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Messerattacke an Heiligabend in Aue - Betroffener hegt keinen Groll

Engagement Mike Weller will sich weiterhin engagieren und helfen

Aue. 

Aue. Er hat Schreckliches erlebt und hegt dennoch keinen Groll. Mike Weller liegt nach der Messerattacke an Heiligabend im Kirchgemeindehaus St. Nicolai in Aue noch immer im Helios Klinikum in Aue, wo seine Stichverletzung behandelt wird. Wie der 51-jährige selbst sagt, gehe es ihm von Tag zu Tag besser und dafür sei er sehr dankbar. Mike Weller hatte unheimliches Glück - das Messer hat ihn auf der linken Körperseite hinter dem Arm erwischt. Was passiert ist?

Eskalation vor dem Geschenkezimmer

In der Kirchgemeinde ist es Tradition geworden, dass man an Heiligabend etwas für Hilfsbedürftige tut. Es gibt ein gemütliches Beisammensein mit kleinem Kulturprogramm, Essen und Geschenken. 17 Jahre sind eine lange Zeit und alles sei systematisch gewachsen. "Es sind immer mehr Leute geworden, die sozial benachteiligt oder allein sind. Es sind 2015 dann auch relativ viele Ausländer mit dazugekommen, die wir mit reingenommen haben", so Weller. Diesmal habe sich vor dem Geschenkezimmer schon lange vor der Bescherung eine Schlange gebildet. "Dann wollten sich einige vordrängeln. Das hat sich aufgeschaukelt. Die Leute, die ausländischer Herkunft waren, sind in die Schranken gewiesen worden. Die Betreffenden sind gegangen und kamen wenig später mit Freunden wieder", erzählt Weller und fügt hinzu: "Wenn Männer von einer Frau in die Schranken gewiesen werden, ist das für jemanden, der nicht aus christlichen Kreisen kommt, relativ schwer. Dann eskaliert die Situation. Das ist ein stückweit geschehen. Das habe ich durch Gespräche mitbekommen."

Das Gefühl der Wut hat Mike Weller nicht

Mike Weller selbst hat in der Küche Dienst getan und als die Situation eskalierte, ist er eingeschritten. Wo das Messer herkam, weiß Mike Weller nicht: "Wir machen diese Arbeit seit Jahren, aber eine Situation, die so eskaliert, haben wir noch nie erlebt." Der Auer schöpft Kraft aus seinem Glauben. Er ist seit über 20 Jahren ehrenamtlich in der Kirchgemeinde tätig, engagiert sich beim Verein Lichtblick Aue und ist zudem bei den Sächsischen Israelfreunden aktiv. Auf die Frage, ob er trotz der Erfahrung jetzt seine Arbeit weiter fortsetzen kann, gibt es von Mike Weller ein klares Ja: "Mich bewegt es, dass andere Menschen die Erfahrung machen können, die ich vom Glauben her ein stückweit erfahren darf, das ich einen Frieden in mir habe, der andere begeistert. Es ist eine gewisse Ruhe, die ich die ganze Zeit auch hatte." Das Gefühl der Wut hat Mike Weller nicht: "Wenn ich dem Menschen jetzt gegenübertreten würde, wäre es wie ein guter Freund. Dennoch hätte ich Fragen. Warum er schon den Gedanken mitgebracht hat und warum er es, ohne ein Gespräch zu suchen, einfach getan hat?" Die Ereignisse in Aue haben zu Reaktionen geführt. In der Nicolaikirche hat es ein Friedensgebet geben mit 500 Menschen und auf dem Auer Altmarkt hatte NPD-Politiker Stefan Hartung zu einer Demonstration aufgerufen, der rund 2200 Leute gefolgt sind. "Meine Bitte an Herrn Hartung ist, keinen Hass zu verbreiten, sondern das, was Weihnachten ausmacht", sagt Weller.

Eine geistliche Einheit

In den Geschenke-Päckchen für die Leute ist neben den Geschenken auch ein Flyer und der ist Mike Weller wichtig: "Darüber wird für Januar zum Kurs eingeladen. Dort zeigen wir den Leuten auf, warum wir an Heiligabend dieses Zusammentreffen organisieren und was man mit dem Glauben erleben darf. Die Menschen mit ausländischer Herkunft sollten das, was uns prägt, kennenlernen können. Mit einem Messer in eine Kirchgemeinde zu gehen, kann ich nicht für gut heißen." Weller sucht auch Fehler auf Seiten der Kirchgemeinde-Mitglieder: "Es muss unter den Ehrenamtlichen klare Strukturen geben im Tun und Handeln. Unsicherheiten müssen weg. Es ist für mich wichtig, dass wir bei solchen Anlässen eine geistliche Einheit haben und die hat mir in diesem Jahr gefehlt."

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