur einmal, am 12. Mai 1984, durfte das gedruckte Programmheft nicht in den Verkauf. Warum nicht? „Die Olympischen Spiele in Los Angeles sollten Ende Juli beginnen und ich hatte eine Übersicht zum Abschneiden der DDR bei olympischen Fußballturnieren zusammengestellt. Als ich das Manuskript zum Druck gab, waren die besten Sportler der DDR mitten in den Vorbereitungen auf das Ereignis, doch als die BSG Wismut Aue am 12. Mai den FC Rot-Weiß Erfurt zum letzten Heimspiel der Saison 1983/84 im Otto-Grotewohl- Stadion begrüßte, war ihr Traum geplatzt. Die SED-Führung hatte inzwischen beschlossen, Los Angeles zu boykottieren“, erinnert sich Bernd. Doch das Heft war gedruckt. Die BSG-Führung entschied, es nicht zu verkaufen. Nur die anwesenden Pressevertreter bekamen eins.“

Aufstiege des Vereins bleiben Höhepunkte

Das Größte für ihn bleibe der erste Aufstieg mit Trainer Gerd Schädlich in die 2. Bundesliga. Fantastisch seien auch die Aufstiege 2010 unter Rico Schmitt und 2016 mit Pavel Dotchev gewesen. Oder die Höhepunkte zu „Uli“ Thomales Zeiten, die IF- und UEFA-Cupspiele in den achtziger Jahren oder das Fest zum 1.000.

Oberligapunktspiel gegen den 1. FC Magdeburg 1989. „Viele packende Partien, die Derbys vor allem, vergisst man nie. Das Verhältnis zu den Aue-Trainern – ungefähr dreißig seit 1974 – war immer kollegial, auch wenn sie unterschiedliche Typen waren. Das trifft erst recht auf die Verantwortlichen zu, die den FC Erzgebirge 1992 in einer extrem schweren Situation gründeten und 2003 in die 2. Bundesliga führten.“

Skat und Schach als „Ausgleichssport“

Mit einigen Weggefährten hält Bernd bis heute Kontakt, ein sehr persönliches Verhältnis etwa verbindet ihn mit dem früheren Coach Hans-Ulrich Thomale und Ex-Manager Lutz Lindemann. Lebhaft erzählt der Schneeberger von den Kaffeerunden mit Mitarbeitern und Trainern in der Geschäftsstelle. Fußball wurde da zwar nicht gespielt, doch in den 1980er Jahren so manche Runde Skat mit „Uli“ Thomale, Konrad Schaller und Klaus Gerber. Und mit Wismut-Spieler-Legende Jürgen Escher saß er über so einigen Schachpartien. Schach ist übrigens die Sportart, die „Mister Veilchenecho“ bis 2021 aktiv mit großer Leidenschaft spielte.

Auch interessant für dich