Leere Stühle und gedeckte Tische auch in Crottendorf

Wirtschaft Erzgebirgische Gastronomen greifen Dresdner Idee auf und wollen Politik wachrütteln

Erzgebirge/Crottendorf. Es war ein Riesenauflauf und sie waren aus der gesamten Erzgebirgsregion gekommen: Die Gastronomen, Hoteliers und Veranstalter. Über 60 erzgebirgische Unternehmen waren dabei, als sich am heutigen Freitagvormittag bei der Aktion "Leere Stühle & gedeckte Tische" der Parkplatz am Crottendorfer Räucherkerzenland zur "Freiluftgaststätte" ohne Gäste mauserte. Damit wollen die Gastronomen und Hoteliers, so wie in vielen anderen Städten auch, auf ihre prekäre Situation aufmerksam machen. Die erzgebirgische Leere-Stühle-Aktion wurde von Dominik Naumann von der Brauerei Zwönitz und Mirko Paul von der Crottendorfer Räucherkerzen GmbH initiiert. Sehr schnell allerdings fanden sich auch Mitstreiter, die aus allen Ecken des Erzgebirges ihre Stühle heranbrachten. Neben den leeren Stühlen waren ebenfalls gedeckte Tische aufgestellt, die jedem Appetit machen würden, wenn man denn könnte.

"Die Verluste der vergangenen Wochen können wir nie und nimmer aufholen"

Mirko Paul, der geschäftsführende Gesellschafter der Crottendorfer Räucherkerzen GmbH erklärte: "Das Problem kennt aktuell jeder in der Gastronomie. Es gibt keinen Tourismus mehr und deshalb ist alles zum Erliegen gekommen. Die Verluste, die bereits in den vergangenen Wochen entstanden sind, können wir nie und nimmer aufholen. Jeder Tag, den es länger dauert, ist verhängnisvoll. Was verloren ist, ist verloren. Wir brauchen dringend eine Perspektive."

Genauso sieht es Dominik Naumann, Inhaber der Brauerei Zwönitz. Er betonte: "Bei uns ist es nicht allein die Gastronomie. Mit den vielen abgesagten kleinen Veranstaltungen und großen Events ist auch der Bierabsatz massiv eingebrochen. Das Bier, was heute nicht vom Gast getrunken wird, werden wir auch im Herbst nicht verkaufen. Denn keiner trinkt dann die doppelte Menge. Wir brauchen Planungssicherheit. Zurzeit machen wir eine totale Blindfahrt, können uns auf unsere Erfahrungen nicht mehr verlassen. Normalerweise würden wir jetzt für die ganzen Sommerfeste vorproduzieren. Nun besteht die Gefahr, dass wir uns verkalkulieren und das zu viel gebraute Bier letztendlich im Abfluss landet."

Uwe Stöckel ist nicht nur Gastronom, sondern zugleich im Vorstand des DEHOGA Sachsen e.V... Der Landesverband fragt: "Wir bleiben für Euch zuhause - aber wer übernimmt unsere Kosten." Und genau das ist ein großes Problem: Es gibt keine Gäste und keine Einnahmen, aber die Betriebskosten laufen weiter.

Markus Gorny vom Hotel Saigerhütte in Olbernhau brachte es auf den Punkt und sagte: "Mir fehlen 70.000 Euro im Monat für die Unkosten. Doch was wir brauchen, sind keine Kredite, wir brauchen Unterstützung. Ganz wichtig ist, dass wir wissen, ab wann wir starten dürfen und wie das gehen soll, damit wir uns auf die Regularien einstellen können." ru