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Westsachsen

Landrat: "Viele Herausforderungen erfolgreich bewältigt"

Interview Frank Vogel spricht zum Jubiläum über zehn Jahre Erzgebirgskreis

Der Erzgebirgskreis - gebildet am 1. August 2008 aus den Altlandkreisen Annaberg, Aue-Schwarzenberg, Mittlerer Erzgebirgskreis und Stollberg - blickt in diesem Jahr auf zehn Jahre gemeinsame Entwicklung. Ariane Grund sprach darüber mit Landrat Frank Vogel (CDU).

"Freie Presse": Wie beschreiben Sie einem Gast in wenigen Sätzen den Erzgebirgskreis?

Frank Vogel: Geprägt von einer reizvollen Landschaft und einem vielfältigen lebendigen Kulturangebot ist der Erzgebirgskreis eine einzigartige Region in der Mitte Europas. Er gehört zu den bedeutendsten Tourismusregionen Sachsens. Hier verbinden sich über Jahrhunderte aus dem Bergbau entstandene Traditionen mit Herzlichkeit und Frische, Offenheit und Heimatgefühl, Erfindungsreichtum und Bodenständigkeit. Denn das eigentliche Potenzial sind die Erzgebirger selbst. Sie schaffen mit ihrem Fleiß und mit ihrem Können die Grundlagen für eine gute Zukunft.

Was erklären Sie dem Gast ausführlicher und warum?

Über unsere Region gibt es sicher viel zu berichten. Generell würde ich aber versuchen, den Gast davon zu überzeugen, wie touristisch reizvoll und lebenswert es bei uns ist, um ihn für diese Region zu begeistern.

Was sind Meilensteine in Ihrer Arbeit und in der Arbeit der Kreisverwaltung in den zurückliegenden zehn Jahren?

In den ersten Jahren bestand die Aufgabe darin, die Kreisverwaltung strukturell zukunftsfähig aufzustellen, das Kreisrecht zu vereinheitlichen, das Jobcenter in eigene Trägerschaft zu übernehmen und die drei Sparkassen zu einer starken, leistungsfähigen Sparkasse - unserer Erzgebirgssparkasse - zu fusionieren. Als meines Erachtens größte Herausforderung galt es, durch eine solide und effektive Haushaltswirtschaft die Grundlage für das erfolgreiche Zusammenwachsen unseres Landkreises und die Entwicklung unserer Heimatregion zu schaffen. All das ist uns sehr gut gelungen. So konnten wir in diesen Jahren auch beträchtliche Summen in unsere landkreiseigenen Gymnasien, Berufsschulzentren, Förderschulen, aber auch in Sport- und Kulturstätten und unsere Dienstgebäude investieren. Und mit dem seit Jahren mit Abstand niedrigsten Kreisumlagehebesatz in Freistaat Sachsen haben wir zudem bewiesen, dass es uns wichtig ist, unseren Städten und Gemeinden soviel Handlungsspielraum wie möglich zu lassen, um deren eigene Entwicklung zu unterstützen.

Was ist nicht geschafft? Warum?

Wir haben viele Herausforderungen erfolgreich bewältigt, aber bei mancher Aufgabe haben wir noch immer einen Berg an Arbeit vor uns. Beispielsweise im Bereich der Sanierung und dem grundhaften Ausbau unserer Kreisstraßen hätte ich gerne noch mehr erreicht, wenngleich wir in diesen zehn Jahren insgesamt etwa 80 Millionen Euro dafür einsetzen und damit mehr als 40 Prozent unseres Kreisstraßennetzes in einen sehr guten Zustand bringen konnten. Aber die Ausgangsbedingungen der Altlandkreise waren hier einfach zu unterschiedlich und Fördermittel des Freistaates standen auch nicht unbegrenzt zur Verfügung, um in diesem Prozess noch schneller voran zu kommen. Leider ist es uns nicht gelungen, den Freistaat davon zu überzeugen, dass er im Bereich der Verkehrsinfrastruktur deutlich mehr für die Sanierung und den grundhaften Ausbau der Staats- und Bundesstraßen tun muss. Eine intakte Verkehrsinfrastruktur ist für den Erhalt einer guten Lebensqualität, für unsere Wirtschaft und damit für gleichwertige Lebensverhältnisse im ländlichen Raum im Vergleich zu den Ballungszentren eine unabdingbare Voraussetzung.

Worin sehen Sie Stärken, worin Schwächen des Kreises?

Wie bereits eingangs erwähnt, das eigentliche Potenzial und damit die Stärken für die Entwicklung der Region sind die Menschen selbst, die hier leben und arbeiten. Darüber hinaus engagieren sie sich ehrenamtlich in vielfältiger Art und Weise für ihre Heimat - ob in der Feuerwehr oder dem Sportverein, in der Kirchgemeinde oder der soziokulturellen Arbeit, der Brauchtumspflege, im Umweltschutz, der Denkmalpflege, in der sozialen Arbeit und vielem mehr. Kopfzerbrechen bereitet mir nach wie vor unsere demografische Entwicklung und das zunehmende Fehlen von Arbeitskräften. Hier stehen wir alle gemeinsam - Unternehmen, Politik und die Bürgerschaft insgesamt - in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen.

Woran erinnern Sie sich gern?

Da gibt es viele regionale Veranstaltungen und Feste, an denen ich in den vergangenen zehn Jahren in unseren Städten und Gemeinden teilnehmen konnte, die etwas von diesem besonderen Lebensgefühl im Erzgebirge, von dieser Heimatliebe ausstrahlen. Sie hier zu benennen, würde den Rahmen sprengen. An überregionalen Veranstaltungen sind mir insbesondere der Tag der Sachsen und die Landesgartenschau in Oelsnitz, das Landeserntedankfest in Zwönitz und der Tag der Sachsen in Schwarzenberg in guter Erinnerung geblieben. Aber auch das jährlich stattfindende Europäische Blasmusikfest in Bad Schlema oder unsere traditionellen Bergparaden und Mettenschichten bilden immer wieder unvergessliche Höhepunkte. Besonders gern erinnere ich mich an den 2. August 2008, den ersten Bergmännischen Zapfenstreich aus Anlass der Gründung des Erzgebirgskreises und an die Begegnungen mit solch erfolgreichen Sportlern wie Erik Frenzel und Richard Freitag oder den vor kurzem geschafften Klassenerhalt des FC Erzgebirge Aue und des EHV Aue. Es waren und sind immer die Begegnungen, die Gespräche mit unseren Erzgebirgern, die mich bewegen und an die ich mich letztendlich sehr gerne erinnere.

Welche mittel- und langfristigen Aufgaben stehen an?

Mittel- und langfristig gilt es, durch die Fortsetzung unserer soliden Haushaltspolitik die Voraussetzungen für die weitere Entwicklung unserer Heimatregion zu schaffen und die Lebensqualität nicht nur zu halten, sondern weiter zu verbessern. Wir stehen im Wettstreit mit anderen Regionen um die besten Köpfe, um Arbeitskräfte. Der Erhalt und Ausbau unserer Verkehrsinfrastruktur, der zügige Ausbau der Breitbandversorgung, der Erhalt eines effizienten ÖPNV sind ebenso wichtig wie die Sicherung einer guten medizinischen Versorgung, schulischen Bildung und einer modernen Berufsausbildung sowie die Gewährleistung von Ordnung und Sicherheit. Als eine Herausforderung sehe ich es auch, unser bisher sehr breites Vereinsleben und unsere vielfältigen Kulturangebote zu erhalten. Dazu bedarf es, Menschen dazu zu begeistern, dass sie auch künftig bereit sind, mehr zu tun als andere.

Wenn Sie drei Wünsche für den Kreis frei hätten, was würde Sie sich wünschen?

Ich wünsche mir, dass wir alle, gerade aus Anlass dieses zehnjährigen Jubiläums, mit Stolz und voller Dankbarkeit auf das bisher Erreichte schauen und daraus die Kraft und Zuversicht schöpfen und neue Ideen entwickeln, um unsere Heimatregion im Wettbewerb der Regionen weiter voran zu bringen. Ich wünsche mir, dass wir uns mit mehr Respekt und Achtung begegnen, die Leistung des anderen anerkennen und mehr Toleranz im Umgang mit unseren Mitmenschen, gleich welcher Herkunft und Hautfarbe, üben. Und ich wünsche mir, dass wir trotz fortschreitender Digitalisierung, ständig breiterer Kommunikation über die modernen Medien, verbunden mit einer zunehmenden Anonymisierung, das direkte Gespräch, den persönlichen Kontakt von Mensch zu Mensch nicht vergessen. Nur zusammen wird es uns gelingen, diesen Erzgebirgskreis lebens- und liebenswert weiter zu entwickeln.

Dieser Artikel ist in der Sonderzeitung "Zusammen für eine starke Region - 10 Jahre Erzgebirgskreis" erschienen.



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