Lotters Erbe entdecken: Geyer öffnet Lotterhof und Turmmuseum

Zum Tag des offenen Denkmals am 13. September zeigen Restauratoren ihre Arbeit im Lotterhof. Gleich nebenan führt das Turmmuseum durch die Geschichte der Bergstadt.

Geyer

Erst Wohnsitz eines wohlhabenden Kaufmanns und Baumeisters, später Standort einer Waschbretterfabrik: Der Lotterhof hat in mehr als vier Jahrhunderten sehr unterschiedliche Nutzungen erlebt. Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 13. September, können Besucher das Renaissancegebäude kennenlernen und erfahren, wie seine historischen Räume Stück für Stück wiederhergestellt werden. Auch das benachbarte Turmmuseum beteiligt sich.

Der Lotterhof öffnet um 10 Uhr. Ab 11 Uhr sind stündliche Führungen angekündigt. Restauratoren stellen die jüngsten Arbeiten in den Innenräumen des ersten Obergeschosses vor. Eine Ausstellung blickt auf das Restaurierungsprojekt der vergangenen Jahre zurück. Hinzu kommen ein kleiner Benefiztrödelmarkt sowie ein Angebot an Speisen und Getränken. Der Tag steht unter dem Motto „Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken.“

Der Mann hinter dem Namen

Errichtet wurde das Herrenhaus 1566 als Zweitwohnsitz von Hieronymus Lotter. Der Kaufmann und mehrfache Leipziger Bürgermeister war auch an bedeutenden Bauvorhaben seiner Zeit beteiligt. Unter seiner Leitung entstanden städtische Gebäude in Leipzig, darunter das Alte Rathaus. Später übernahm er die Bauleitung für Schloss Augustusburg.

Mit Geyer verband ihn zunächst der Bergbau, in den er ab 1561 investierte. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Lotter hier unter schwierigen finanziellen Verhältnissen: 1576 zog er sich hoch verschuldet nach Geyer zurück. Er starb 1580 und wurde in der St. Laurentiuskirche beigesetzt. Der Lotterhof bewahrt damit auch die Erinnerung an den wechselvollen Lebensweg seines Namensgebers.

Am Gebäude selbst sind historische Details wie Tür- und Fenstergewände, eine Holzkassettendecke und das Treppenhaus von Bedeutung. Seit 1936 steht das Haus unter Denkmalschutz. Im 19. Jahrhundert war dort die „Erste sächsische Waschbretterfabrik C. M. Schürer“ untergebracht.

Seit 2003 setzt sich der Förderverein Kulturmeile Geyer-Tannenberg verstärkt für die Erhaltung des Hauses ein. Zu den bisherigen Schritten gehören die Sanierung des Gewölbekellers 2010, neue Fenster im ersten Obergeschoss 2013, die statische Sicherung 2014 und die Fassadenerneuerung 2017. Seit 2019 werden die repräsentativen Räume in den Wohngeschossen restauriert. Beim Denkmaltag lässt sich nachvollziehen, was dabei bereits erreicht wurde.

Stadtgeschichte auf sieben Etagen

Nur wenige Schritte entfernt öffnet das Turmmuseum von 13 bis 18 Uhr. Im ehemaligen Wehr- und Wachtturm geht es unter anderem um die Anfänge der Besiedlung, die Geschichte des Turmes und den Bergbau. Das rund 42 Meter hohe Bauwerk beherbergt seit 1952 das städtische Museum.

Über sieben Etagen verteilen sich Einblicke in die Ortsgeschichte. Zu sehen sind unter anderem einheimische Mineralien, ein Funktionsmodell des Geyersberges, eine Posamentierstube und eine Sammlung von Zinngeräten in der Lotterstube. So lässt sich der Besuch des Renaissancehauses mit einem Rundgang durch weitere Kapitel der Geyerschen Vergangenheit verbinden.

Die beiden Häuser befinden sich Am Lotterhof 10 und 11. Informationen zum Lotterhof gibt es unter Telefon 037346 91546, zum Turmmuseum unter 037346 1244.

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