Gefrorene Teiche, Fußabdrücke auf dem Eis und unterschätzte Gefahren: Genau diese Ausgangslage stand im Mittelpunkt einer Eisrettungsübung der Feuerwehr Bad Schlema die in Schneeberg Neustädtel an einem Teich übten. Einsatzkräfte trainierten dabei den Ernstfall denn stehende und fließende Gewässer gibt es in der Region viele.
Trügerische Spuren auf dem Eis
„Wir haben in den letzten Jahren das Thema Eisrettung immer wieder forciert“, erklärt Zugführer Dirk Vieweg, der die Übung leitete. Der Hintergrund sei klar: „Bei uns gibt es zahlreiche Teiche und auch Fließgewässer wie die Mulde oder Entwässerungsgräben. In bestimmten Jahreszeiten bildet sich dort Eis – und das verlockt Menschen dazu, die Flächen zu betreten.“ Am Übungsgewässer sei deutlich zu sehen gewesen, wie viele Fußspuren sich bereits auf dem Eis befanden.
Sicherheit der Einsatzkräfte steht an erster Stelle
Ziel der Ausbildung sei es vor allem, die eigene Sicherheit der Einsatzkräfte zu gewährleisten. „Wir nutzen die Technik, die wir auf unseren Fahrzeugen haben zum Beispiel Steckleiterteile, ein Spineboard oder eine Schleifkorbtrage“, so Vieweg. Damit werde die Auflagefläche auf dem Eis vergrößert und das Risiko eines Einbruchs minimiert.
Theoretischer Anfang
Der Übungsabend begann mit einer halbstündigen theoretischen Einweisung. „Dabei haben wir noch einmal über die besonderen Gefahren an Gewässern gesprochen und was beim Arbeiten auf Eisflächen zu beachten ist“, erläutert der Übungsleiter. Anschließend folgte der praktische Teil direkt auf dem Eis. Sein Fazit fällt positiv aus: „Von meiner Seite her war die Übung in Ordnung.“
Gefahren für Menschen im Eiswasser
Jan Richtsteiger, Notfallsanitäter bei der Johanniter-Unfall-Hilfe, erläuterte die medizinischen Risiken bei einem Einbruch ins Eis. „Die größte Gefahr ist die Unterkühlung. Wichtig ist zunächst Ruhe zu bewahren und auf die Eigensicherung zu achten.“ Betroffene müssten so schnell wie möglich aus dem Wasser gerettet und in einen sicheren Bereich gebracht werden.
Richtiger Umgang mit unterkühlten Personen
Besonders wichtig sei der richtige Umgang mit unterkühlten Personen: „Keine aktive Erwärmung durch Reiben oder Klopfen. Nasse Kleidung entfernen, trockene Decken zum Wärmeerhalt nutzen.“ Bewusstlose Personen müssten stabil gelagert und bei Atemstillstand sofort reanimiert werden. „Und ganz wichtig: schnellstmöglich den Rettungsdienst alarmieren am besten noch bevor man eigene Rettungsversuche startet.“
Ausrüstung erleichtert die Rettung
Ein besonderer Teil der Übung war der Einsatz eines speziellen Eisrettungs- und Überlebensanzugs, den Feuerwehrmann Moritz Vieregg testete. „Es war spannend. Der Anzug ist dicker, als man erwartet, und im Wasser sehr eng der Druck ist deutlich zu spüren“, berichtet er. Zwar sei die Kälte an den Extremitäten wahrnehmbar gewesen, „aber insgesamt ist es aushaltbar, auch über einen längeren Zeitraum“. Der Anzug sorge zudem für Auftrieb, was die Rettung erleichtere. Dennoch sei der Ausstieg aus dem Eis „sehr anstrengend und körperlich fordernd“.
Dringender Appell an die Bevölkerung
Abschließend richtet die Feuerwehr einen eindringlichen Appell an die Bevölkerung: „Eisflächen sollten auf gar keinen Fall betreten werden außer sie sind offiziell geprüft und freigegeben“, betont Dirk Vieweg. In diesen Fällen gebe es in der Regel auch eine Aufsicht. Ohne Freigabe aber gelte: Abstand halten und im Notfall sofort Hilfe rufen.
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