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Marienberg: Schlussspurt vor dem Lockdown versetzt Friseure in Dauerstress

Corona-Folgen Viele Salons sind bis 22 Uhr ausgebucht

Marienberg. 

Marienberg. Wegen der Corona-Beschränkungen darf sich nur eine begrenzte Anzahl an Menschen auf einmal im Friseursalon von Sabine Helmert aufhalten. Doch über den Tag verteilt ist die Nachfrage der Kunden schier grenzenlos - ein ständiges Kommen und Gehen. "5.30 Uhr haben wir die ersten reingelassen und 22 Uhr werden die letzten gehen", beschreibt die Unternehmerin aus Marienberg das Geschehen, das am Montag und Dienstag für Dauerstress sorgt. Der herrscht nicht nur im Geschäft "Haare und Bewusstsein" von Sabine Helmert, sondern in so ziemlich allen Salons dieser Branche. Verantwortlich dafür ist die Pandemie. Genauer gesagt der Bund-Länder-Beschluss vom Sonntag, in dem auch eine Schließung der Friseure ab Mittwoch festgelegt wurde.

 

Sofort zum Telefon gegriffen

 

Noch am selben Tag liefen aus diesem Grund viele Telefone heiß. "Als ich vom Beschluss erfahren habe, bin ich sofort ins Geschäft gefahren und habe versucht, die Kunden zu erreichen", berichtet auch Sabine Helmert. Das Ziel von ihr und allen Kolleginnen ist klar: Bis Dienstagabend sollen noch möglichst viele der Kunden dran kommen, deren Termine sich ursprünglich bis unmittelbar vor Heiligabend erstreckten. Möglichst hübsch in die Feiertage zu gehen, lautet vielerorts das Motto. "Viele sehnen diesen Termin herbei", sagt zum Beispiel Friseurin Diane Seidel aus Venusberg. Und auch Manja Müller, die in Gornau den Salon "Haare und mehr" betreibt, gibt ihr Recht: "Für uns herrscht in dieser Zeit immer Hochbetrieb." Umso bitterer sei nun die Entscheidung der Politik.

 

Aus unternehmerischer Sicht fatal

 

"Aus menschlicher Sicht ist der Lockdown absolut nachzuvollziehen, weil die Lage so prekär ist. Aus unternehmerischer Sicht ist er jedoch fatal", sagt Sabine Polster. Auch sie muss ihren Salon in Olbernhau ab Mittwoch schließen, obwohl sie zuvor noch ausführlich an ihrem Hygienekonzept gefeilt hatte. Die Hoffnung, irgendwie durch die "einnahmestärkste Zeit" zu kommen, ist nun dahin. Stattdessen wachsen die Ängste und Sorgen um die Zukunft des Geschäfts. "Wir wissen ja auch nicht, wie lange diesmal zu ist", sagt die Olbernhauerin, nachdem die Friseure bereits im Frühjahr für sechs Wochen schließen mussten. Doch egal: Für die letzten zwei Tage heißt es, noch einmal alles zu geben. "Die Kundschaft, die bis 23. Dezember bestellt war, arbeiten wir ab", verspricht Sabine Polster.

 

Entspannte Weihnachten als Trost

 

Einige Vertreter der Branche haben sogar den eigentlich arbeitsfreien Montag genutzt, um möglichst viele Kunden bedienen zu können. Und auch Sabine Helmert reizt das zeitliche Potenzial bis zur 22 Uhr beginnenden Ausgangssperre voll aus. "Bis dahin ist alles minutiös durchgeplant", sagt die Erzgebirgerin, die - wie die meisten Kolleginnen - trotz der wirtschaftlichen Sorgen Verständnis für den Lockdown hat. Gesundheit geht nun mal vor. Außerdem trage sie auch die Verantwortung für ihre zwölf Angestellten. Für die ist jetzt Dauerstress angesagt, ab Mittwoch aber Ruhe. Irgendwie sei sie auch "froh, dass es zum ersten Mal in 30 Jahren ruhige Weihnachten" gibt, sagt Sabine Helmert, die dennoch weiterhin einen kontaktlosen Lieferservice anbieten will. Auf diese Weise können sich Kunden noch Gutscheine oder Pflegeprodukte für sich selbst oder als Geschenk besorgen.