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Masken-Verteilung sorgt für Stress und Frust

Hilfsaktion Regionale Apotheker von Organisations- und Kommunikationsstrategie der Regierung enttäuscht

Marienberg/Wolkenstein. 

Marienberg/Wolkenstein. Der ganz große Ansturm ist erst einmal vorbei, der Frust ist aber immer noch da: Die kostenlose Ausgabe von FFP2-Masken an Menschen über 60 Jahre oder mit Vorerkrankungen, die am Dienstag begann, hat bei den Apotheken im mittleren Erzgebirge neben Stress vor allem Kritik an der Bundesregierung ausgelöst. Statt einer zentralen Organisation, von der im Vorfeld alle ausgegangen waren, musste sich jeder Inhaber selbst um die Beschaffung der Masken kümmern. Viele Bestellungen erfolgten daher erst gegen Ende vergangener Woche, als der Beschluss der Hilfsaktion bekannt geworden war. Nicht alle Lieferungen trafen jedoch rechtzeitig ein, sodass nicht überall Masken zu haben waren. Auch einige Kunden, die mancherorts in Schlangen anstanden, wirkten deshalb frustriert.

Stammkundschaft hat Vorrang

Unter anderem zeigte sich Ulrike Klemm überrascht davon, die Masken selbst bestellen zu müssen. Der Leiterin der Marienberger Löwen-Apotheke zufolge seien viele Vertreter ihrer Branche mit dieser Herausforderung "schlagartig überfordert gewesen". Der Vorrat, der am Morgen vorhanden war, wäre bei freier Vergabe nach einer halben Stunde alle gewesen. Daher hatte die Stammkundschaft zunächst Vorrang. "So kann auch verhindert werden, dass einige Leute von Apotheke zu Apotheke ziehen", sagte Ulrike Klemm mit Blick auf eventuelle Nutznießer, die illegal von der Aktion profitieren wollten: "Wir haben die Verantwortung, die Masken so zu verteilen, dass sie ausreichen." Auch andere Apotheken entschieden sich daher dafür, sie nur an Stammkunden auszureichen.

Pauschale in der Kritik

Kritik an der Politik äußerte auch Andreas Enger, der Apotheken in Wolkenstein, Grünhainichen und Pockau-Lengefeld betreibt. Das begann schon damit, dass große Menschenansammlungen, die eigentlich verhindert werden sollten, durch die Ausgabe gefördert wurden. "In Wolkenstein herrschte Ausnahmezustand. Gefühlt war die ganze Stadt auf den Beinen", berichtet Enger. In seinen Augen wurde von höherer Stelle nicht ausreichend kommuniziert, dass die Masken bis Ende Dezember zu haben sind. Betroffene könnten sich also Zeit lassen. Zwar ist Enger guter Dinge, bis Ende der Woche ausreichend Masken zur Verfügung zu haben. Dennoch wurden die Apotheker in seinen Augen bei der Besorgung von der Regierung "im Regen stehen gelassen". Andere Vertreter der Branche kritisierten zudem, dass die Staat zur Verfügung gestellte Pauschale für die Masken nicht ausreiche und es sich dabei nur um ein "Schmerzensgeld" handele. Außerdem sei die Zahl der Masken schwer zu kalkulieren, was die Bestellung zu einem "Pokerspiel" gemacht habe.



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