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Lauterbacher Pfarrer Bernhard Fuß geht in den Ruhestand

Menschen Abschied von bewegtem Berufsleben

Lauterbach. 

Lauterbach. Hinter Bernhard Fuß liegt ein bewegtes Berufsleben. Am 27. Juni wird der Lauterbacher Pfarrer in der Heilandskirche verabschiedet. Bernhard Fuß ist in einer Pfarrersfamilie in Radebeul aufgewachsen. Von Kind auf erlebte er, was der Glaube alles bewirken kann. Schon als Jungendlicher hatte er eine stark ausgeprägte soziale Ader. Das lebt er heute noch nach wie vor. Im Schulalter war er weder Mitglied bei den Pionieren noch in der Freien Deutschen Jugend. Er nahm auch nicht an der Jugendweihe teil. Damit blieb ihm der Zugang zum direkten Abitur in der Erweiterten Oberschule (EOS) verwehrt.

Über Umwege zum Ziel

Diese Erfahrung mussten nicht nur fast alle Pfarrerskinder in der DDR machen. Bernhard Fuß wählte den Weg über die Berufsausbildung mit Abitur. So erlernte er den Beruf des Maschinen- und Anlagenmonteurs und kam gleichzeitig an die Hochschulreife. Später wird er sagen, er habe von den Erfahrungen in einem sozialistischen Betrieb sehr profitiert. So lernte er, wie die hier arbeitenden Menschen denken und ticken. 1977 begann er sein Theologiestudium in Jena. 1985 trat er seine erste Pfarrstelle in Dürrhennersdorf und Kottmarsdorf bei Löbau an. 1991 quittierte er seinen Dienst. Beim Verein "Sozial-Christliches Hilfswerk Bautzen e.V." konnte er sich verstärkt benachteiligten Menschen widmen und dennoch geistlich tätig sein.

Engagement für benachteiligte Menschen

In dieser Zeit arbeitete er unter anderem auch mit Insassen des Gefängnisses in Bautzen und hielt dort Gottesdienste. Nie wird er vergessen, wie ein Leipziger nach einer kriminellen Karriere hinter Gittern zum frommen Christen wurde. Er wurde mit Worten aus der Bibel gesprochen vom Saulus zum Paulus. Der einst berüchtigte Häftling ist heute noch freundschaftlich mit dem Pfarrer verbunden und Pate eines seiner Kinder. Er sah sich auch in anderen deutschen Gefängnissen und Städten mit schweren Schicksalen konfrontiert, arbeitete mit Drogensüchtigen, Prostituierten und anderen Menschen, die durch das soziale Raster gefallen waren. 1995 bot sich ihm die Chance auf eine Pfarrstelle im Erzgebirge. Waldkirchen mit Börnichen war seine nächste Station. Binnen kurzer Zeit kam Grünhainichen hinzu. Ab 1999 wirkte er zusätzlich als Seelsorger im Zschopauer Krankenhaus. So konnte er weiterhin seiner sozialen und missionarischen Ader folgen.

Zwangspause durch Burnout

Sich auf diese Patienten einzulassen, fiel ihm immer leicht. Menschen mit Kirchenzugehörigkeit und auch ohne, mit schlimmen Diagnosen oder einfach nur mit Lebensfragen wollten mit ihm sprechen. Zehn Jahre später meldete sich sein Körper und zwang ihn zu einer Pause. Bournout. Es dauerte etwa ein Jahr, bis er sich wieder völlig gesund fühlte. Im Februar 2010 trat er seine Dienststelle in Lauterbach an. Seine Seelsorge im Krankenhaus nahm er wieder auf. Von Anfang an fühlte er sich in Lauterbach sehr gut angenommen. Die Verbundenheit mit der Familie zeigte sich besonders, als er im Jahr 2017 einen Schlaganfall erlitt. Die Familie wurde damals von vielen Dorfbewohnern rührend unterstützt. In Lauterbach traf er eine große Anzahl Menschen, die den Glauben in ihren Alltag integrieren und an ihre Kinder weitergeben.

Weiterentwicklung durch Offenheit

Schöne Erinnerungen verbindet er mit der Weihe der neuen Kirchenglocken 2017. Besonders erfreulich war für ihn immer, dass der Kirchenvorstand offen für Neues war. Ohne diese Offenheit wäre es wohl nie zur Gründung des Lichtblick e.V. gekommen. Der Verein vereint die Initiativen junger Christen aus Lauterbach und Umgebung. Die Zusammenarbeit noch zu intensivieren sollte eine Aufgabe für seine Nachfolger werden. Die halbe Pfarrstelle bleibt vorerst vakant. Wolfram Rohloff übernimmt die Vakanzvertretung und bemüht sich um eine erneute Ausschreibung. Er ist seit 2005 Pfarrer in Zöblitz. Seit kurzem bilden beide Kirchgemeinden gemeinsam die "Heilandskirchgemeinde Zöblitz-Lauterbach". Auf die Frage, ob er eine Lieblingsstelle in der Gemeinde gehabt habe, sagte Bernhard Fuß: "Nein. Weitergeben von dem, was ich mit Gott erlebt habe, ist mir nach wie vor ein Herzensanliegen. Ich fühle mich immer dann wohl, wenn ich auf ehrliche und authentisch lebende Menschen treffe, auch wenn sie nicht meiner Meinung sind. Den Kontakt zu Menschen außerhalb der Kirche sowie zu Ausgegrenzten suche ich sehr gern." Selbstverständlich musste er auch menschliche Enttäuschungen verkraften. "Hin und wieder redeten Leute, von denen ich es nicht erwartet hätte, schlecht hinter meinem Rücken", sagt er. Zum Glück sei das nicht so häufig der Fall gewesen.

Ruhestand, oder doch noch nicht?

Ganz Feierabend ist für Bernhard Fuß übrigens noch nicht. Bis zum Ende des Jahres führt er die Vertretung in den Kirchgemeinden Thum und Jahnsbach noch weiter. Danach beginnt dort ein neuer Pfarrer. Angst vor dem Ruhestand hat er nicht. Er freut sich darauf. "Ich bin mir sicher, dass ich auch ohne die große Verantwortung und den Druck auskomme", meint der 64-Jährige. Außerdem freut er sich auf die freie Zeit mit der Familie. Er hat acht Kinder und 6 Enkel. Fünf seiner Kinder leben mit ihm und seiner Frau im Haus unweit der Kirche. Dort und im Garten wartet auch noch jede Menge Arbeit, die über die Jahre liegengeblieben ist. Der Verabschiedungsgottesdienst findet am 27. Juni um 14 Uhr in der Lauterbacher Heilandskirche statt.



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